Wie eine DNS-Untersuchung zum Desaster wurde "Irgendwie reingekommen"

Am 2. Mai 2007 wurden in der Wohnung von Charlotte Böhringer DNS-Spuren gesichert, die mit Spuren im Fall Ursula Herrmann identisch sind. Wie es dazu kam, ist bis heute nicht geklärt.

Von Susi Wimmer

Die Beteiligten waren sprachlos am 2. Mai 2007: Da erklärte der Richter, dass Ermittler in der Wohnung von Charlotte Böhringer an einem Wasserglas und einer Kommode DNS-Spuren gesichert hätten, die mit Spuren im Fall Ursula Herrmann identisch seien. "Das kann keine Originalspur von damals sein", erklärte sogleich Oberstaatsanwalt Anton Winkler. Die DNS sei "irgendwie in das Verfahren reingekommen".

Rätselhafte Spur: J73.03.3 stammt von einer Holzschraube aus der Kiste, in der 1981 die entführte Schülerin Ursula Herrmann erstickt war.

(Foto: Foto: dpa)

Aber wie? Ermittler, Laboranten - alle möglichen Beteiligten wurden zur Speichelprobe gebeten. Innerhalb von 14 Tagen wolle man die Sache aufklären, hieß es bei der Polizei. Geklärt ist bis heute, gut ein Jahr später, nichts. Dafür kochte die Gerüchteküche ganz gewaltig. In Verdacht geriet bald ein Mitarbeiter der Spurensicherung. Er hatte die DNS-Spur im Fall Böhringer gesichert - und auch im Altfall Herrmann die Schraube untersucht. Hinzu kam, dass der Mann im Präsidium als absoluter Experte, aber auch als menschlich schwierig eingestuft wird.

Hatte er die Spur absichtlich verunreinigt, um sich dafür zu rächen, dass seine Arbeit nicht genügend honoriert wurde? Oder wollte man ihm die verunreinigten Spuren unterjubeln, um ihn loszuwerden? Wie gesagt: alles nur Gerüchte. Fakt hingegen ist, dass dieser Ermittler heute nicht mehr im Präsidium an der Ettstraße arbeitet. Und dass die rätselhafte DNS-Spur nicht von ihm ist.