Wahlkampf in München:<b>"Hält, was er verspricht" </b>

Ob sich das lohnt, oder ob am Ende doch alles für die Katz ist? Fischer hat den Beinahe-Sieg seiner Genossin Stephanie Jung im Hinterkopf, der 2005 nur knapp 6000 Stimmen fehlten, um Uhl zu besiegen. 6000 Stimmen Rückstand! Das müsste zu machen sein. Jedenfalls gibt sich Fischer optimistisch. Immerhin haben seine Wahlplakate Aufmerksamkeit erregt, der Dübel in Verbindung mit dem Namen Fischer, dazu die Parole: "Hält, was er verspricht." Der abgebildete Dübel war zwar ein Billigimitat, mittlerweile aber verteilt der SPD-Mann kleine rote Schachteln mit drei original Fischer-Dübeln, wirklich, diesmal sind es die richtigen, Ehrenwort.

Wahlkampf in München: Hans-Peter Uhl (CSU) verschenkt Rosen, um mit den Wählern ins Gespräch zu kommen.

Hans-Peter Uhl (CSU) verschenkt Rosen, um mit den Wählern ins Gespräch zu kommen.

(Foto: Foto: Rumpf)

Am Rotkreuzplatz bleiben die Dübel in der Tasche - was sollen die Leute damit auf dem Weg zur Arbeit. Von der Zeitung verspricht er sich mehr, die können sie lesen, in der U-Bahn, im Bus. Fischer ist keiner, der sich aufdrängt, der sich den eilenden Massen entgegenwirft, mit der Botschaft: "Stopp, ich bin Ihr Kandidat, alle mal herhören!" Das macht er nicht, jedenfalls nicht an diesem Morgen. Und dann erzählt er, dass ihn manchmal Menschen ansprechen, die früher die Sozis gewählt haben, immer eigentlich, aber jetzt eben nicht mehr, es reicht ihnen, wegen Hartz IV, wegen Afghanistan.

In Einzelpunkten gibt ihnen Fischer recht, alles gefällt ihm auch nicht am Kurs seiner Partei. Gleichwohl setzt er alles daran, die Abtrünnigen zu überreden, es noch einmal mit der SPD zu versuchen. Wegen der horrenden Mieten in München zum Beispiel: damit "die Spirale Modernisierung-Mieterhöhung gestoppt wird", damit der soziale Wohnungsbau verstärkt gefördert werde, damit sich die Leute mit kleinerem Geldbeutel die Stadt noch leisten können. Mieten und Wohnen gehören zu den zentralen Themen, mit denen Fischer die Wähler zu überzeugen trachtet.

Sofern es der SPD gelingt, ihre Anhänger in München zu mobilisieren, könnte es knapp werden zwischen Fischer und Uhl. Womöglich geben dann die Wähler der kleineren Parteien den Ausschlag. Für Fischer könnte es fatal werden, wenn ihm die Linke mit ihrem Kandidaten Henning Hintze viele Stimmen abspenstig macht. Überdies könnten ihm auch die Grünen schaden. 2005 zum Beispiel - wie blöd ist das gelaufen für die SPD: Hätte nur die Hälfte derjenigen, die ihre Erststimme dem Grünen-Kandidaten Dieter Janecek gaben, für Stephanie Jung votiert, würde diese heute im Bundestag sitzen.

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