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Werksviertel:Lebendig, urban, international

Unter anderem Studios, Apartments, ein Hostel und ein Restaurant sollen in dem 86 Meter hohen Turm untergebracht werden.

(Foto: Steidle Architekten)

Das markante Hochhaus im Werksviertel soll mit seiner Mischung an Nutzern die Philosophie des Neubaugebiets spiegeln

Er wird zu den buchstäblich überragenden Gebäuden des Werksviertels beim Ostbahnhof zählen - der fast 90 Meter hohe Hotelturm "Werk 4", in unmittelbarer Nachbarschaft zum geplanten Konzerthaus. Für das außergewöhnliche Hochhausprojekt wurde nun mit der Grundsteinlegung der offizielle Baubeginn in großem Rahmen gefeiert.

Schon die Komposition des Bauwerks wird als beispiellos angesehen. Das ehemalige Kartoffelsilo der Pfanni-Werke, das eine Kletterhalle bleibt, ist Bestandteil des Neubaus. Das Bauwerk soll auf eine Höhe von 86 Metern wachsen. In den oberen Etagen entsteht ein Hotel mit 234 Studios und Apartments der australischen Adina-Gruppe, darunter ist ein preisgünstiges Hostel der österreichischen Wombat's-Gruppe mit 500 Betten vorgesehen.

In etwa 40 Meter Höhe treten zwei Geschosse als plastisches Element aus der Fassade hervor. Dort befinden sich der Empfang, das Restaurant und die Bar sowie Konferenzräume und der Wellnessbereich des künftigen Apartment-Hotels. Das Gebäude sei als Ganzes ein bewohnbarer Industriebau, sagt Johannes Ernst vom Büro Steidle Architekten. Er hat das Gebäude entworfen und er ist auch der Chefplaner des Werksviertels.

Die Bauzeit für den Komplex mit seinen 24 Stockwerken wird rund zwei Jahre betragen. Die Otec GmbH mit ihrem Inhaber, dem Pfanni-Erben Werner Eckart, investiert in das Projekt 115 Millionen Euro. Mit seiner Nutzungsmischung soll das Werk 4 im Kleinen die Philosophie des Werksviertels spiegeln: lebendig, urban, international. Geschäftsleute, Rucksack-Touristen oder Musiker des Konzerthauses sollen sich mit denen treffen, die hier ins Zentrum des Werksviertels zum Sport kommen, die einkaufen, ausgehen oder in den umliegenden Gebäuden arbeiten.

Das Werksviertel sei auf dem besten Weg zu einem "attraktiven und zukunftsfähigen Stadtteil" zu werden, der für ganz Bayern bedeutsam sei, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Er betonte auch, dass die Entscheidung richtig gewesen sei, das Konzerthaus im Werksviertel zu bauen: "Es ist sinnvoll, etwas Neues zu wagen und nicht immer nur die traditionellen Standorte für Kultureinrichtungen zu stärken." Diese Haltung habe schnell Unterstützung in der Öffentlichkeit gefunden. Auch Ilse Aigner (CSU), die neue bayerische Bauministerin, lobte das Werksviertel. Auf einer Industriebrache etwas Neues zu entwickeln, sei spannend. Vor allem gehe es um das Zusammenwirken von Arbeiten, Wohnen und Kultur. Jetzt komme es noch darauf an, den Zugang zum Werksviertel und zum Konzerthaus vom Ostbahnhof her gut zu gestalten.

Für die Stadt hat das Werksviertel mit seiner besonderen Architektur und Nutzungsmischung ebenfalls einen hohen Stellenwert. An der offiziellen Grundsteinlegung für das Werk 4 nahm allerdings kein Vertreter der Stadtspitze oder der Planungsbehörde teil. Das liege an Terminschwierigkeiten, hieß es dazu.

Für Werner Eckart sind das Werk 4 und die Umstrukturierung des gesamten alten Pfanni-Areals ein Herzblut-Projekt. Denn der geschichtliche Hintergrund des Geländes soll auch weiterhin spürbar sein. Viele ehemalige Industriebauten werden also nicht abgerissen, sondern erhalten, kernsaniert und dann mit neuen Funktionen belegt. So ist eine Reihe von Loft- und Hochhausprojekten fertig geworden oder noch im Entstehen. In der Nachbarschaft - auf dem Optimol-Areal oder bei Rohde und Schwarz - gibt es ebenfalls große bauliche Veränderungen.