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Weitere Briefe:Liebe zu Bayern - und zu den richtigen Abständen

Dann lieber zu Bayern

Zur Geschichte der Zugehörigkeit Coburgs zu Bayern seit 1920 ("Glück gehabt" vom 29. Dezember) weiß ich eine wahre Anekdote beizutragen: Mit der Gebietsreform 1972 sollte die kreisfreie Stadt Neustadt bei Coburg (NEC) ihren kreisfreien Status verlieren und dem Landkreis Coburg angegliedert werden. Das brachte deren Bürger und die Stadtgewaltigen auf die Palme, und der Oberbürgermeister und seine beiden Stellvertreter, gewichtige Persönlichkeiten mit gewaltigen Amtsketten vor den beeindruckenden Bäuchen, zogen nach München, um dieses Schicksal im Gespräch mit dem Innenminister abzuwenden. Dieser, der listenreiche und gleichwohl respektable Schwabe Bruno Merk, verwies auf eine Klausel aus dem Staatsvertrag mit dem Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha, die besagte, dass die Gebietskörperschaft, die mit der bayerischen Führung nicht einverstanden sei, automatisch an Thüringen fallen werde.

Mit dieser Aussicht verließ das Bürgermeister-Gespann klaglos das bayerische Innenministerium - allerdings nicht ohne einen staatlichen Zuschuss zum Bau des neuen Stadtbades mit heim zu nehmen, und die Zusage, weitere Umland-Dörfer eingemeinden zu können. Heute bildet "NEC" mit der unmittelbar angrenzenden thüringischen Partnerstadt Sonneberg eine geografisch und ökonomisch zusammenhängende urbane Einheit. Manfred Knappe, München

15-Kilometer-Regel

Mit der Überwachung per Handy zur 15-Kilometer-Regel ist Gemeindetagspräsident Uwe Brandl sicherlich über das Ziel hinausgeschossen ("Brandl-Vorstoß löst Kritik aus" vom 12. Januar). Aber völlig richtig ist: Der Zielkonflikt zwischen Datenschutz und effektivem Gesundheitsschutz muss gelöst werden. Es ist nun mal in unser aller Interesse, einen Weg aus der Pandemie zu finden und zu unterstützen. Ich selbst bin der Überzeugung, dass wir die digitalen Hilfsmittel, die grundsätzlich zur Verfügung stehen könnten, nicht in ausreichendem Maße nutzen. Wir brauchen dringend eine Diskussion darüber, wie wir die Corona-App verändern müssen, um eine Kompatibilität mit der Software in den Gesundheitsämtern herzustellen. Von der Chance der Clustererkennung bis zur schnellen Ergebnismitteilung ist ein großes Potenzial der möglichen Verbesserungen. Wir dürfen doch immer noch darauf vertrauen, dass die Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder darauf achten, dass Veränderungen/Lockerungen nur zeitlich befristet und auf das absolut notwendige beschränkt werden, aber dennoch eine wirkungsvolle Pandemiebekämpfung möglich ist. Reinhard Kleinhenz, Roßhaupten

1,50-Meter-Regel

Ich gehe fast jeden Tag im Münchner Ostpark wandern. Was ich am Dreikönigstag am Rodelhügel beim Michaeligarten erlebte war der Horror. Kein Durchkommen. Mit angehaltenem Atem versuchte ich, die Massen zu zerschneiden und einsameres Gelände zu erreichen. 150 Rodler in Pasing ("Guten Rutsch", 7. Januar)? Lachhaft, in Neuperlach waren es eher 500. Und keine Polizei weit und breit. Unser Ministerpräsident sollte weniger über 15-Kilometer-Zonen sinnieren und eher seinen Innenminister für die Probleme des Corona-Alltags sensibilisieren. Erwin Hänel, München

© SZ vom 25.01.2021
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