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Wie bleibt man gesund?:"Rücken ist das, womit wir am häufigsten zu tun haben"

Detlef Krajak in seiner Physiotherapie-Praxis, Ottostraße 21

Wie bleibt man gesund? Detlef Krajaks Antwort lautet: "Nimm dir Zeit für dich."

(Foto: Florian Peljak)

Detlef Krajak hat einen Physiotherapie-Ort etabliert, den auch Prominente, Adlige oder Hochleistungssportler aufsuchen. Wie wird man in München zur begehrten Therapie-Adresse?

Von Philipp Crone

Ohne die Bleiweste hätte Jon Bon Jovi die Praxis von Detlef Krajak vielleicht nie betreten. Mit solchen Westen trainierte der junge Leistungssportler Krajak. "Eine ideale Art, um sich selbst zu zerstören", sagt er heute. Als der Mann aus Niederbayern dann den Sport, Leichtathletik und Volleyball, aufgeben musste nach vielen Verletzungen, aber dieser Atmosphäre der Hochleistung nahe bleiben wollte, begann er sich für die Heilung des Körpers zu interessieren.

Vielleicht wäre Krajak, ein 64-jähriger drahtiger Mann mit weißer Hose, weißen Turnschuhen und weißem Dreitage-Bart, nicht als einer der ersten Männer zum Physiotherapeuten in Deutschland ausgebildet worden und hätte später ein Reha- und Trainingszentrum aufgebaut, in dem heute von Olympia-Teilnehmern über Gäste wie Jon Bon Jovi oder Franz Herzog von Bayern, Ballett-Tänzer der Staatsoper oder Schauspieler trainieren und sich behandeln lassen.

Prominente Gäste, das kann bedeuten, dass sich ein Ort zur Selbstvermarktung eignet. Allerdings ist das im Krajak-Komplex am Platz der Opfer der Nationalsozialisten nicht der Fall. "Hier laufen alle im Trainingsanzug rum", sagt Krajak mit einer rauweichen Stimme, die einen wahrscheinlich auch nach einem frischen doppelten Kreuzbandriss an das Schöne im Leben glauben lässt. Viel gepostet wird da nicht. Krajak schaut durch seine schmale Panzerknacker-Brille im Eingangsbereich auf die verschiedenen Räume, als Franz Herzog von Bayern in T-Shirt und Trainingshose vorbeiläuft. Der Mann ist einer der scheuesten bekannten Persönlichkeiten der Stadt und der größte Antagonist der Selbstvermarktung. So einer kommt, wenn er sich wohl fühlt und wenn ihm jemand von mehreren Seiten empfohlen wurde.

Es gibt in München Hunderte Reha-Praxen, es gibt Schaufenster-Studios wie etwa das Leo's. Warum aber kommen die Leute zu Krajak und seinen 36 Mitarbeitern? Und, nachdem die Bandbreite von hochprominent bis unbekanntest, von 17 bis 87 Jahren, vom Durchtrainiertesten bis zum Untrainiertesten reicht, was weiß dieser 64-Jährige über München und die Gesundheit seiner Bewohner?

Bevor er gesund machte, war Detlef Krajak selbst kaputt. Er wuchs bei seiner Oma auf, die als vertriebene Schlesierin eines Tages nach dem Krieg in Dingolfing am Bahnhof stand. Der Enkel ging auf die Realschule, wurde Leichtathlet, Hundert Meter und Weitsprung. Später Volleyball, Bayernauswahl, jeden Tag Training, Sprünge mit besagten Bleiwesten von Kästen herunter. Die beste Methode eben, um Gelenke zu zerstören, was damals aber noch keiner so wahrnahm. Krajak verletzte sich, immer wieder, klassische Muskel- und Überlastungsgeschichten, und begann sich zu fragen, wie man Verletzungen heilt oder vermeidet. Er lernte, "wie elend es ist, wenn man nicht teilnehmen kann". Ein Elend, das er Athleten später ersparen wollte.

Vor 45 Jahren sah die Physio-Ausbildung noch keine Männer vor in Deutschland. Also machte Krajak zunächst die zum "Masseur und medizinischen Bademeister". Er wollte mehr wissen über den Körper, nach dem Abitur auf dem zweiten Bildungsweg begann er 1981 die Ausbildung zum Sportphysiotherapeuten. Er war, drei Jahre später, mit Klaus Eder, "dem Ederklaus", wie Krajak sagt, wieder erster Physiotherapeut, "bei Olympischen Spielen". Bis dahin hatten die Sportler Ärzte und Masseure dabei. Eder, wohl durch sein Fußball-Engagement der bekannteste Physiotherapeut des Landes, sei sein Mentor gewesen, sagt Krajak, der dann die Ruderer betreute, weil er über ein paar Ecken den Trainerstab kannte.

Krajak blieb nach Olympia 1984 in den USA, dem damaligen Physio-Mekka. "Die Amerikaner hatten die besten Geräte." Krajak war ein Jahr bei Richard Steadman, dem Operateur, der damals alle wichtigen Kicker-Knie auf den OP-Tisch bekam, lernte weitere Sportler kennen wie Marc Girardelli oder Irene Epple. Die amerikanischen Mediziner nutzten bereits Ultraschall und andere Messgeräte, die in Europa "erst 20 Jahre später üblich waren". Da schon so viel Geld im US-Sport floß, zum Beispiel in der Football-Liga NFL oder beim Basketball, waren die medizinischen Abteilungen hochgerüstet und gut ausgestattet. "Was die aber nicht so gut konnten, war das hands on." Das Manuelle, das Fühlen mit den Fingern. "Ich hatte da bereits die skandinavische Manuelle Therapie gelernt und dabei, wie man Gelenke mobilisiert." Bei jeder Reha ist das Mobilisieren von zuvor ruhig gestellten Gelenken einer, wenn nicht der entscheidende Punkt.

"Jedes Gelenk bewegt sich mit einem Rollen und einem Gleiten", sagt Krajak und legt die rechte Faust in die geöffnete zerfurchte linke Hand. Nach einer Verletzung schrumpfe die Gelenkkapsel um das Gelenk und schränke so dessen Beweglichkeit ein. "Das Rollen bleibt erhalten, aber das Gleiten geht bei immobilen Gelenken verloren." Durch seine Techniken zeigte Krajak den US-Ärzten, wie man Gelenke wieder beweglich macht.

Als er wieder zurückkam, hatte Krajak Glück, weil er Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt kennenlernte, der damals bereits als erste Adresse für Sportler galt. "Der hat alle zu mir geschickt, von Augenthaler bis Matthäus. Das war skurril zum Teil, weil Reporter neben der Liege auf einem Stuhl saßen und während der Behandlung Interviews geführt haben." Krajak zog nach München und eröffnete 1986 sein ambulantes Therapiezentrum.

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