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Wettbewerb:Lauter schönste Städte

Der Verein Europäische Metropolregion München kürt den besten Imagefilm - das ist Risiko und Chance zugleich

Im Kinosaal des Filmtheaters am Sendlinger Tor riecht es nach Popcorn, das Licht ist heruntergedimmt, dazu gedämpftes Raunen im Publikum. Man wartet darauf, dass vorne auf der Leinwand gleich ein Film beginnt. "Eine Kulisse wie aus dem Bilderbuch", findet Wolfgang Wittmann, und das passt dann auch ziemlich gut.

Der Verein Europäische Metropolregion München (EMM), dessen Geschäftsführer Wittmann ist, hat am Dienstag eingeladen, um den besten Imagefilme des südlichen Bayerns auszuzeichnen. Imagefilme behaupten, eine Stadt oder Firma so zu zeigen, wie sie ist - und wirken dabei nicht selten wie die Verfilmung eines Bilderbuchs. Einhundert Städte, Landkreise und Firmen hatten Clips eingereicht, eine Jury traf eine Vorauswahl, dann konnte jeder abstimmen, der wollte. Es sei ein "richtiger Wettbewerb" gewesen, sagt Wittmann. Wettbewerb, das klingt nach einem sportlichem Duell, nach Spannung. Der Beste soll gewinnen, was bei Imagefilmen besonders kompliziert ist, denn die präsentierte Stadt oder Firma ist grundsätzlich die beste.

Das Ergebnis des Volksentscheids: Landshut gewinnt vor München und Ingolstadt. Ein klassischer Außenseitersieg, analysiert Landshuts Oberbürgermeister Alexander Putz, der für die Preisverleihung angereist ist. Sein Favorit sei München gewesen, weil die Stadt aufgrund ihrer Größe die meisten potenziellen Wähler habe. Aber natürlich habe sich Landshut viel Mühe mit seinem Film gegeben. "Wir wollten die Vielfalt der Stadt abbilden", sagt Putz.

Das Video zeigt in schnellen Schnittfolgen das Gotische Rathaus, die Basilika St. Martin, die Burg. Ein würdiger Reiseführer, allerdings scheint sich die Vielfalt im Film auf die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu beschränken. Dass in Landshut knapp 20 000 Menschen mit Migrationshintergrund leben, lassen die Protagonisten, allesamt Weiße, nicht vermuten. Was man noch nicht sieht: dass die schöne Basilika immer wieder bröckelt.

Ein Imagefilm ist immer Risiko und Chance. Klug gemacht, kann man sich selbst auf die Schippe nehmen und trotzdem an Sympathie zulegen. Die Berliner Verkehrsbetriebe, eines der verpeiltesten Unternehmen Deutschlands, hat ein herrlich selbstironisches Video gedreht. Es zeigt zum Beispiel, wie die für ihre Unfreundlichkeit berüchtigten Busfahrer im Simulator üben, die Tür exakt vor der Nase des heraneilenden Fahrgasts zu schließen. Der Clip wurde mehr als drei Millionen Mal angesehen, die Reaktionen waren positiv. So viel Kreativität ist selten. Die meisten Clips ähneln sich, als hätte derselbe Autor das Drehbuch geschrieben. Werbefilme gibt es vor allem deshalb, weil sie gebraucht werden. Wer einen hat, landet im Google-Ranking weiter vorne, und ist damit für Touristen leichter auffindbar. "Wir hatten innerhalb weniger Wochen 80 000 Zugriffe", sagt Oberbürgermeister Putz.

Zu den Besonderheiten des Imagefilm-Wettbewerbs gehört allerdings, dass der Gewinner nicht zwangsläufig der beste ist. Der erste Platz sei "kein Qualitätsbeweis", sagt Wittmann. Es habe derjenige gewonnen, der seine Wähler am besten mobilisiert habe. In dieser Disziplin immerhin sind die Stadt Landshut und die TU München, der Gewinner bei den Firmen, die allerbesten.