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Westkreuz:Auch Siege kosten Geld

Beim FC Mainaustraße spielen Flüchtlinge aus aller Welt, das Team hat mittlerweile einen festen Platz in der Royal Bavarian Liga. Nun ist die erfolgreiche Mannschaft auf der Suche nach Sponsoren

Tangara Boubacar hat einen Blick für Leute mit Ballgefühl. Gutes Dribbling will geübt sein, das Repertoire an Finten und Pässen ist dank eines durchdachten Trainings durchaus erlernbar. Boubacar aber sieht mehr. Er entdeckt, wenn Kreativität im Spiel ist. Wenn ein Kicker Talent hat. Und seine Jungs vom FC Mainaustraße, da ist sich der Fußballer sicher, haben "eine Zukunft".

Tangara Boubacar ist ein Profi. Vier Jahre lang hat der heute 27-Jährige als Innenverteidiger bei "Ali Tripolis" gespielt, danach begann er eine Fußballtrainer-Ausbildung bei "Espérance Sportive de Tunis". Jetzt lebt er in Deutschland, als Flüchtling in der Unterkunft an der Mainaustraße. Im Dezember 2015 ist er mit seiner Frau und seiner Tochter dort angekommen. Kontakt zum ESV Neuaubing fand der Mann aus Mali nach seiner Ankunft schnell, das Flüchtlings-Fußballteam des Neuaubinger Vereins war das erste, das am Ligaspielbetrieb des Bayerischen Fußball-Verbandes teilnahm. Boubacar jedoch wollte am Westkreuz seine eigene Mannschaft aufbauen. Er beobachtete die jungen Männer im Hof der Mainaustraße 14 beim Kicken und wusste: Da schlummert reichlich Potenzial.

Boubacar, das bestätigen die Sozialarbeiter der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in der Unterkunft, ist ein "Macher", er könne Menschen "motivieren und mitreißen". Mittlerweile hat das Team des FC Mainaustraße, das er aufgebaut hat, an die 30 Spieler. Sie sind jung, zwischen 19 und 25 Jahre, und sie kommen aus dem Senegal, aus Somalia, Eritrea, Syrien, Afghanistan, Gambia. "Wir verstehen uns sehr gut, alle sprechen entweder Englisch, Französisch oder Arabisch", sagt Boubacar. Natürlich gebe es kulturelle Unterschiede, aber: "Wir fühlen uns trotzdem wie eine Familie."

So sehen Sieger aus: Die Spieler des FC Mainaustraße.

(Foto: Stephan Rumpf)

Fußball verbindet. Für die meist alleinstehenden jungen Männer sind Training und Spiele mittlerweile zu einer wichtigen Aufgabe geworden, sie geben den ansonsten oft eintönigen Tagen der Flüchtlinge Struktur. Fünf Spieler des FC bringen wie ihr Trainer bereits Profi-Erfahrung mit, weitere 15 haben laut Boubacar zumindest "das Zeug, Profifußballer zu werden". Trainiert wird wenigstens dreimal die Woche für jeweils gut drei Stunden auf einem Bolzplatz nahe der Unterkunft - denn "Fußball", betont Boubacar mit ernster Miene, "ist unser Leben".

Anfangs absolvierte der FC Mainau- straße noch Freundschaftsspiele in der interkulturellen Münchner Straßenfußball-Liga "Bunt kickt gut". Mitarbeiter des Münchner Sozialprojektes gaben erste Hilfestellung zum Aufbau einer Fußballmannschaft in der Flüchtlingsunterkunft, Boubacar nahm auch an einer Schulung zum Street-Football-Worker teil. "Verloren hat der FC Mainaustraße aber kein einziges dieser Spiele", weiß Montassar Alibi vom Awo-Sozialdienst, "und das waren bestimmt zwischen zehn und 15."

Die Mannschaft hat in der Royal Bavarian Liga, einer Freizeitliga für Hobbymannschaften, bislang noch jedes ihrer Spiele gewonnen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Bis in den Mai hinein ist die Gewinner-Serie nicht abgerissen. Dabei spielt Boubacars Team inzwischen in der Royal Bavarian Liga (RBL), einer Freizeitliga für Hobbymannschaften. Anberaumt sind für diese Saison zwölf Spiele, das erste ging bereits mit 4:1, das zweite mit 7:4 an die Mainaustraße. Doch für die Teilnahme an dieser Liga müssen Gebühren in Höhe von 1185 Euro bezahlt werden - Geld, das die Spieler nicht haben. Der ehrenamtliche Helferkreis der Mainaustraße hat zwar bereits 400 Euro beigesteuert, für die restliche Summe aber sucht die Mannschaft noch Sponsoren. Notwendig ist außerdem "finanzielle Unterstützung etwa für Spielertrikots, Fußballschuhe und Bälle; "wir freuen uns aber auch über ideelle Hilfe", sagt Boubacar. Denn mit der Royal Bavarian Liga soll der Höhenflug nicht enden: Der Traum der Mannschaft ist der Kampf um Meistertitel im normalen Ligabetrieb des Bayerischen Fußballverbandes (BFV). "Dafür muss man sehr hart arbeiten, das ist uns klar", meint Tangara Boubacar, "wir müssen jeden Tag trainieren, üben, weitermachen. Aber wir sind gut, es ist machbar."

Wer der Mannschaft helfen will, schickt eine E-Mail: e.werner@helferkreis-mainaustraße.de.