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Wetter und Verkehr:Warum es Radfahrer im Münchner Winter besonders schwer haben

Auf schneebedeckten Straßen fährt es sich mitunter gefährlich als Radler.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Besonders Radfahrer haben es in München im Winter nicht leicht. Im Baureferat ist man sich der Problemlage bewusst.
  • Der Winterdienst räumt zwar auch auf Nebenstraßen, Splitt wird aber nur in Sonderfällen gestreut.

Man könnte dieser Tage meinen, auf der Ehrengutstraße im Dreimühlenviertel habe ein Laster eine Ladung Schmierseife verloren. Wer als Fußgänger den mit Kopfsteinpflaster belegten Straßenabschnitt überquert, kommt leicht ins Rutschen. Und Fahrradfahrern verlangt die Stelle erst recht Übung ab. Hier hat der Winterdienst zwar geräumt, aber keinen Splitt gestreut. Letzteres geschehe auf Nebenstraßen nur in Sonderfällen bei Glätte, heißt es im Baureferat. Und das macht Straßen wie diese zur Herausforderung.

Dabei ist die Ehrengutstraße eine ausgewiesene Fahrradstraße, also eine Route, die explizit Radlern vorbehalten ist und auf der Autos offiziell nur geduldet sind. Doch Autos haben mit dem Schneematsch kein Problem, Zweiräder hingegen schon. Ein weiteres Beispiel ist etwa die Adalbertstraße, die für Bewohner der Maxvorstadt eine wichtige Radverbindung darstellt und auf der ähnliche Bedingungen herrschen. Auch ein Teil der Gollierstraße im Westend ist eine Fahrradstraße und auch hier wird nur nach dem Standard für Nebenstraßen geräumt. Ebenso bildet die Bärmannstraße in Obermenzing bei Schnee eine Rutschfalle - um nur einige Beispiele zu nennen.

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Radfahrer haben es in München im Winter nach wie vor nicht leicht. Und das, obwohl der Stadtrat vor gut drei Jahren beschlossen hat, die Situation zu verbessern. Damals wurden auf 100 Kilometern sogenannte Winterrouten ausgewiesen. Das sind Radwege, die alle zwei statt drei Stunden und dazu intensiver geräumt werden. Und auch die restlichen 820 Kilometer Radwege sollten intensiver geräumt werden.

Martin Glas, Vorsitzender des Münchner Fahrradklubs ADFC, ist auch im Winter meistens mit dem Rad unterwegs. Seinen Beobachtungen zufolge fällt das Ergebnis im Stadtgebiet unterschiedlich aus. In Perlach etwa seien die Radwege seit Tagen unbenutzbar. Und wenn er etwa am Innsbrucker Ring entlang fährt, weicht er schon mal auf die Fahrbahn aus - "es gab keine Alternative", sagt Glas. Weil das nicht ganz ungefährlich ist, würde Glas das aber nicht jedermann empfehlen.

Im Baureferat ist man sich der Problemlage bewusst. Derzeit sei der Winterdienst permanent "mit Mann und Maus" unterwegs, sagt eine Sprecherin. Es werde auch ständig nachgeräumt, selbst wenn es nicht schneit. Ganz "schwarz" wie die Straßen könnten Geh- und Radwege in München allerdings nicht geräumt werden: Anders als auf den Fahrbahnen werden auf Geh- und Radwegen aus ökologischen Gründen kein Salz und keine Sole ausgebracht. Salz ist nur Hauptverkehrsrouten vorbehalten sowie Straßen mit Linienbusverkehr und Gefahrenstellen.

Priorität beim Räumen hätten etwa 10 000 Fußgängerüberwege und 275 Gefahrenstellen, heißt es im Baureferat, das seien zum Beispiel starke Gefälle- und Steigungsstrecken, Bahnübergänge und Haltestellen. "Trotz des intensivierten Winterdienstes auf Radwegen" könnten Einschränkungen nicht gänzlich vermieden werden, so die Sprecherin. Bleibt also der Tipp des Baureferats, dem sich auch ADFC-Chef Glas anschließt, im Winter vorausschauend zu fahren. "Auch Radfahrer sollten früher losfahren", sagt Glas.

Wer bei Schnee radelt, merkt zuweilen durchaus, dass sich etwas getan hat, seit die Stadt das Budget für Räumdienste 2015 um 1,24 Millionen Euro aufgestockt hat. So kommt es mittlerweile nicht mehr so häufig vor, dass an Kreuzungen kleine Schneehaufen die Radwege von der Straße abschneiden. Wer dennoch unzufrieden ist, den verweist das Baureferat auf sein Winterdienst-Servicetelefon. Unter 23 36 12 01 können Radler problematische Stellen melden.

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