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Konzerthaus:Akustik ohne Dogmen

Akustikgenie Tateo Nakajima vom Büro Arup plant Akustik für Konzerthaus München

Tateo Nakajima kennt keine Genregrenzen und will einen Klang entwerfen, wie es ihn so nur in München geben kann.

(Foto: Corinna Guthknecht)

Tateo Nakajima kümmert sich um den Klang der neuen Konzertsäle im Werksviertel. Schon seit Wochen erkundet der Kanadier den Sound der Stadt.

Nun ist es ganz offiziell: Tateo Nakajima vom Büro Arup wird für die Akustik des Konzerthauses München verantwortlich sein. Das wusste man zwar schon, aber für so einen Auftrag von zukunftsweisender Bedeutung braucht es dann doch einen kleinen Staatsakt, der in der White Box im Werksviertel stattfand, aus deren Fenstern man das derzeit sich dort unendlich langsam drehende Riesenrad und die Brache sieht, auf der dereinst das Konzerthaus entstehen soll.

Es lud der Bayerische Bauminister Hans Reichhart, der sich flugs als besessen von grandioser Euphorie bezüglich das Vorhabens erweist. Sein Kollege Bernd Sibler (Kunstminister) erzählt, dass er kürzlich nach Montreal gereist ist, um sich dort den Saal anzuhören, für den Nakajima die Akustik entworfen hat. Der Minister zeigt sich begeistert. Und sagt am Ende der offiziellen Vertragsübergabe noch etwas Lustiges. "Wenn Sie dem Pferd die Karotte zu weit vorhalten, geht halt nix."

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Nach 15 Jahren Diskussion bekommen die Architekten den Vertrag für das Konzerthaus in München. In Nürnberg ist man auch noch nicht viel weiter, hat inzwischen allerdings einen Zeitplan.

Das bezieht sich auf die Aussage von Georg Randlkofer, Vorsitzender der Konzerthaus-Stiftung, dass seine Aufgabe, Geld für den Saal zu sammeln, erst dann richtig beginne, wenn es mit dem Bau losgeht. Wann dies allerdings sein wird, kann man derzeit nicht genau sagen. Dazu erklärt Minister Reichhart, dass bis Mitte nächsten Jahres die Vorplanung fertig sein sollte, dann gehe die in den Landtag, worauf die Entwurfsplanung folge, die bis zu zwei Jahre dauern könne. Danach erfolge wieder eine Haushaltsgenehmigungstour im Landtag, und, so kann man sich das weiterdenken, in drei Jahren nimmt einer eine Schaufel in die Hand. So klingt es zumindest. Wichtig ist: Der Plan steht.

Trotz ministerialer Präsenz ist der Star der Veranstaltung natürlich Tateo Nakajima. Zwar sind da noch mehr Personen - Nikolaus Pont, Manager der BRSO, Anton Nachbaur-Sturm vom für den Bau verantwortlichen CN-Architekturbüro -, aber die kommen gar nicht zu Wort. Was auch ein bisschen daran liegt, dass Nakajima viel redet. Viele gute Sachen.

Arup, sein Büro, versteht sich, so könnte man es aus Nakajimas Worten ableiten, auf die Gestaltung einer besseren Welt. 2013 schlossen sich Arup und Artec (die Firma, die beispielsweise für den Klang des Luzerner Kongresshaussaals verantwortlich ist) zusammen, um eben das zu versuchen: "To create a better world." Sagt Nakajima. Und ehrlich: Man glaubt es ihm. Er erzählt ein bisschen Firmengeschichte, präsentiert in Wort und Bild ein paar der spektakulärsten Bauten, die unter Arups Mitwirkung entstanden und erklärt, was ein Akustiker eigentlich so macht. Also, in etwa so: Klang, Klarheit, Schönheit, Farbe, Wirkung werden übersetzt in physikalische Elemente, Hülle, Volumen, Materialien, Textur.

Es soll ein einziger Saal für München werden

Stets betont Nakajima, das Wichtigste sei Reden und Teamwork. Deshalb habe er vor, sehr eng mit den Architekten zusammen zu arbeiten, deswegen rede er mit den Musikern, mit Vertretern der Musikhochschule, er will ihre Wünsche verstehen, versteht sie auch, schließlich ist er gelernter Dirigent. Und er will auf die Stadt hören, deren Klang und deren Eigenart. Ein Beispiel: Als er in Paris den Saal Pleyel modernisierte, trieb ihn die Überlegung um, ob man in Frankreich Musik nicht vielleicht ganz anders höre als in Kanada, woher er stammt.

Der Mann arbeitet offenbar extrem genau und ziemlich frei von Dogmen. Auf die Frage, ob der Münchner Saal mit sogenannten Echokammern ausgestattet werde, mit denen man die Akustik dem Repertoire und den Klangwünschen anpassen kann, meint er: Einen Saal zu bauen, in dem Bach und John Adams - zwischen ihnen liegen knapp 300 Jahre Musikgeschichte - gleich gut klinge, sei sehr schwierig, die Kammern seien eine Lösung, aber nicht für jedes einzelne Stück, man mache dann etwa sechs grundlegende Einstellungen. Das heißt aber noch nicht, dass es auch so wird. Auch die Frage, Weinberg oder Schachtel: Die Typologie sollte nicht einmal die Frage sein.

Eines ist klar: Aus der Gemeinschaftsarbeit soll ein einzigartiger Saal für München entstehen. Alles, das Design, der Klang, unterliege dem Vorhaben, einen Saal zu schaffen, der für die Stadt wichtig und für deren Bürger unabdingbar sei. Drei Säle sollen im Konzerthaus untergebracht werden, selbst für den kleinsten, die Werkstatt mit vielleicht 200 Plätzen, sieht sich Nakajima verantwortlich.

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