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Warenhäuser in der Innenstadt:Götterdämmerung mit Folgen

Viele Markenshops und edle Luxusartikel - der Oberpollinger ist das exklusivste unter den Münchner Warenhäusern.

(Foto: Catherina Hes)

Karstadt-Investor Nicolas Berggruen hat eine Fusion von Karstadt und Kaufhof geprüft - unter den Codenamen "Mars" und "Venus". Beide Unternehmen haben mehrere Filialen in der Innenstadt - wären dann einzelne Läden bedroht?

Mars und Venus - allein die großen Namen aus der antiken Mythologie zeugen davon, dass Großes geplant war. Unter diesen beiden Namen wollte der schillernde Karstadt-Miteigentümer Nicolas Berggruen die beiden Traditionshäuser Karstadt (Deckname Mars) und Kaufhof (Venus) - zu einer Deutschen Warenhaus AG zusammenführen. Der Plan trug den Namen des mächtigsten aller Götter: Zeus. Darunter macht man es nicht bei Milliardendeals.

Vor drei Jahren wurde das Geheimpapier diskutiert. Bislang ist daraus nichts geworden: Wer durch die Münchner Innenstadt läuft, vom Hauptbahnhof bis zum Marienplatz, kommt weiterhin an riesigen Kaufhäusern vorbei, die unterschiedlichen Eigentümern gehören: der Karstadt, das Premium-Karstadt-Haus Oberpollinger samt Sporthaus und die beiden Kaufhof-Filialen.

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Stärken der Wettbewerber

Und doch muss man, wenn man über die Zukunft der Innenstadt und gerade der Fußgängerzone nachdenkt, immer diesen Plan im Kopf haben, der auch unter dem Namen "K&K" firmiert. Denn weiterhin reizt wohl manche bei Karstadt und auch bei den Kaufhof-Eigentümern Metrogruppe und der dahinter stehenden Haniel-Familie der Gedanke, dass die Stärken der beiden Wettbewerber zusammengelegt werden sollten. Doppelte und dreifache Standorte könnten dann wegfallen: Mehr Kunden auf weniger Verkaufsfläche und mit weniger Mitarbeitern - das könnte höhere Gewinne bringen.

Investor René Benko, der sich vor kurzem in die Karstadt-Premiumhäuser eingekauft und für 240 Millionen Euro das Erbbaurecht an der "Alten Akademie" in der Neuhauser Straße bekommen hat, gilt inzwischen als wichtigste Figur in diesen Szenarien. Er gilt aber auch als unberechenbar: Für ihn sind Immobilien und Mieterlöse wichtig, Waren zu handeln dagegen nicht so sehr.

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Digitales Einkaufen

Wäre die Münchner Innenstadt nicht prädestiniert für die Schließung von ein oder zwei großen Warenhäusern - wo sich diese doch dicht an dicht drängen? Zumal vor drei Jahren der Karstadt am Dom dicht gemacht hat und selbst Experten wie Jörg Funder, Direktor des Instituts für Handelsmanagement (IIHD) an der Hochschule Worms, sagen: "Es gibt keine klaren Kunden für Kaufhäuser, und das könnte über kurz oder lang gerade im dichten Angebot der Münchner Innenstadt dazu führen, dass ein Großes geschlossen wird." Immer mehr Menschen kauften im Internet und zudem setzten immer mehr Hersteller, egal ob von Kochgeschirr oder Unterwäsche, in der Innenstadt auf eigene Läden.

München ist ein Sonderfall

Diese Faktoren sieht auch Kollege Gerd Hessert, der dem Konzept Warenhaus selbst liebevoll, aber auch kritisch gegenübersteht. Hessert, promovierter Betriebswirt und einst Topmanager bei Hertie und Karstadt, lehrt heute unter anderem an der Universität Leipzig Handelsmanagement. Er sieht mittelfristig nur noch für etwa 70 der derzeit 191 Karstadt- und Kaufhof-Filialen eine Zukunft. Auf München bezogen kommt er aber zu einem anderen Fazit: "Nein, eine Schließung in der Innenstadt würde keinen Sinn ergeben."

Für München und insbesondere die Innenstadt sieht Hessert eine Sondersituation. Diese hat mit der starken Einkommensstruktur in der Region zu tun - und mit den vielen Touristen. "München ist ein gutes Pflaster für Warenhäuser", sagt Hessert und kann das auch handfest belegen: Nur sechs Prozent der deutschen Warenhausflächen stünden in München. Aber hier würden mehr als zehn Prozent des deutschen Warenhausumsatzes gemacht. Der Ertrag pro Fläche, ein entscheidendes Kriterium in der Handelsbranche, liege damit etwa 50 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Die Großen in der Innenstadt spielten samt und sonders in der Spitzenliga: Der Kaufhof am Marienplatz ist mit knapp 200 Millionen Euro Umsatz pro Jahr die stärkste Filiale der Kette in Deutschland. "Eine Maschine", nennt Hessert das von Reimund Baumheier geführte Haus, in das man ja auch fast hineinfällt, wenn man am Marienplatz aus der U-Bahn oder S-Bahn steigt.

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