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Weitere Briefe:Tarif-Augenwischerei und Nationalpark-Kunst

Augenwischerei per Tarif

Als ich anfing, den Beitrag "Wischen und losfahren" (21. Oktober) zu lesen, war ich begeistert. Echte Innovation beim MVV-Tarifdschungel. Endlich einfach und gerecht, dachte ich. Doch irgendwie kommt mir das wie eine Mogelpackung vor. Ich, seit 1. Januar Rentner, fast 35 Jahre in München gearbeitet und immer im Umland gelebt, München liebend und mit der Stadt verwurzelt, fahre kaum mehr nach München. Der Grund: Mit dem Auto ist es umweltschädlich, mit dem MVV zu teuer.

Mit dem MVV einmal Neugilching - Marienplatz und zurück kostet 9,60 Euro mit Tageskarte, alles andere wäre noch teurer. Mit dem Auto wären es nicht mal drei Euro Kosten für den Diesel, dazu Parkplatz für vier Euro, macht sieben Euro.

Jetzt kommt die neue App, eigentlich eine wunderbare Idee und ein eigentlich gerechtes System. Nur, wenn man nachrechnet, dann stellt man sehr schnell fest: Zumindest die Menschen aus Münchens Umland kann man damit nicht ködern. Nehmen wir wieder das Beispiel Neugilching - Marienplatz. Grundpreis 1,10 Euro, Strecke laut Google circa 21 Kilometer, macht 21 x 30 Ct = 6,30 Euro, macht insgesamt 7,40 Euro für eine Strecke; mal zwei = 14,80 Euro. Bei "Swipe & Ride" ist für Entfernungen über 20 Kilometer der Preis zwar auf 11,90 Euro gedeckelt, er liegt jedoch 2,30 Euro über der sonst erforderlichen Tageskarte. Und genauso ungünstig sieht es aus für Strecken unter 20 Kilometer. Neugilching - Pasing, circa 14 Kilometer. Swipe & Ride begrenzt auf 7,90 Euro, sonst günstigster Tarif je zwei Streifen à 2,80 Euro = 5,60 Euro.

Warum macht man es nicht wie in London und begrenzt einfach auf den sonst günstigsten Tarif? Und für Rentner gibt's noch 20 Prozent Rabatt. Dann würde ich auch wieder nach München zur Kultur, zum Kaffeetrinken und das eine oder andere Mal zum Einkaufen fahren und nicht bei Amazon bestellen. Oder geht es hier um "München den Münchnern"?

Ich denke, Swipe & Ride ist sicher kein probates Mittel gegen die Umweltplage Auto aus dem Umland.

Franz Mitterreiter, (Neu-)Gilching

Waidler und Künstler

Ich möchte vorausschicken, dass ich als ehemaliger "Waidler" oder auch "Waitla" mit dem von Ihnen genannten "Weidler" nicht verwandt bin (zur SZ-Beilage "50 Jahre Nationalpark" vom 2./3./4. Oktober, insbesondere zum Beitrag "Im Herzen der Wildnis"). Ich hatte die Ehre, in Frauenau im Bayerischen Wald 23 Jahre gelebt zu haben, mir ist die Entstehungsgeschichte in den 70-er und 80-er Jahren sehr vertraut. Die "Auerer" - so werden die Frauenauer genannt - haben bis heute eine kritische Einstellung zu diesem "Showpark". Diese Gegend ist was Besonderes, wenn man sich darauf einlässt und genauer hinschaut. Ihre Anmerkung, "Maler haben sich nie sonderlich für den Bayerischen Wald interessiert", zeigt Ihre Unkenntnis. Maler oder Künstler wie die "Donau-Waldgruppe", Reinhold Koeppel, Heinz Theuerjahr und Hajo Blach aus Waldhäuser waren Protagonisten, Hermann Erbe-Vogel und Erwin Eisch aus Frauenau und dazu Alfred Kubin, der intensiven Kontakt mit seinen Malerkollegen gehalten hat, ist ein weiteres Indiz für diesen Ort, um nur einige zu nennen. Ich denke, Sie sollten das wissen. Zumindest recherchieren hätten Sie das schon können zu Ihrer großen Aufmachung "50 Jahre Nationalpark". Georg Wieland, Frauenchiemsee

© SZ vom 24.10.2020
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