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Weitere Briefe:Apotheken-Rezept und ein Ausnahmeminister

Wachsamkeit mit Grundgesetz

Der ironische Ton des Beitrags "Grundrechte zurückgeholt" (18./19. April) und die zynischen Anführungszeichen in den Überschriften sind unangemessen. Die Festnahmen von Thomas Prudlo (Stadtverbands-Vorsitzender der ÖDP) und Susanne Suchow erfolgten einmal wegen "Einzelsitzens auf einer Bank", im anderen Fall wegen "Vorlesens aus dem Grundgesetz im öffentlichen Raum". Prudlo wurde deswegen fünf Stunden in einer Zelle festgehalten, wie die SZ berichtete. Es sind nicht einzelne, zu belächelnde Wirrköpfe, die sich um die Demokratie sorgen. Auch in der SZ und selbst in den öffentlich-rechtlichen Mainstream-Medien werden immer mehr warnende Stimmen laut. Schon vor "Corona" wurden mit "Hartz IV" Millionen von Menschen erheblich in ihren Grundrechten beschnitten. Den meisten Nichtbetroffenen war das wurscht - es betraf ja nur die Armen. Nun wird das ganze Land lahmgelegt; damit werden zusätzlich zwei Millionen Menschen ins Hartz-IV-System gekickt. Doch derzeit und auf unabsehbare Zeit trifft der Grundrechteentzug alle Menschen (nicht nur) in diesem Land, und zwar in schlimmerem Maße als bei Hartz IV. Damit dies nicht dauerhaft so bleibt, braucht es größte Wachsamkeit und Widerstand gegen polizeiliche/staatliche/behördliche Willkür. Über Wachsamkeit und Widerstand zu lächeln, ist fehl am Platz. Es könnte sonst sein, dass wir eines Tages kein Grundgesetz mehr haben, aus dem wir vorlesen können. Bettina Kenter, Germering

Rezept für Apotheken

Hier denken die Apotheker nebst ihrem Verbandspräsidenten nur an sich und rufen nach dem Staat ("Apotheker sind verärgert", 16. April). Dabei sind deren meist ältere Kunden viel gefährdeter. Die meisten Apothekentüren standen bis zum Lockdown weit offen - Ischgl ist überall - nur, dass sich der Kunde in einer Apotheke vermeintlich sicher fühlt (Gesundheitshaus!). Welcher Trugschluss. Dabei gäbe es für den Herren Verbandspräsidenten eine ganz einfache Lösung: Apotheke schließen, Verkauf der notwendigen Medikamente über die in jeder Apotheke für den Notdienst vorhandene Klappe. Damit wären alle Mitarbeiter geschützt und auch die Kunden, die sich mit Abstand in eine Reihe stellen könnten, um ihre notwendigen Medikamente zu bekommen. Falls Beratung notwendig, kann man diese über die Telematik durchführen. Einziger Nachteil: kein Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln, Shampoos und sonstigen überteuerten Apothekenangeboten. Wahrscheinlich liegt hier der Hase im Pfeffer: Umsatz vor Gesundheit. Nichts für ungut. Prof. Dr. med Percy Lehmann, Aschau

Ausgebremste Sportler

Ich habe Ihre Tennis-Glosse ("Männer, die auf Sandplätze starren", 11. April) mit großer Freude zur Kenntnis genommen. Und möchte dazu gratulieren! Seit 20. März sind auch alle Golfplätze bundesweit geschlossen, das ist ja mindestens genauso schwachsinnig! Uli Wenmakers, Tübingen

Alleingänge eines renitenten Ausnahmeministers

"Freie Wähler preschen bei Maskenpflicht vor" vom 20. April:

Was haben Viren und Gaststätten gemeinsam? Beide brauchen einen Wirt zum Überleben. Was unterscheidet den Engel Aloisius vom bayrischen Wirtschaftsminister? Eigentlich nicht viel. Der eine wartet auf die göttlichen Eingebungen für die Staatsregierung, und der andere auf die von Markus Söder. Was auf dasselbe rausläuft. Kommt da nichts Gescheites, oder sind die gemeinsamen Beschlüsse schon wieder drei Tage her, wird Hubert Aiwanger entweder renitent oder vergesslich. Dann fordert er, was er eben noch ablehnte. Beispielsweise die Wiedereröffnung der Gaststätten schon ab Mai. Und nicht erst, wie es der Ministerpräsident erwägt, wenn es keine mehr gibt. Unter strengen Auflagen, versteht sich. Zwei Meter Abstand zwischen den Gästen. Oder nur Einmeterfünfzig? Mundschutz wird Pflicht! Vielleicht aber auch nicht. Mindestens FFP2. Ausnahmsweise auch grobmaschig gehäkelt. Sperrstunde spätestens um 20 Uhr. Eventuell aber auch früher.

Engel Aloisius würde unter diesen chaotischen Zuständen weder von seiner Wolke runterkommen, noch bei der Kathi im Hofbräuhaus a Mass und no oane und no oane ... bestellen. Und Markus Söder wird über den neuerlichen Meinungsumschwung seines Ausnahmeministers weder frohlocken noch Hosianna singen. Manfred Jagoda, Ismaning

© SZ vom 21.04.2020
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