Werksviertel Grüngürtel statt Kraftwerk

Die Zukunft von Kulti-Kids im Werksviertel ist ungewiss

Von Renate Winkler-Schlang, Berg am Laim

Hüpfen, Klettern, Rutschen, Bobbycar-Fahren: Früher war in dem Gebäude im Werksviertel die Energieversorgung der Pfanni-Werke untergebracht, daher heißt der Indoorspielplatz in der früheren Kultfabrik "Erlebnis-Kraftwerk Kulti-Kids". Offenliegende bunte Rohre an der Decke unterstreichen diesen Industrieeindruck. Betrieben wird es von einem Trägerverein bereits seit 2004. Kinder von drei Jahren an dürfen hier wetterunabhängig spielen, Eltern mit engen Wohnungen haben einen Ort, wo sie zu erschwinglichen Konditionen attraktive Kindergeburtstagsfeten feiern können, zwar ohne teure Clowns, dafür aber mit selbst mitgebrachtem Kuchen. Kulti-Kids schließt für Familien eine Marktlücke.

Doch wie lange wird es Kulti-Kids noch geben? Eine besorgte Mutter aus dem Münchner Osten befürchtet das Ende der Einrichtung, in der ihr Sohn "immer glücklich" gewesen sei. Sie habe gehört, dass bald Schluss sei, denn es gebe einige schlechte Bewertungen im Internet, der Betreiberverein fürchte um seinen Ruf und halte daher sogar Spendenmittel für neue Spielgeräte zurück, sei womöglich bereit, zu schließen. Sie selbst fände das sehr schade, sagt die Frau, denn hier gebe es eine schöne Möglichkeit, der Eintritt koste wenig, ganz im Gegensatz etwa zur Spielhalle Jux und Tollerei in Vaterstetten, die ein Vielfaches verlange und wo man obendrein extra hinfahren müsse.

In der Tat: Manche Nutzer ließen das Internet wissen, dass sie das Erlebniskraftwerk langweilig fanden oder auch ein wenig schmuddelig. Doch den negativen Stimmen stehen auch viele positive gegenüber. Und Martin Schütz, geschäftsführender Vorstand des Trägervereins der Kulti-Kids, versichert, wenn es nach ihm gehe, werde der Ort noch lange ein Magnet für spielbegeisterte Mädchen und Buben sein. Man halte die Halle so attraktiv, wie es geht. Keinesfalls würden Mittel aufgespart, erklärt Schütz: Leider bekomme die Einrichtung nicht gerade viele Spenden, stehe sie doch in Konkurrenz zu anderen Spendenmöglichkeiten. Schütz muss es wissen, er ist auch Vorsitzender der Otto-Eckart-Stiftung, die sich ebenfalls für Spielplätze einsetzt.

Schütz preist das Kulti-Kids: Neben Zeiten für offenes Spiel gebe es im alten Kraftwerk zahlreiche Nutzer wie das Puppentheater Spieldose, die außerschulische Tagesstätte "Boxt euch durch München", den Zirkus Trau Dich oder die Mal- und Phantasiewerkstatt. Die Zukunft aber sei ungewiss, denn nach seinem Kenntnisstand sehe der Bebauungsplan fürs Werksviertel just hier einen Grüngürtel vor, das frühere Kraftwerk müsse dann weichen, es sei ja kein Denkmal. Er wisse nicht, wann der Plan hier umgesetzt werde, die Zwischennutzung für die Kinder bekomme aber bereits jetzt sicherheitshalber nur noch Jahresverträge. Chiara Scholz von "Urkern", der Agentur, die derzeit die Öffentlichkeitsarbeit fürs Werksviertel macht, verspricht Auskunft, wann wirklich Schluss sein muss und ob an eine Nachfolgeeinrichtung gedacht sei, bleibt die Antwort aber schuldig.