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Waldperlach:Auf dem Trockenen

Der Baggersee am Friedrich-Panzer-Weg im Truderinger Wald ist ein Naturidyll mit seltenen Tier- und Pflanzenarten. Nicht nur der Wassermangel der vergangenen Monate macht ihm schwer zu schaffen

Von Hubert Grundner, Waldperlach

Klimastress wegen anhaltender Trockenheit einerseits und Freizeitdruck durch den Menschen andererseits: Das Biotop rund um den Baggersee am Friedrich-Panzer-Weg, wie der Truderinger Wald insgesamt, wird gerade von zwei Seiten in die Zange genommen. Ein Zustand, der die Sozialdemokraten um die Zukunft des Naturidylls bangen lässt. Deshalb hat die Fraktionsgemeinschaft SPD/Die Linke jetzt auch im Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach - erfolgreich - einen Antrag eingebracht, der sich um den Biotop- und Trinkwasserschutz im Truderinger Wald dreht.

Aufklärung erhofft sich die SPD dabei vom Referat für Gesundheit und Umwelt. An dessen Adresse gerichtet, fragt sie, welche Ursache für den sehr niedrigen Wasserstand der Monate April bis Juni verantwortlich ist. Außerdem wollen die Antragsteller wissen, ob sich aufgrund des Wassermangels eine Veränderung des Artenbestands im Landschaftsschutzgebiet Truderinger Wald beobachten lasse.

Mit der Frage "Ergeben sich neue Erkenntnisse und Maßnahmen bezüglich des Trinkwasserschutzes?" ist der dritte Punkt überschrieben. Insbesondere interessiert die SPD, welche Pegelstände gegenwärtig aufgezeichnet werden, ob die Grundwasserströme durch neue Bauvorhaben im Bereich Neuperlach und Trudering negativ beziehungsweise nachhaltig beeinflusst werden, und ob es dabei Rückwirkungen auf die Grundwasserstände im Truderinger Wald gibt. Falls ja, welche Maßnahmen seien zu erwägen? Abschließend wird dann noch die Auskunft verlangt, ob speziell die Bauarbeiten und/oder die Grundwasserentnahme im Piederstorfer Gelände (Alexisquartier) in ursächlichem Zusammenhang mit dem Tiefwasserstand sind.

Ehemaliges Kieswerk Roth im Perlacher Wald in München, 2020

Als der Baggersee noch genügend Wasser hatte, entwickelte sich ein artenreiches Biotop.

(Foto: Florian Peljak)

In der sehr ausführlichen Begründung ihres Antrags schreibt die SPD, dass das Gelände um die ehemalige Kiesgrube im Truderinger Wald sich in Privatbesitz befinde. Eine geplante Verfüllung der Kiesgrube, um dadurch den Trinkwasserschutz zu verbessern, wurde demnach im Jahr 2017 seitens des Eigentümers aufgegeben - weshalb sich das wertvolle Biotop weiterentwickeln konnte. Der Grundwassertiefstand, der zu einer beträchtlichen Austrocknung in den Monaten April bis Juni 2020 führte, gebe jetzt aber Anlass zur Sorge. Durch die zwischenzeitlichen ergiebigen Regenfälle habe sich die Lage zwar verbessert. Ob jedoch eine nachhaltige Schädigung eingetreten sei und ob mit weiteren Tiefständen zu rechnen sei, müsse man noch untersuchen.

Das gesamte Areal des Truderinger Walds bedarf laut SPD aufgrund der bedrohten Tier- und Pflanzenarten, die dort leben, eines besonderen Schutzes. Die Landeshauptstadt stehe dabei in der Pflicht, sich für den Erhalt dieses Biotops einzusetzen. Das Gebiet müsse weiterhin öffentlich zugänglich sein und der Naherholung dienen. Es sei allerdings zu beobachten, dass der Freizeitdruck zugenommen habe. Seine Funktion als Naherholungsgebiet müsse daher in Einklang mit den Belangen der Natur und des Trinkwasserschutzes gehalten werden.

Ehemaliges Kieswerk Roth im Perlacher Wald in München, 2020

Nun nimmt der Schlamm überhand, das Idyll ist in Gefahr.

(Foto: Florian Peljak)

Allerdings befürchten die Sozialdemokraten, dass dies schwieriger werden wird, da auch weiterhin mit veränderten Grundwasserpegelständen und eventuellen Austrocknungen der Grube zu rechnen sei. Und ob diese angestiegene Last dem Eigentümer auf Dauer auferlegt werden kann, erscheint der SPD unsicher. Deshalb sei es geboten, dass die Stadt die Kiesgrube kaufe und selbst schütze.

Der Grundwassertiefstand hat zu Spekulationen geführt. Einerseits wird vermutet, dass der Klimawandel daran schuld ist. Andere behaupten, dass Bautätigkeiten (insbesondere das Alexisquartier) die Grundwasserströme verändert hätten. Temporär entnommenes Grundwasser im Zuge der Bautätigkeiten habe zur Absenkung geführt. Die SPD findet, dass Bürger, Anwohner und Erholungssuchende ein berechtigtes Interesse an entsprechenden Antworten haben.

Solche Antworten, so musste sich die SPD im BA vorhalten lassen, habe die Verwaltung großteils schon Anfang Mai gegeben. Wobei sich die Kolleginnen und Kollegen der anderen Fraktionen dem Antrag dann aber doch nicht verweigern wollten - eben weil ja schon wieder einige Zeit vergangen ist und eventuell neue Erkenntnisse vorliegen.

© SZ vom 19.09.2020
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