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Werbung:Wie das Münchner Volkstheater mit Plakaten provoziert

Mit diesem Plakatmotiv macht das Münchner Volkstheater Werbung für die Inszenierung von "Medea".

Ein gekreuzigter Frosch, nackte Camper und jetzt ein Kind unter einer Plastiktüte: Das Volkstheater erregt mit umstrittenen Plakatmotiven regelmäßig Aufsehen.

Das Münchner Volkstheater ist das vermutlich schon gewohnt. Schon wieder gibt es Ärger mit einem Plakatmotiv des Theaters. Der Grafiker Otto Dzemla hat für die Premiere von "Medea" ein Motiv mit einer kindlichen Figur ausgewählt, deren Kopf unter einer Plastiktüte steckt. Ein erstickendes Kind, so die Assoziation eines Kindergartenkindes dazu, woraufhin sich dessen Mutter über das Plakat beschwert hat.

Seit Christian Stückl im Jahr 2002 die Leitung des Hauses übernahm, gestaltet Otto Dzemla die Plakate für das Theater. Und regelmäßig regt sich irgendjemand darüber auf - seien es die Gleichstellungsstelle der Stadt München, das Außenwerbungsunternehmen Ströer, das für das Aufhängen der Plakate verantwortlich ist, die katholische Kirche oder nun eine besorgte Mutter.

Kultur

Das Volkstheater und seine umstrittenen Plakate

"Regelmäßig ist übertrieben", sagt jedoch Intendant Stückl, wenn man ihn nach seinem Eindruck der provokanten Plakatkunst seines Hauses fragt. Es hätte bisher fünf ernsthafte Beschwerden in zwölf Jahren gegeben. Seiner Meinung nach sei das nicht so schlimm, vielmehr findet er es wichtig und gut, dass die Plakate überhaupt irgendetwas bei ihren Betrachtern auslösen.

Doch was passiert da eigentlich? Das Volkstheater vertritt von Beginn der Intendanz Stückls an eine einheitliche künstlerische Linie, mit der die Premieren des Hauses beworben werden. Der Grafiker Dzemla sucht dafür Fotografien aus, die sich mit dem jeweiligen Stück assoziieren lassen. Stückl und sein Team wählen dann aus ungefähr 30 Vorschlägen den aus, der sie am meisten anspringe, wie Stückl es ausdrückt.

Doch wenn dann ein nackter Camper oder ein gekreuzigter Frosch im Stadtbild aufgehängt sind, werden Dinge damit verbunden, die von den Verantwortlichen gar nicht intendiert waren: Pädophilie und Blasphemie etwa, Pornografie oder eben nun eine "Bedienungsanleitung zum versehentlichen Selbstmord eines Kindes", so der aktuelle Vorwurf zum "Medea"-Plakat.

"Man darf sich aufregen", sagt Stückl, das Theater jedoch wähle die Plakatmotive nicht ihrer Provokation wegen, sondern rein inhaltlich aus. Was ihn wundert: Zu Wedekinds "Lulu" haben sie das Motiv einer Frau in einer Mülltonne gehabt: "Da dachten wir wirklich, dass es provoziert", sagt er. Passiert ist aber nichts.

© SZ vom 29.11.2016/amm
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