Waldbrandgefahr Katastrophenschutz aus der Luft

Bernd Brach (links) und Albert Urmann suchen aus der Luft nach möglichen Brandherden.

(Foto: Günther Reger)

Wegen der extremen Hitze heben in Fürstenfeldbruck jeden Tag Maschinen der Luftrettungsstaffel ab. Sie halten Ausschau nach Bränden. Sechsmal mussten die Besatzungen schon Alarm schlagen.

Von Marco Völklein

Der Blick ist einmalig in dieser Höhe, 500 Meter über dem Grund. Und bei einer Sichtweite von gut 30 Kilometer. Das stellt auch Bernd Brach immer wieder fest. Die Alpen im Hintergrund, davor der Hohe Peißenberg. Rechts der aufgestaute Lech, an dem sich ein Stausee an den anderen reiht. Kleine Gehöfte und Dörfer, das Bayertor von Landsberg. Oder kurz vorher der Schlossberg in Dachau. "Man sieht, wie schön diese Landschaft ist", sagt Brach. "Und man erkennt sofort, wenn irgendwo eine Rauchsäule aufsteigt."

Denn das ist der Grund, warum Luftbeobachter Brach und Pilot Albert Urmann an diesem Samstagnachmittag in der Luft sind. Es geht nicht darum, die Schönheiten der oberbayerischen Landschaft zu genießen. Sondern darum, sie zu schützen. Einzugreifen, wenn sich irgendwo ein Wald- oder Flächenbrand abzeichnet. Die Feuerwehr zu alarmieren und die Rettungskräfte am Boden zu lenken, ihnen Hinweise zu geben, damit sie das Feuer möglichst schnell in den Griff bekommen.

In der Luft, um Leben zu retten

Seit mehreren Tagen schon heben die Leute von der Luftrettungsstaffel Bayern ab, um mögliche Brandherde, Waldbrände oder Flächenfeuer auf Feldern schnell entdecken und rasch bekämpfen zu können. In der Staffel hatten sich Ende der Sechzigerjahre bayerische Luftsportvereine zusammengeschlossen - wobei der Name etwas irreführend ist. Denn anders als die Hubschrauberbesatzungen von ADAC oder DRF Luftrettung transportieren die Piloten der Luftrettungsstaffel ja keine Verletzten, die dringend in Kliniken geflogen werden müssen.

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In gewisser Weise allerdings helfen sie doch, Leben zu retten. "Wir leisten Katastrophenschutz", sagt Andreas Mehl, der stellvertretende Leiter des Stützpunkts in Fürstenfeldbruck. Er hält an diesem Tag die Stellung in "Fursty", wie der Flugplatz von den Amerikanern einst getauft wurde. Mehl bedient den Funk, ist Ansprechpartner für die Piloten. Ohne die Luftüberwacher, sagt Mehl, könnten die Feuerwehren am Boden Brände nicht so schnell erkennen. Und dann könnten ganz schnell auch Bauernhöfe oder ganze Ortsteile von Flammen bedroht werden.

Seit Tagen schon sind die ehrenamtlichen Luftbeobachter im Einsatz. Wegen der Hitze hat die Regierung von Oberbayern Beobachtungsflüge nicht nur für den Stützpunkt in Fürstenfeldbruck angeordnet. Auch in Erding, Pfaffenhofen, Eichstätt und Königsdorf heben die Flieger mindestens einmal, oft auch zweimal am Tag ab. "Wir fliegen am Nachmittag", sagt Mehl. Dann sind die meisten Spaziergänger unterwegs, die unachtsam eine glimmende Kippe wegwerfen könnten. Oder Griller, deren Glut vom Wind in die Umgebung geweht werden kann. Zwei der häufigsten Ursachen für Brände in der Natur.

Keine Soldaten in der Luft

Pilot Urmann und Luftbeobachter Brach starten mit ihrer 180 PS starken Maschine vom Typ Piper 28 Archer an diesem Samstag gegen 14 Uhr. Zunächst steuern sie nach Norden, nach Dachau und Petershausen, dann geht es gen Osten bis Aichach - und schließlich am Lech entlang in Richtung Süden bis zum Hohen Peißenberg. Pilot Urmann ist für den Flug verantwortlich, für die Sicherheit an Bord. Er meldet sich beim "Flight Information Service" der Flugsicherung an, fragt bei den Lotsen nach, ob der Luftwaffen-Flugplatz in Lagerlechfeld in Betrieb ist. Und ob die Bundeswehr in Altenstadt gerade Fallschirmspringerübungen abhält. "Wenn ja, dann müssen wir mitunter außenrum fliegen", sagt Urmann. An diesem heißen Samstag allerdings sind auch die Soldaten lieber am Badesee als in der Luft. Die beiden Luftbeobachter haben freie Bahn.

Nach gut einer Stunde setzt die kleine Maschine wieder auf. Es ist alles ruhig geblieben. Waldbrände wurden nicht entdeckt. "Gott sei Dank", sagt Luftbeobachter Brach. Lediglich zwei Lkw auf einer Schotterstraße hatten kurz mal seine besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Als Urmann die Piper dann aber näher dorthin steuerte, war rasch klar, dass das, was da vom Boden aufsteigt, eine Staubwolke von den beiden Lkw ist und keine Rauchfahne. "Das kam zuletzt häufiger vor", sagt Brach. Vor allem die Mähdrescher der Bauern wirbeln viel auf.

Dennoch gab es auch schon Ernstfälle: So hatten allein die Luftbeobachter vom Fursty laut Vize-Chef Mehl in den vergangenen zwei Wochen ein halbes Dutzend Brände entdeckt und den Kollegen der Feuerwehren am Boden gemeldet. Und auch in dieser Woche werden die Piloten weiter gefordert sein: Solange sich das Wetter nicht ändert, wird die Bezirksregierung die Luftbeobachtung wohl weiter anordnen.

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