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Weitere Briefe:Bürgerstolz und ein Krimi-Volltreffer

Kathedralen fürs Bürgerprestige

Ein profanes Verwertungsinteresse an den mittelalterlichen Kathedralen bestand schon während deren Bauzeit, da das aufstrebende Bürgertum ganze Abschnitte sponsorte, ablesbar am Regensburger Dom zum Beispiel an den Patrizierwappen der Familien Zandt, Thundorfer oder Gumprecht ("Die Kathedrale der tausend Geschichten" vom 24./25./26./27. Dezember). Dass andernorts, etwa in Ulm oder Freiburg, Pfarrkirchen im Kathedralformat an Standorten entstanden, die damals keine Bischofssitze waren, wäre ohne dieses Prestigeinteresse kaum erklärbar.

Heute richten sich Ansprüche unterschiedlichster Herkunft an die Bauwerke: der Bistümer, der Bauforschung, der Kulturpolitik, des Tourismus, und so weiter. Ich würde gerne darauf hinweisen, dass es bei den überwiegend Jugendlichen, die in den wärmeren Monaten die Domplatten und -stufen zum sozialen Kontakt und zur Entspannung frequentieren (und dabei die architektonische Kulisse, den ornamentalen Hintergrund sicher gelegentlich zur persönlichen Inszenierung nutzen) auch um eine legitime Form der Aneignung von Kultur geht. Und dass es sich bei diesen Gruppen um diejenigen handelt, die sicher von allen genannten die schwächste Lobby besitzen - beziehungsweise eigentlich überhaupt keine.

Benjamin Klein, Regensburg

Krimi-Volltreffer

Liebes Team der Süddeutschen Zeitung, mit ihrem innovativen Krimi-Projekt ("Verschwörung in Schwabing", 19. Dezember bis 11. Januar mit den Autoren Doris Dörrie, Friedrich Ani, Lea Singer und Oliver Pötzsch) haben sie aus meiner Sicht einen Volltreffer gelandet. Sonst lese ich nie Kettenromane, in diesem Fall war es eine große Freude, und ich habe mich immer auf den nächsten Teil gefreut. Der Schluss war grandios. Herzliche Grüße vom Bodensee, auch an das gesamte Autorenteam.

Dr. Ralf Hoppe, Friedrichshafen

Ablenken von Versäumtem

Seit Oktober gibt es ausreichend Schnelltests, um ein Testkonzept mit Testpflicht für Heime zu erstellen, zu finanzieren, die personelle Ausstattung zu regeln und durchzuführen. Passiert ist nichts. Erst mal wurde übereilt an den Grenzen getestet mit dem Effekt, dass 800 positive Tests nicht zuordenbar waren. FFP2-Masken gibt es seit Monaten in großer Zahl. Weshalb kurz vor Weihnachten ältere Menschen vor Apotheken Schlange stehen mussten, um Masken zu bekommen, ist nicht nachvollziehbar. Die Propagierung und rechtzeitige Verteilung solcher Masken zusammen mit einer ausreichend guten Kommunikation wurde unterlassen. Gesundheitspolitik ist vorwiegend Ländersache. Jetzt bringt Söder, anstatt die Impfung klug zu kommunizieren und zu überzeugen, eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen ins Spiel ("Söder sieht Impfen als Bürgerpflicht", 12. Januar). Manchmal drängt sich mir schon der Eindruck auf, dass mit Pseudomaßnahmen wie "15 Kilometer Radius bei Hotspots" und nächtlicher Ausgangssperre vom teilweisen Versagen in der Coronabekämpfung in den letzten Monaten abgelenkt werden soll. Dr. med. Josef Stein, Fürth

Für mehr Impfbereitschaft

Möchte hier mal einen einfachen Vorschlag einbringen, wie Markus Söder ganz einfach und sogar noch sozial engagiert die Impfbereitschaft erhöhen kann ("Söder sieht Impfen als Bürgerpflicht", 12. Januar): Er sollte allen Hartz-IV- oder Sozialhilfeempfängern sowie Niedriglöhnern wenigstens die Fahrtkosten zu den Impfzentren erstatten. Je nach Wohnlage sind das nämlich für Arme durchaus relevante Kosten. Bernd Christanz, Lampertheim

© SZ vom 23.01.2021
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