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Widerstand in München:"Wir schweigen nicht, wir sind Euer böses Gewissen"

Der Sitzungssaal im Justizpalast.

(Foto: Claus Schunk)

Im Sommer 1942 riefen die Mitglieder der "Weißen Rose" erstmals zum Widerstand auf. Ihren Einsatz gegen das Nazi-Regime mussten viele mit dem Leben bezahlen - die Stadt bewahrt ihr Andenken.

"Ihr habt geschrien, wo andre schwiegen, / obwohl ein Schrei nichts ändern kann, / ihr habt gewartet, ihr seid geblieben."

Konstantin Wecker hat diese Zeilen geschrieben, für seinen Song "Die weiße Rose." Dieses Lied steigt aus der Erinnerung hoch, hier vor den Grabstätten auf dem Friedhof am Perlacher Forst. Vier Widerstandskämpfer aus dem engsten Kreis der Weißen Rose sind in dieser Erde bestattet: Hans und Sophie Scholl, Christoph Probst und Alexander Schmorell. Nein, eigentlich sind es fünf. Auf dem Ehrenhain ist Hans Leipelt beigesetzt, der zur Hamburger Gruppe der Weißen Rose gehörte und im Januar 1945 von den Nazis im Gefängnis Stadelheim ermordet wurde.

Am 22. Februar 1943 verurteilte Roland Freisler, der Präsident des Volksgerichtshofs, die Geschwister Scholl und ihren Kommilitonen Christoph Probst wegen "landesverräterischer Feindbegünstigung, Vorbereitung zum Hochverrat und Wehrkraftzersetzung" zum Tode. Am Abend desselben Tages wurde das Urteil - tatsächlich war es ein als Rechtsakt verbrämter Mord - im Gefängnis Stadelheim per Guillotine vollstreckt.

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Auch nach dem Tod sind die drei Widerstandskämpfer vereint. Sie liegen auf dem Friedhof am Perlacher Forst, der unmittelbar an die Mauern der Justizvollzugsanstalt Stadelheim grenzt. Viele Menschen, welche die Nazis im benachbarten Gefängnis hingerichtet haben, sind auf diesem Friedhof bestattet worden. Im öffentlichen Bewusstsein präsent geblieben aber sind lediglich die Aktivisten der Weißen Rose, vor allem die Geschwister Scholl, die der fanatische NS-Blutrichter Freisler vor 75 Jahren in den Tod geschickt hat.

Eine Hecke umsäumt die Grabstätte in der Sektion 73 des Friedhofs, die Metallkreuze über den Gräbern von Hans und Sophie Scholl haben einen gemeinsamen Querbalken, auf dem ihr Name steht. Daneben ist Christoph Probst beerdigt, der Freund und Mitkämpfer. Ein paar Schritte weiter, in der Sektion 76, befindet sich die letzte Ruhestätte von Alexander Schmorell, hingerichtet oder besser gesagt: ermordet am 13. Juli 1943. Ein Grabstein mit einem orthodoxen Kreuz steht auf dem Familiengrab.

Schmorell und Hans Scholl, beide Medizinstudenten, hatten sich 1941 in München kennengelernt. Scholl, geboren 1918 in Ingersheim, entstammte einer christlich geprägten Familie mit sechs Kindern. In den Anfängen der NS-Zeit engagierte er sich in der Hitlerjugend, die Begeisterung aber legte sich allmählich. Wegen seiner Mitgliedschaft in der Bündischen Jugend sowie wegen des Vorwurfs der Homosexualität wurde er 1937 für kurze Zeit inhaftiert. Zwei Jahre später begann Scholl sein Medizinstudium in München, er bezog ein Zimmer in der Amalienstraße 95, dritter Stock. Später wohnte er in der Franz-Joseph-Straße 13, wo heute eine Gedenktafel an ihn und seine Schwester erinnert.

Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus in der JVA Stadelheim in München, 2014

Der Hinrichtungsort in Stadelheim.

(Foto: Claus Schunk)

Alexander Schmorell wurde 1917 als Sohn eines deutschen Arztes und dessen russischer Frau in Orenburg in Russland geboren. Nach dem Tod der Mutter, die an Typhus gestorben war, zog die Familie nach München, wo sie in der Benediktenwandstraße in Menterschwaige eine Villa bezog und der Vater seine Arztpraxis eröffnete. Alexander Schmorell besuchte das Wilhelmsgymnasium, sein erstes Medizinsemester absolvierte er in Hamburg. Zum Wintersemester 1939 kehrte er nach München zurück. Wie Hans Scholl interessierte sich Schmorell für Literatur, Kunst und Musik, die beiden Studenten verband bald eine tief gehende geistige Freundschaft. Es dürfte nicht lange gedauert haben, bis sie sich gegenseitig offenbarten, die NS-Diktatur zu verabscheuen.