"Ein Ort für die letzten Fragen"

Sr. Dr. phil. Johanna Kuric aus dem Kloster Karmel Heilig Blut in Dachau:

Die Kirche als Gemeinschaft von Christen ist nach meiner Erfahrung wichtig für die Vermittlung von Sinn und Lebenshilfe. Gott kann durch sie in gewisser Weise sichtbar und erlebbar werden. Die Kirche besteht zudem als Liturgie und in der Liturgie; die Apostelgeschichte berichtet von ersten Bekehrungen zu Jesus, sie ließen sich taufen und "hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten". (Apg 2,42). Kirche als Glaubensgemeinschaft, die Glaubenserfahrungen bewahrt, kann bei aller Enttäuschung durch einzelne Vertreter Orientierung und Halt bieten. Unsere Klosterkirche z.B. wird von Menschen besucht, die am Gebet der Schwestern teilnehmen und Kraft schöpfen wollen. Wozu noch Kirche? Damit es in der Gesellschaft Orte gibt, an denen der Mensch seine letzten Fragen stellen kann, die sich der materiellen Verwertbarkeit und Effizienz entziehen. So darf er sich als von Gott geliebt und angenommen erfahren.

24. Dezember 2010, 09:352010-12-24 09:35:48 © SZ vom 24.12.2010/sonn