Weitere Briefe Nur verbale Bußübungen allein reichen nicht

Nur verbale Bußübungen

Die SZ vom 19. November ("Wir haben versagt"; siehe auch "Entsetzen und Scham" und Kommentar "Mutlos gegen Missbrauch" vom 3. Dezember) berichtet wieder mal von einem Betroffenheitsgottesdienst (am 18. November), abgehalten von Kardinal Marx: "Wir haben versagt." Gut, dass sich das jetzt auch in Kirchenkreisen allmählich herumgesprochen hat. Aber ich kann gerne drauf verzichten, dass Angehörige einer Institution, von der mich andere Mitglieder misshandelt haben, für mich beten. Wobei es auch nicht ausgeschlossen ist, dass Täter und Beter in Personalunion auftreten: Erst misshandeln, dann beten. Vielleicht aber auch beten, und dann doch wieder misshandeln (die Macht der Gewohnheit) ...

Das Skandalon ist doch, dass nicht alle Diözesen die Vorfälle extern und kirchenunabhängig behandeln lassen wollen. Solange die Bischofskonferenz nicht einstimmig beschließt, dass durchgehend die Staatsanwaltschaften eingeschaltet und benachrichtigt werden, sind all diese Reden inner- und außerhalb der Gottesdienste nur tönende Schellen, um's mal biblisch auszudrücken, und nicht den Hosenknopf aus dem Klingelbeutel wert.

Wenn Kardinal Marx sagt: "Wir sind bestürzt und betroffen über das Wegschauen, Schweigen und Vertuschen derer, die von diesen Taten gewusst haben und wissen", so muss er sich doch im Klaren sein, dass genau das so weitergeht, wenn die Kirche Fallbearbeitung und (eventuelle) Ahndung selbst regeln will, wie es bisher weithin der Fall war. Die Kirche darf da nicht Staat im Staate oder ein Parallelstaat bleiben. Sonst liefe das ganze ja auf eine Art Ehrengericht von Mafiosi hinaus!

So lange sich die Kirche nicht ausnahms- und vorbehaltlos den weltlichen Gerichten (auf das Jüngste will wenigstens ich nicht warten!) unterwirft und dies in einem einstimmigen Beschluss der Bischofskonferenz kundtut, glaube ich von den vorwiegend verbalen Reu- und Bußübungen kein einziges Wort. Die sind nicht nur zu allzu billige Kreidefresserei, sondern darüber hinaus eigentlich kostenfrei, erst recht, wenn man die immensen Schäden an verbogenen und zerbrochenen Leben gegenüberstellt. Die nicht wenigen Suizide sind überhaupt noch nicht beleuchtet. Sehr viel mehr als ein paar Münzen haben sie nicht einmal in Ettal hingeworfen, und das war ja noch die großzügigste Abgeltung, freilich als Schuldeingeständnis wichtig.

Was einige der ablehnenden Bistümer möglicherweise fürchten: Dass bei einer weltlichen Verfolgung der Fälle auch weltliche Entschädigungsmaßstäbe angelegt werden, und die gehen dann womöglich über die 5000 bis 15 000 Euro pro anerkanntem Fall hinaus. Thomas Roth, München

Unter den Brücken

Ja, der Stadtrat beschloss, das Kälteschutzprogramm ganzjährig anzubieten; und ja, wildes Campieren ist offiziell nicht geduldet, wie Frau Petry vom Sozialreferat meint ("Protest an der Reichenbachbrücke", 28. November). Es werden jedoch nicht die Letzten gewesen sein, die Schutz unter den Brücken suchten. Aber muss das verseuchte Oberflächenwasser von der Straße wirklich wie im Mittelalter aus Abwasserrohren von der Brückenbogendecke stürzen? Es ist auch für die vielen Spaziergänger, Erholungssuchenden und Radler unangenehm, durch die Schlammlandschaft unter den Brücken durchzukommen. Liebe Stadt München: Da ließe sich doch einfach und rasch etwas machen? Gerd Bergmann, München