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Friseurgeschäfte in München:"Keine Stadt ist so blond wie München"

Lippert's Friseure

Fünf rote Köpfe in zwölf Jahren: Blond ist Muss in München.

(Foto: Lukas Barth)

Oder der Kunde auf der Wartebank: "Ich lasse mir immer von dem Mann in der Ecke die Haare schneiden und sage nur: wie immer". Die Schwabingerin neben ihm sieht den Gang zum Friseur pragmatisch. Seit einigen Jahren schon ist sie Stammkundin im Paradiso: "Das ist wie mit dem Zahnarzt. Wenn man zufrieden ist, bleibt man dabei. Außerdem ist der Preis nicht so hoch und ich bekomme das, was ich möchte." Haare färben, das mache sie daheim.

Wer es beim Friseur machen will, der muss viel Geld und Zeit mitbringen. Haareschneiden und Strähnen auf dem ganzen Kopf, das bedeutet, bis zu 3,5 Stunden sitzen zu müssen. Da klingt es fast schon wie eine Drohung, wenn Alexander Voit, Stylist bei Lippert's, sagt: "Wir hören erst auf, wenn wir zufrieden sind!" Keine Stadt, sagt Voit, sei so blond wie diese. In zwölf Jahren habe er höchstens fünf Köpfe rot gefärbt. Lange Haare, leichte Stufen, blonde Strähnen - danach verlangten die Kundinnen.

Worüber es sich beim Friseur am besten plaudert

Die Deutschen, weiß Voit aus Erfahrung, seien verschlossener als etwa die Amerikaner und würden die Kontrolle nicht gerne aus der Hand geben. Meist bekommen die Münchnerinnen also, was sie gerne hätten. Und damit beginnt das lange Warten auf die Haarfarbe. Was tun, um sich die Zeit zu vertreiben? In der Gala und Bunten blättern, zum x-ten Mal die E-Mails auf dem Smartphone checken? Oder man unterhält sich mit dem Friseur.

Aber worüber? Fragt man die Kunden, bieten sich folgende Gesprächsthemen an: der eben gelesene Klatsch, die Haare, der Baucontainer vor dem Schaufenster (korrespondiert mit dem Vorschlag eines Friseurs, über das zu reden, was auf der Straße so los ist) oder auch der Urlaub. Die Gespräche unter Männern sind offenbar ein Sonderfall. Benny Kienle von Be Blonde sagt, dass das Verhältnis zwischen Friseur und männlichen Kunden viel freundschaftlicher sei. Männer seien offener und treuer. Deshalb spricht man dann über - und das bestätigen auch die anderen Friseure: Ehefrauen, Freundinnen, Autos, Aktien.

Seine Geschäftspartnerin Angelika Seuffert räumt ein, dass die Kunden natürlich sehr verschieden seien. Nicht alle möchten sich unterhalten. Sie habe zum Beispiel Kundinnen, die seit Jahren zu ihr kämen und von denen sie gerade mal den Namen kenne - und solche, die erst seit ein paar Monaten bei ihr seien und von denen sie alles wisse. Was ihr gar nicht passe, sagt Angelika Seuffert, sei, wenn eine Kundin etwas Dramatisches erzähle und sich dann nicht mehr bei ihr blicken lasse. "Ich will die Fortsetzung hören!"

Warum Friseur-Hopping immer beliebter wird

Das aber ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Das Friseur-Hopping ist nicht unüblich - sei es, weil man sofort einen Termin möchte oder zu einer Uhrzeit, die der eigene Friseur nicht anbietet. Vor allem junge Menschen, sagt Benny Kienle, wechselten häufiger den Salon. Auch die Abstände zwischen den Friseurbesuchen werden größer. Das spart Geld, denn die Langzeitsitzung beim Friseur kann durchaus zwischen 200 und 300 Euro kosten.

Und wenn man zu Lippert's geht, noch ein bisschen mehr. Denn dort sind die Angestellten ein superlatives Trinkgeld gewohnt: etwa 1000 Euro im Monat. Davon können die Mitarbeiter der anderen Salons nur träumen. Ein bis zwei Euro pro Kunde bekommt ein Friseur bei Paradiso. Oder auch nichts. Dafür gibt's dann auch kein Bussi.

© SZ vom 05.05.2015/libo

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