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Weltmeisterschaft in Gedächtnissport:106 Namen in 15 Minuten

Der Münchner Boris Nikolai Konrad ist Neurowissenschaftler - und gerade Weltmeister im Namen merken geworden.

(Foto: Catherina Hess)

Der Münchner Boris Nikolai Konrad ist gerade Weltmeister im Namen merken geworden. Im Gespräch erklärt er, mit welchem Trick er in kurzer Zeit möglichst viel im Kopf behält - und was er selbst schon mal vergessen hat.

Von Ingrid Fuchs

Boris Nikolai Konrad ist Neurowissenschaftler in München - und hat am Dienstag im englischen Croydon den Titel in der Gedächtnissport-Weltmeisterschaft mit der deutschen Mannschaft verteidigt. Der 29-Jährige gewann die Disziplin "Namen merken".

SZ.de: Herr Konrad, herzlichen Glückwunsch zum Weltmeister-Titel. Dafür mussten Sie sich 106 Namen in 15 Minuten merken - wie funktioniert das?

Boris Nikolai Konrad: Ich bekomme einen Stapel Fotos mit Gesichtern vorgelegt und merke mir Vor- und Nachnamen. Ich wandle dazu jeden Namen in ein Bild um und stelle sie mir in einer Geschichte vor. Zu manchen Namen habe ich natürlich schon vorher ein Bild im Kopf, bei ungewöhnlichen oder unbekannten Namen ist das schwieriger.

Nehmen wir mal Ihren Namen: Boris Nikolai Konrad, das Gesicht dazu kennen Sie. Wie ist die Geschichte?

Bei Boris denke ich an Boris Becker - lieber ans Tennisspielen als an die Besenkammer. Und bei Nikolai fällt mir die Nikolausmütze ein, also spiele ich mit einer Nikolausmütze Tennis mit Boris Becker. Für Konrad gibt es zwei Möglichkeiten: entweder Konrad Adenauer oder "ich komme mit dem Rad".

Sie halten auch den Weltrekord im Merken von Geburtsdaten?

Zahlenmerken ist beim Gedächtnissport eine Standarddisziplin, da habe ich für viele Zahlen schon vorher feste Bilder im Kopf. Die 19 ist zum Beispiel eine Taube und 02 eine Sonne. Wenn also jemand am 19. Februar Geburtstag hat...

...sehen Sie eine Taube die in die Sonne fliegt. Aber was machen Sie, wenn Sie sich ganze Zahlenkolonnen merken müssen?

Da gibt es etwa die Routenmethode. Die kann man aber nur anwenden, wenn die Reihenfolge der Zahlen gleich bleibt. Dann nehme ich meine verknüpften Bilder, stelle mir einen bestimmten Weg vor und baue daraus eine Geschichte.

Was für einen Weg?

In meinen Routen kommt manchmal der Odeonsplatz mit der Residenz vor, das Univiertel oder der Olympiapark. Ein Beispiel: Ich laufe an der Feldherrnhalle vorbei und sehe einen Tisch - die Nummer 126. Dann springen viele Bälle die Stufen herab - das ist die nächste Zahl. Und so lässt sich das fortsetzen.

Gibt es eigentlich auch Dinge, die Sie sich nicht merken können?

Also einen Einkaufszettel muss ich mir nicht schreiben. Das Merken ist nicht so schwierig, eher das Abrufen im richtigen Moment: Wo liegt der Schlüssel, wenn ich ihn brauche? Wer hat heute Geburtstag? Da ist es mir auch schon mal passiert, dass ich etwas vergessen habe.

In seinem Buch "Superhirn - Gedächtnistraining mit einem Weltmeister" (Goldegg Verlag) gibt Boris Nikolai Konrad Tipps, wie jeder sein Gedächtnis optimal verbessern kann.

© Süddeutsche.de/afis
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