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Web-Site bewertet Arztleistungen:Noten für Herrn Doktor

Münchner Kreative haben 300.000 Adressen von Heilberuflern ins Netz gesetzt, damit Patienten sie bewerten. Die Ärztekammer warnt vor Rufmord.

Eine Münchner Internet-Unternehmen hat eine Website gestartet, auf der bundesweit fast 300.000 Ärzte und Heilberufler mit Adressen und nach Disziplinen gelistet sind. Hier können Patienten gezielt nach Fachärzten in der Nähe suchen ihren Arzt auch bewerten. Dieser wiederum kann sich mit einer eigenen Seite präsentieren.

Sie heißen "checkthedoc.de", "helpster.de" oder "arzt-preisvergleich.de" und seit vergangenen Mittwoch nun also auch "www.jameda.de": Das sind Webauftritte, in denen Patienten sich nicht nur über die nächstgelegenen jeweiligen Fachärzte informieren, sondern nach der jeweiligen Behandlung auch ein Urteil über selbige abliefern können. "Jameda.de" ist das jüngste Gewächs dieser Art im Internetdschungel. Es wurde in einem Kreativen-Büro in der Münchner Klenzestraße 57 b, einem ansprechenden Rückgebäude, entworfen und gelauncht. Und die Gesellschafter der GmbH sagen natürlich, dass ihre Seite die beste sei in diesem Genre.

Gelistet sind hier, getrennt nach medizinischen Disziplinen, bundesweit 172.000 Ärzte und 125.000 Vertreter diverser Heilberufe, von der Hebamme bis zum Tierheilpraktiker; darüber wurde eine Google-Karte mit Pfeilchen für die entsprechenden Adressen gelegt, der Auftritt ist insgesamt recht userfreundlich. Und dass man sich erst - kostenfrei - mit E-Mail-Adresse und Password registrieren lassen muss, wenn man eine Bewertung abgeben will, wird als Alleinstellungsmerkmal der Seite gepriesen.

Ist dann der Patient für die Bewertung freigeschaltet, kann er in fünf Bereichen und jeweils vier Stufen von sehr positiv bis negativ Noten anklicken. Dass allerdings die vierte Frage, "wie lange mussten Sie warten", nur die Kategorien "15, 30, 45 Minuten oder länger" anbietet, zeugt von mangelhafter Kenntnis der Zustände in den meisten Münchner Praxen.

Natürlich rührt solch Patientengehabe am Selbstverständnis manchen Arztes. So leidet auch die Kassenärztliche Vereinigung Bayern offensichtlich ein wenig an Bauchweh angesichts Jameda & Co. "Wir haben selbst eine Website mit all unseren Ärzten", sagt KVB-Sprecher Martin Eulitz, doch auf ein Bewertungssystem durch Patienten verzichtet die Organisation, die unter anderem für die Abrechnung der niedergelassenen Ärzte verantwortlich ist.

"Emotional und wenig kenntnisreich"

Zum einen sei, so Eulitz, die Bewertung durch Patienten doch sehr emotional und oft wenig kenntnisreich, was das Medizinische angeht, zum anderen sei, wie überall, die Möglichkeit des Missbrauchs nicht auszuschließen, indem zum Beispiel ein Kollege dem anderen durch entsprechende Animation seiner Klientel eins auswischen könnte.