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Weltkriegsbombe abtransportiert:Fliegerbombe legt Ismaning lahm

Der Fund eines Sprengsatzes löst in Ismaning einen Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei aus. Erst am Abend wird die Bombe zum Entschärfen abtransportiert. Die S 8 ist zeitweise gesperrt, 75 Anwohner müssen aus ihren Häusern weichen.

Florian Fuchs, Anna Günther und Marco Völklein

Erneut hat am Wochenende eine Fliegerbombe einen Großeinsatz ausgelöst, diesmal im Landkreis München: Der 250 Kilogramm schwere Sprengsatz lag anders als kürzlich nicht in einem Wohngebiet, sondern auf einem Kartoffelacker in Ismaning nahe des örtlichen Sportparks. Erst Sonntagabend konnte ein Sprengmeister den Zünder sichern. Die Bombe wurde zur Entschärfung nach Oberschleißheim zu einer Spezialfirma abtransportiert.

Weltkriegsbombe in Ismaning entdeckt

Am Sonntag wurde die Fliegerbombe abtransportiert. 

(Foto: dpa)

Nach einer ersten Begutachtung hatte es noch geheißen, dass es sich um den gleichen Bombentyp handelt, der Ende August in Schwabing gesprengt werden musste. Polizei und Feuerwehr hatten den Umkreis tagsüber großflächig abgeriegelt, auch die S-Bahn zum Flughafen war betroffen. Am frühen Abend war noch die Rede davon gewesen, dass eventuell wieder eine Sprengung notwendig sein könnte.

Hobbyschatzsucher hatten die Bombe am Samstagabend entdeckt, als sie den Kartoffelacker an der Grünfleckstraße mit einer Sonde abgingen. Der Sprengsatz lag 50 Zentimeter unter dem Boden. Sprengmeister Martin Tietjen ging zunächst davon aus, dass die Bombe "mit 90 Prozent Wahrscheinlichkeit" den gleichen Langzeitsäurezünder wie die Bombe in Schwabing habe - allerdings mit 120 Kilogramm TNT. Die Bombe in der Feilitzschstraße hatte 60 Kilogramm Sprengstoff geladen. Es sei "von einer hohen Gefährdung auszugehen", sagte Ismanings Bürgermeister Michael Sedlmair Sonntagnachmittag.

Massive Behinderungen im Auto- und Bahnverkehr

Es wurden daraufhin viele Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Insgesamt waren 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst sowie 120 Polizisten im Einsatz. Bis 16.30 Uhr wurde um den Fundort im Umkreis von 900 Metern eine Sicherheitszone aufgebaut und der Flugraum gesperrt. 75 Anwohner mussten aus ihren Häusern weichen, für sie wurde in der nahe gelegenen Hainhalle eine Anlaufstelle eingerichtet.

Betroffen war hauptsächlich das Gewerbegebiet Lenzenfleck. Einsatzkräfte errichteten auf dem freiem Feld mit acht großen, mit Wasser gefüllten Containern einen Schutzwall, um eine Explosion zu dämmen. Auch eine Stromleitung musste unterbrochen werden, die die Stadt Moosburg versorgt. Betroffen waren auch die Fernsehsender in Unterföhring sowie umliegende Ortschaften. Eine Gashochdruckleitung und eine Wasserleitung mussten unterbrochen werden.

Massive Behinderungen gab es im Auto- und Bahnverkehr. Teilstrecken der B 388 und der B 471 waren am Abend gesperrt. Weil die Gleise der S 8 zum Flughafen am Rand des Sportparks verlaufen, ging von 11.30 Uhr an nichts mehr zwischen Ismaning und Hallbergmoos. Die Bahn ließ die S 8 in Richtung Flughafen in Ismaning vorzeitig wenden, zwischen Hallbergmoos und dem Besucherpark fuhren Ersatzbusse. Ein Ersatzverkehr zwischen Hallbergmoos und Ismaning sei wegen der Straßensperrungen nicht möglich, sagte ein Bahnsprecher. Am Abend ließ die Bahn nach eigenen Angaben Ersatzbusse direkt von Ismaning zum Flughafen fahren. Passagiere, die zum Airport wollten, wichen zumeist auf die Züge der S 1 aus. Allerdings wurden auch diese kurz ausgebremst, weil die Bundespolizei am Hauptbahnhof kurz vor 14 Uhr wegen eines herrenlosen Koffers den Zugverkehr im Innenstadt-Tunnel für 15 Minuten stoppte.

© SZ vom 17.09.2012/fzg

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