Wahlkampf:Von Dackeln und Wölfen

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CSU-Europapolitiker Bernd Posselt ruft zur Wahl auf

Von heiner Effern

Fast wäre Bernd Posselt auf dem Weg hinauf zur großen Bühne, die ihm die Münchner CSU bereitet hat, gestürzt. Das Knie ist malad, doch davon lässt sich ein glühender Europapolitiker nicht bremsen, wenn es um seine Wahl ins Europäische Parlament geht. Denn was Posselt über die Europäische Union sagt, das gilt auch für ihn selbst. "Es geht nicht um eine Richtlinie zum Krümmungsgrad der Gurken. Es geht um die Wurst."

Knapp zwei Wochen vor der Wahl appelliert Posselt deshalb an die Zuhörer im Saal, dass alle zur Wahl gehen sollten, egal Mann oder Frau, Hund oder Katze. Und dass sie alle CSU wählen sollten. Natürlich wegen der historischen Chance, dass mit dem CSU-Spitzenkandidaten Manfred Weber ein Bayer Kommissionspräsident wird. Und natürlich auch, weil dann Bernd Posselt nach fünf Jahren Leidenszeit wieder ins Parlament zurückkehren könnte.

Dem gehörte der 62 Jahre alte Europapolitiker bereits von 1994 bis 2014 an. Nun kämpft er auf Platz sieben der CSU-Liste um seine Zukunft in Straßburg. Emotional und sehr persönlich zieht er vor gut 100 Interessierten im Hofbräukeller die großen Linien, hebt den Wert der Europäischen Union als Friedensgarant hervor. Er wisse aufgrund seiner sudetendeutschen Abstammung, was Krieg und Vertreibung anrichten könnten, sagt Posselt. Die EU dürfe deshalb auch von den kommenden Generationen auf keinen Fall nur verwaltet, sondern müsse gelebt werden. Sonst werde sie beiseitegeschoben "und der Nationalismus wird sein hässliches Haupt erheben". Er selbst, sagt Posselt mit Blick auf seine Leibesfülle und seine Europa-Liebe, werde sich "mit dem vollen Gewicht, das der Herrgott mir gegeben hat, dagegen stemmen".

Europa müsse zu einer zu einer gemeinsamen Außen- und Klimapolitik finden, bei Technologie und Forschung intensiv zusammenarbeiten, um im Wettstreit mit übermächtigen Gegnern nicht auf der Strecke zu bleiben. Die einzelnen Staaten des Kontinents seien alleine für sich wie Dackel, die sich für einen Wolf hielten und so maßlos überschätzten, wenn es gegen wirklich große Hunde gehe, sagt Posselt. Das heiße aber nicht, dass alle Entscheidungen zentralistisch durchgesetzt werden müssten. Das Europa der Regionen sei ihm wichtig, als Beleg hat er einen Gast und Wahlhelfer aus der Steiermark eingeladen. Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) wünscht "seinem lieben Freund", dass er es schafft, wieder ins Parlament einzuziehen.

Dafür hat die Münchner CSU eigens den Europa-Abend ausgerichtet. Bezirks-Chef Ludwig Spaenle und OB-Kandidatin Kristina Frank haben eingangs für "Mister Europaparlament" geworben. Es sei einmalig, mit welchem Wissen und mit welcher Leidenschaft Posselt sich für Europa einsetze. ,Mit Leib und Seele, mit allem, was du hast", hat Frank gesagt.

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