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Weitere Briefe:Weh denen, die über Ampfing spotten

Arroganter Luxus

Ich danke Florian Fischer für für seinen Leserbrief "Öko-Strom geht vor Wassersport" (4. Juli) zum von der SZ vertretenen Vorrang von Freizeitspaß vor Ökostromgewinnung ("Die Isar ist für alle da" vom 24. Juni). Er spricht mir aus dem Herzen. In gleicher Weise wie bei dieser Energieverschwendung forderte am 19. Mai 2020 SZ-Kommentator Daniel Brössler "Reisen ins Ausland (...) sind ein Recht, (...) kein Luxus" (Kommentar "Ein Recht, kein Luxus"). Diese "Rechte" stehen offenbar nur den Reichen und weniger Reichen der "westlichen Welt" und den Reichen anderswo zu. Wer solche "Rechte" einfordert, macht sich offenbar keine Gedanken um jene Menschen, die aus Geld- und/oder Freizeitmangel an solche Vergnügungen nicht mal denken können. Dr. Hartwig Hagenguth, Grafrath

Beschränkter Horizont

Kunst am Bau... überflüssig angesehen, wie so oft. Diesmal Schrobenhausen: Lokalpolitiker fürchten um ihre Wiederwahl und trauen sich nicht an moderne Kunst ("Eskalierende Geschmacksfrage" vom 4./5. Juli). Weswegen sollten sie auch, wenn sie selbst Teil ortsüblicher Vorstellungen von Kunst sind. Nur übersehen sie hier, dass sie ein Projekt ablehnen, das mit dem Wettbewerb schon sehr viel Geld und Zeit gekostet hat - was damit auch das Volk der Steuerzahler betrifft!

Einige Seiten vorher ist in derselben SZ zu lesen, dass auch bei der Landesgartenschau Kirchheim gespart werden soll: Natürlich an "Kunst", denn die ist ja das Letzte; auf die kann man dann wirtschaftlich gut begründet verzichten. Was auch den Vorteil hat, dass man sich gar nicht mit eventuell neuer, zeitgenössischer Kunst auseinandersetzen muss.

Bei einem solchen geistigen und finanziellen Sparverhalten gegenüber Kunst in der lokalen Politik versteht man schweren Herzens entsprechendes Verhalten in der großen Politik gegen Kunst und Kultur während der Corona-Krise! Dabei ist Kunst ein Beitrag zur Reaktivierung der Baukultur unserer historischen Städte. Die Altstädte sterben, die "Amazonen" siegen, die Öffentlichkeit findet bei Netflix und Youtube daheim statt.

Kunst und Kultur sind eine wichtige Stütze des Stadt- und Gemeindelebens. Man möchte allen Beteiligten zurufen: Habt Mut zur Kunst - und auch zur lebendigeren Diskussion darüber! Frank Becker-Nickels, München

Wehe den Ampfing-Spöttern

Als gebürtiger Ampfinger muss ich mein Missbehagen darüber ausdrücken, wie Sie über das ehrwürdig-alte Ampfing lästern (Glosse "Der Bayer gegen den Schönen" vom 1. Juli, Kolumne "Mitten in Bayern", über die Schlacht bei Ampfing respektive Mühldorf): Ampfing feierte bereits 1988 seine 1200-Jahrfeier. Für Rechenschwache: Im Jahr 788 erste urkundliche Erwähnung; zu dem Zeitpunkt grasten dort, wo heute Mühldorf liegt, wahrscheinlich die Schafe. Ihr Kollege Hans Kratzer hat sich ähnlich über die Herablassung der Hamburger Spiegel-Redaktion in puncto Aschheim, das diese Herren als "Kaff" zu titulieren sich erdreisteten, mokiert und gemeint, dass dort, wo heute Hamburg steht, zu der Zeit, als es Aschheim schon gab, nur Schafe gewaschen worden seien. Mein altehrwürdiger Anatomieprofessor Ritter (!) Titus von Lanz pflegte bayerische Studenten übrigens häufig im Präparierkurs nach der Jahreszahl der "Schlacht von Ampfing" zu befragen - kein Wort über Mühldorf! Also gehen Sie in sich und korrigieren Sie Ihr falsches Geschichtsbild! Dr. Fritz Anetsberger, Landshut

Kettenreaktion

Für Mountainbiker ("Es wird eng am Berg", 8. Juli) sollte man vielleicht einen "Erosionsförderpreis" ins Leben rufen. Wenn Mountainbiker bremsen, dann fräsen sie nämlich mit ihren grobstolligen Reifen mit viel Staub und Geröll wirklich wunderbare Erosionsrinnen ins Gras, die sich dann später bei Regen weiter vertiefen können. Langfristig werden so langweilige Almwiesen in zerklüftete kletterfreundliche Felsabhänge umgewandelt, was wiederum die einschlägige Outdoor-Equipment-Industrie fördert und damit irgendwie auch wiederum die einheimische Bevölkerung unterstützt. Friedhelm Buchenhorst, Grafing

© SZ vom 14.07.2020
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