Süddeutsche Zeitung

"Wer wird Millionär?"-Sieger Langrock:"Männer spielen, um zu gewinnen"

Er will sein Geld nicht einfach verballern: Der Kellner und Pokerspieler Sebastian Langrock hat bei Jauch die Million geholt. Im Interview mit der SZ verrät er, was er sich davon kaufen will, mit welchen Einsätzen er künftig zockt und warum Männer besser pokern als Frauen.

Sebastian Langrock, 36, hat als erster Münchner bei Günther Jauch die Eine-Million-Euro-Frage geknackt. Er wusste, wer sich mit der "Zwanzig-nach-vier-Stellung" auskennen muss. Nämlich der Kellner. Er hat selbst jahrelang in der Gastronomie gearbeitet. Im Eisbach am Marstall, zuletzt in der Szenekneipe Trachtenvogl, wo er auch seinen Gewinn am vergangenen Montag feierte. Seit fünf Jahren verdient der gebürtige Leipziger sein Geld mit Pokern.

SZ: Herr Langrock, spricht man hinter dem Tresen von der "Zwanzig-nach-vier Stellung"?

Sebastian Langrock: Dass man als Gast sein Besteck quer über den Teller legt, ungefähr dort, wo auf einer Uhr die vier ist, damit der Ober abräumen kann, dafür muss man ja nicht in der Gastronomie arbeiten. Den Ausdruck hatte ich erst zufällig ein paar Tage vorher in einem Buch gelesen.

Als Vorbereitung für die Sendung?

Ja, ich habe mich monatelang vorbereitet. Ich habe viele Sendungen analysiert, viel Zeitung gelesen und ebensolche Sachbücher mit eigentlich unnützem Wissen. Mein WG-Mitbewohner Olle, der mit mir dabei war, ist im August von Jauch mit 32.000 Euro heimgekommen. Wir dachten danach, wenn man's besser anpackt, dann ist mehr drin. Olle hatte ein schlechtes Joker-Management. Der hat mich ein halbes Jahr lang richtig gedrillt.

Ist das Zockerdenken? Kann man so schnell Wissen anhäufen?

Um Wissen allein geht es nicht. Man sollte als Kandidat schon etwas strategisch vorgehen. Ich wollte Günther Jauch auf meine Seite ziehen. Ich dachte, damit spare ich mir ein bis zwei Joker. Ich habe gehofft, dass Jauch mich irgendwie sympathisch findet und mich nicht loshaben will.

Es wird behauptet, Sie haben ihm die Antworten im Gesicht abgelesen. Jauch bestreitet das vehement.

Das geht auch nicht bei Profis wie Jauch. Bei der 64.000-Euro-Frage nach dem General war ich mir nur zu circa 80 Prozent sicher. Deshalb habe ich gesagt: "Ich habe einen Read auf Sie, Herr Jauch." Das ist Poker-Jargon. Damit wollte ich den Fokus von mir weg auf ihn lenken. Wenn ich tatsächlich in seinem Gesicht hätte lesen können, hätte ich das nicht verraten.

Sie sind erstaunlich ruhig geblieben.

Ich habe mich auf dem Stuhl wohlgefühlt. Mein Hirn war an einem ganz sicheren Ort. Ich hatte Spaß, ein Spiel gegen Jauch zu spielen.

Mann gegen Mann?

Die meisten Frauen spielen, um zu spielen. Männer spielen, um zu gewinnen. Vielleicht ist deshalb Pokern eine Männerdomäne.

"Ich verballere kein Geld"

Was macht einen guten Pokerspieler aus?

Geduld, Konzentration, ein bisschen Psychologie und Mathematik. Das entspricht mir, ich gehe an Sachen sehr logisch ran.

Haben Sie seit Ihrem Gewinn schon wieder gespielt?

Nur einmal. Aber ich habe dann gemerkt, dass ich mich nicht konzentrieren kann. Ich weiß auch noch nicht, auf welchem Level ich jetzt mit dem Pokerspiel weitermachen soll. Man darf nicht zu billig spielen und auch nicht zu teuer. Wenn man das Geld nicht hat, wird man nervös, das merken die anderen.

Sie haben doch jetzt genug Scheine und können wirklich richtig loslegen.

20- oder 30-Dollar-Turniere werde ich jetzt wohl nicht mehr spielen. Ich muss mein Level anheben, damit es mich interessiert. 1000 Euro im Verhältnis zu einer Million ist nicht mehr interessant.

Sie sagen sich also jetzt: Setze ich mich mal mit 10.000 Euro an den Tisch, ich habe es ja?

So darf man nie denken. Auch 500 Euro sind mir nicht wurscht. Ich werde die Relation nicht verlieren. Niemals. Auch gegenüber meinen Freunden nicht. Ich bin ja nicht erst 22, ich sehe da überhaupt keine Gefahr.

Was machen Sie denn mit dem Geld? Eine edle Uhr kaufen, ein Auto?

Ich hatte noch nie eine teure Uhr. Ich bin sehr pragmatisch, Dinge sind dazu da, sie zu benutzen. Ich werde mir eine schöne Lederhose für die Wiesn kaufen. Ich denke an Projekte, die in Erinnerung bleiben. Mal einen Fallschirmsprung machen, das wollte ich schon immer. Ich verballere kein Geld. Ich möchte in sinnvolle Projekte investieren. Es gibt junge Unternehmer in meinem Freundeskreis, zum Beispiel einen Freund, der ein Baumhaus-Projekt hat; ein anderer bringt gerade ein Getränk zum Relaxen auf den Markt. Die hätten nichts dagegen, wenn sie jemand unterstützt.

Ihnen begegnen sicher viele Neider. Es ist erstaunlich, dass Sie noch mit der Presse sprechen.

Wieso? Meine Freunde gönnen mir den Gewinn, und Oliver bekommt einen Anteil für seine Hilfe. Fragen Sie nicht wie viel, ich sage es nicht.

Es wird diskutiert, ob und wie man Pokergewinne versteuern soll. Müssen Sie eigentlich was von Ihrer Million an den Fiskus geben?

Nein, ich muss keine Steuern zahlen. Sonst wäre der Titel der Show ja Quatsch. Schön wäre aber, wenn Pokern aus dem Hinterzimmer in die Legalität käme. Auch Online-Poker, was ja in Deutschland verboten ist, aber unheimlich viele Leute dennoch tun. Pokern ist kein Spiel wie Roulette, es ist keine Sportart wie Schach, es ist eine eigene Sparte, das sehen die Gesetzgeber nicht. Ich hoffe, durch mich kommt jetzt ein Stein ins Rollen.

Aber die Gefahr, dass man viel Geld verliert, ist doch gegeben.

Wenn man ein eigenes Unternehmen aufmacht, investiert man auch Geld, und man braucht den gewissen Glücksfaktor. Ein Restrisiko bleibt. Wie bei allem im Leben.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.1624711
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 15.03.2013/tba
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.