Varieté:Voller Wonne in der Wanne

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Varieté: Nutzt den glitschigen Badewannen-Rand für seine Handstand-Performance: der Equilibristik-Künstler Andalousi Laghmich Elakel.

Nutzt den glitschigen Badewannen-Rand für seine Handstand-Performance: der Equilibristik-Künstler Andalousi Laghmich Elakel.

(Foto: GOP Varieté Theater/Morris Mac Matzen)

Die Bestseller-Show "Wet" kehrt ins Münchner Gop zurück. Bei der Premiere verkündet Kreativdirektor Werner Buss nach 28 Jahren seinen Abschied.

Von Barbara Hordych

Eine passendere Premiere hätte sich Kreativ-Direktor Werner Buss für seinen Abschied im Münchner Gop-Haus kaum wünschen können: "Wet - the Show", inszeniert von einem seiner langjährigen künstlerischen Wegbegleiter, dem Berliner Varieté-Neuerfinder Markus Pabst und dessen Regie-Kollege Maximilian Rambaek, tourte von 2016 an durch die Gop-Häuser, deren Kosmos heute sieben Standorte umfasst. Der kreative Kopf hinter all den Produktionen ist Buss, der nun nach 28 Jahren seine Tätigkeit für das Hannoveraner Unternehmen beendet; aber mit "Wet" noch einmal einem Bestseller wieder begegnet, der nicht nur hierzulande, sondern auch international große Erfolge feierte. Die ungewöhnliche Kombination aus Akrobatik, Live-Gesang und ganz gewöhnlichen Badewannen reiste durch Europa, war im Sydney Opera House in Australien, in Israel und Mexiko zu Gast. Weltweit sahen sie über 1,5 Millionen Zuschauer, unter ihnen sogar die Queen.

Und nun sind die Wasser-Spiele nach München zurückgekehrt. Das Bühnenbild besteht aus sechs auf Podesten stehenden Badewannen, aus denen zunächst nicht die Gesichter, sondern nur die Waden und Zehen der Artisten und Artistinnen lugen. Dass besagte Wannen auch als Basis für die unterschiedlichsten Aktionen taugen, beweisen Artistinnen wie Michelle Casartelli, die auf dem Badewannenrand liegend Bälle und Tücher mit Händen und Füßen jongliert. Ihrem Kollegen Ilja Smyslov gelingt es indes, bei seiner Bouncing-Jonglage auf dem Boden eines umgedrehten weißen Zubers bis zu sieben rosafarbene Bälle in eine Fontäne zu verwandeln. Für eine Überschwemmung sorgt dann aber die Darbietung von Andalousi Laghmich Elakel: Er nutzt den glitschigen Rand eines Bade-Bottichs, um seine mitreißende Handstand-Akrobatik abrupt im Wannenwasser enden zu lassen. Immer wieder klatscht sein Körper in irrem Tempo in das feuchte Element, um dann einem Delfin gleich zu einer neuen Figur in die Höhe zu schnellen.

Lina Navakaite zeigt mit Stimmgewalt, wie Conny Froboess' Badehosen-Schlager bei Mozart oder den "Beatles" klingen würde

Während die Artisten eher spärlich bekleidet wahlweise in Badeanzügen oder Unterwäsche agieren, behält die blonde Diva Lina Navakaite in Goldglitzer-Robe mit Federboa und Seifenblasen-Hut auf dem obersten Badewannen-Podest jederzeit die Contenance und den Überblick: Die klassisch ausgebildete Sängerin aus Litauen bewältigt mit Leichtigkeit den Crossover zwischen Oper und Populärmusik, zeigt mit beeindruckender Stimmgewalt, wie etwa Conny Froboess' Schlagerklassiker "Pack die Badehose ein" klingen würde, wenn Mozart, Schumann, Händel, Schönberg, die Beatles oder auch russische Volksmusiker ihn komponiert hätten. Buss wiederum freute sich, mit der litauischen Diva eines jener Ensemblemitglieder zu begrüßen, die von Anfang an dabei waren. Dass der Wannen-Show aber auch bei ihrem Comeback nicht der Esprit ausgeht, dafür sorgen Neuentdeckungen wie der Berliner Jasper Deininger, Absolvent der staatlichen Artistenschule Berlin, mit einer wunderbar poetischen Tanz-Trapez-Nummer. Und die bereits erwähnte, erst 17-Jährige Antipoden-Künstlerin Michelle, die Buss bei einer seiner Talentsuchen in der Veroneser Artistenschule vom Fleck weg engagierte. Was die Eltern nur unter einer Bedingung erlaubten: Ein Familienmitglied muss künftig immer mit dabei sein. In München war es die Großmutter, die Buss zum Schlussapplaus auf die Bühne holte.

Wet - the Show, bis 13. März, Gop-Varieté-Theater

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