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Westkreuz:Feuer und Flamme für das Viertel

Johannisfeuer

Freiwillige Helfer noch gesucht: Das Johannisfeuer am Westkreuz, das im Vorjahr ausfallen musste, findet heuer wieder statt.

(Foto: privat)

Das Westkreuz feiert sich zur Sommersonnenwende am Freitag mit einem großen, Funken sprühenden Fest

Von Ellen Draxel, Westkreuz

"München darf ruhig leuchten", sagt Rory O'Flanagan, "aber das Westkreuz muss glitzern". Dass es das seit mehr als zehn Jahren tut, daran ist er nicht ganz unschuldig. Immer zur Sommersonnenwende lockt ein Stadtteilfest an die tausend Besucher in den Münchner Westen - ein Fest, dessen Höhepunkt ein riesiges Feuer zu nächtlicher Stunde bildet. Das Johannisfeuer nebst Bürgerfest ist einzigartig innerhalb der Münchner Stadtgrenzen, der Verein Kultur am Westkreuz richtet beides seit 2004 aus. Der Ire O'Flanagan ist Mitbegründer des Vereins und seit April auch dessen Vorsitzender.

Er hat den Job von Willi Fries übernommen, kultureller Tausendsassa im Viertel. Wenn also am Freitag, 26. Juni, das Spektakel erneut stattfindet, sind es nicht nur die Feuerzungen, die glitzern. Das ganze Westkreuz wird im Sinne von O'Flanagan und Fries erstrahlen: Das Johannisfest ist ein Gemeinschaftsprojekt vieler Gruppierungen und Nachbarn, ein konfessionsübergreifendes Engagement, das nur mit viel Herzblut gestemmt werden kann. "Die katholische Kirchengemeinde St. Lukas ist dabei, die evangelische Adventskirche, die rumänisch-orthodoxe Kirche", sagt der ehemalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende O'Flanagan. Sie alle werden um 18 Uhr gemeinsam eine ökumenische Andacht in der St. Lukaskirche an der Aubinger Straße 63 gestalten, unterstützt vom Chor der Armonia. Anschließend kann man sich bei Steaks und Würstchen stärken, der Pfarrgemeinderat organisiert für 19 Uhr ein Grillfest am Pfarrzentrum.

Um 20 Uhr startet dann eine sommerliche Serenade am Ramses-See. Ministranten rahmen die Wasserfläche vor Aubings inoffiziellem Wahrzeichen, dem 64,5 Meter hohen, 138 Meter langen und 23 Meter breiten Ramses-Hochhaus, mit 40 Fackeln ein. Es folgen Auftritte der Tanzgruppe des Jugendtreffs Neuaubing, des Blasorchesters der Kolpingkapelle Mering und der Germeringer Showtanzgruppe "Fun Unlimited". "Ubo's Söldner", eine in mittelalterliche Gewänder gekleidete Feuerspucker-Truppe, geleiten Veranstalter und Besucher schließlich in einem Fackelzug zum Sportplatz an der Sipplinger Straße, wo sie um 22 Uhr das große Feuer anzünden.

So harmonisch das heute alles klingt, so umstritten war das Feuerspektakel vor einigen Jahren. Fünf Jahre ist es her, da machte die Stadtverwaltung den Veranstaltern kurzerhand einen Strich durch die Rechnung. Weil die Flammen nach Meinung der Behörden die Grasnarbe nicht nur großflächig beschädigten, sondern so hoch loderten, dass Funken bis in weit entfernte Gehölze flogen, wurden strenge Auflagen zum Schutz der Grünanlage erlassen. Fries war kurz davor, alles hinzuschmeißen, als, wie er es ausdrückt, ein "Wunder geschah": Nachbarn kamen auf ihn zu und boten ihre Hilfe an.

Seitdem heben Pfadfinder und Anwohner, allen voran die Eigentümergemeinschaften an der Sipplinger, Nonnenhorn- und Radolfzeller Straße, vor jeder Johannisnacht den Rasen ab, bringen eine Sandschicht auf und verlegen darüber Stahlplatten. Erst auf diesem feuerfesten Untergrund darf dann das Feuerholz aufgeschichtet werden. Sand und Stahl werden in der Regel gespendet, auch für den Transport melden sich immer wieder Nachbarn, die die Waren kostenlos transportieren.

Sorgen macht O'Flanagan nur eines: die künftige Finanzierung. Für heuer sind die Kosten gedeckt, Zuschüsse fließen aus dem Verfügungsfonds für die Aktiven Zentren Neuaubing-Westkreuz. Im kommenden Jahr allerdings wird diese Geldspritze fehlen, sie ist nur als Anschubfinanzierung gedacht. "Das ist ein herber Schlag für uns", sagt der Vereinsvorsitzende. "Unser Ziel ist es, mit kulturellen Angeboten nachbarschaftliche Kontakte zu stärken und soziale Netzwerke aufzubauen. Aber wir haben auch Ausgaben, und die müssen gedeckt sein." Für Künstler, Druckkosten, Versicherungen - und im Fall des Johannisfeuers für den Einsatz von Feuerwehr, Polizei und Rotem Kreuz. Vergangenes Jahr musste das Fest erstmals ausfallen, weil Gelder fehlten. Fries bleibt dennoch optimistisch: Mit dieser einen Ausnahme von 2014 sei das Johannisfeuer bisher jedes Jahr gestemmt worden. Während O'Flanagan um Sponsoren und neue Mitglieder wirbt, bittet Fries um freiwillige Helfer. Wer sich engagieren möchte: Fries ist unter Telefon 83 448 45 erreichbar.

© SZ vom 25.06.2015

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