Wetterbilanz Das Wärmste, was jemals gemessen wurde

Sonne satt: In München schien im Sommer 853 Stunden lang die Sonne, ein Fußbad im Englischen Garten gehörte da für viele zum täglichen Ritual.

(Foto: Florian Peljak)

Die Monate April bis August gehen in die Münchner Wettergeschichte ein. Selbst erfahrene Meteorologen sind über die Werte erstaunt.

Von Thomas Anlauf

Dieser Sommer will wohl nie zu Ende gehen. Dabei hat er eigentlich bereits im April begonnen. Selbst erfahrene Meteorologen waren erstaunt, als sie nun die Messreihen der vergangenen Monate genau unter die Lupe nahmen. Denn die Monate April bis August waren "das Wärmste, was jemals für München gemessen worden ist", sagt Uwe Zimmermann vom Regionalen Klimabüro des Deutschen Wetterdienstes DWD.

Seit Ostern lagen die Temperaturen bis auf wenige Tage deutlich über den vieljährigen Mittelwerten. Lediglich Mitte Juni war es etwas kühler als normal - und ein Temperatursturz zum Ende des meteorologischen Sommers Ende August verhagelte ein wenig die Statistik und der Sommer 2018 rutschte von Platz drei auf Platz fünf unter den wärmsten Sommern überhaupt.

Weiterhin unerreicht ist der Jahrhundertsommer von 2003, als monatelang kaum eine Wolke am Himmel stand. Er knackte in München fast alle Rekorde: Mit 21,9 Grad wies er die mit Abstand höchste Durchschnittstemperatur auf, knapp 880 Stunden schien die Sonne zwischen Juni und August, an 72 Tagen kletterten die Temperaturen auf mehr als 25 Grad und in neun Sommernächten fiel es nicht unter 20 Grad. Doch dieses Jahr geht dennoch in die Liste der schönsten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ein, was die Zahl der Tage betrifft, an denen es wärmer war als 25 Grad: Mit 59 Sommertagen liegt das Jahr 2018 auf Platz zwei hinter 2003, dicht gefolgt von den Jahren 2017 und 2015 mit 56 Sommertagen.

"Der Sommer war warm, aber nicht so extrem", sagt Uwe Zimmermann vom DWD. Meteorologen wie Zimmermann genügen da schon ein paar Zehntel Grad, um gravierende Unterschiede zu anderen Sommern auszumachen. Am 9. August schwitzten die Münchner bei bis zu 35,1 Grad Celsius, der heißeste Tag des Jahres bedeutete aber lediglich Rang zehn im Hitzeranking. Bislang unerreicht sind die 37,5 Grad aus dem Jahr 1983, das Jahr 2017 schaffte es mit 35,8 Grad Celsius auf Platz sechs.

Die größte Hitze kam in der zweiten Hälfte dieses Sommers. Mit durchschnittlich 21,5 Grad Celsius war der August um 3,6 Grad wärmer als im langjährigen Mittel. Im Juni und Juli wurden immerhin im Durchschnitt auch zwei Grad mehr gemessen als in einem statistischen Durchschnitts-Juni und -Juli. Und extrem sonnig war der Sommer. Mit 853,1 Stunden Sonnenscheindauer belegte er Platz zwei hinter dem Jahr 2003 und mit großem Abstand vor 2015 (797,1 Stunden Sonne).

Pfützen waren in diesem Sommer in München dagegen eher selten.

(Foto: Catherina Hess)

Dass bei so viel Sonne nicht allzu viel Regen fällt, ist eigentlich logisch. Trotzdem bekam München im Vergleich zu extrem trockenen Gegenden im Norden Deutschlands noch erstaunlich viel Wasser ab. Meteorologe Zimmermann hat errechnet, dass in München immerhin 87 Prozent der sonst üblichen Niederschlagsmenge fiel. Die verteilte sich allerdings auf relativ wenige Tage. An insgesamt zehn Tagen in diesem Sommer fielen mehr als zehn Liter Regen pro Quadratmeter, an 28 Tagen gab es leichten beziehungsweise nur kurz anhaltenden Regen.

Die Folgen des relativ trockenen Sommers waren in München im Gegensatz zu anderen Regionen relativ harmlos. Die Isar hatte wochenlang nur sehr wenig Wasser bei teilweise über 20 Grad, was vor allem die Fische im Fluss stresste. Für andere Tiere war die lange warme und trockene Periode seit April hingegen ein Segen. Die Wespen zum Beispiel konnten sich hervorragend vermehren. Und die Apfelbäume hängen derzeit so voll mit Äpfeln, dass die Äste zum Teil gestützt werden müssen, damit sie unter ihrer Last nicht zusammenbrechen.

Groß war er, dieser Sommer, der aus meteorologischer Sicht seit dem 1. September vorüber ist. Kalendarisch dauert er aber noch bis in die frühen Morgenstunden des 23. September. Und wenn die Meteorologen recht behalten, wird es in der kommenden Woche noch einmal richtig warm und sonnig, wie es sich für dieses Jahr gehört.

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