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Wählerwanderung in München:An wen die SPD Stimmen verloren hat

Wählerwanderung Kommunalwahl 2014

Die Grafik zeigt, an welche Parteien die Münchner SPD Wähler verloren hat.

Die Beteiligung an der Kommunalwahl war verheerend. Konnte die SPD ihre Anhänger nicht mobilisieren? Ist das Potenzial der Partei ausgeschöpft? Sicher ist: OB-Kandidat Dieter Reiter verliert in München Stimmen - und das nicht nur an CSU und Grüne.

Von Kassian Stroh

Es könnte sich um ein politisches Henne-Ei-Problem handeln. Was war zuerst da? Er glaube, dass die SPD wegen der niedrigen Wahlbeteiligung schlechter abgeschnitten habe als erhofft, sagte ihr OB-Kandidat Dieter Reiter am Montag. Oder gingen so wenige zur Wahl, weil es den Sozialdemokraten nicht gelang, ihre möglichen Wähler zu mobilisieren? Dass sie dieses Potenzial nicht ausgeschöpft haben, das war zumindest die Analyse von OB Christian Ude, dem noch amtierenden Rathauschef.

Für diese These gibt es Indizien. Das Statistikamt der Stadt hat eine Wählerwanderungsanalyse zur OB-Wahl veröffentlicht. Danach hat die SPD, verglichen mit 2008, gut 28 000 Wähler an die CSU und 24 000 an die Grünen verloren. Vor allem aber blieben beinahe 100 000 Bürger zu Hause, die vor sechs Jahren noch Ude gewählt hatten - also fast jeder Dritte von ihnen.

Diese Zahlen sind allerdings nur Schätzungen; anders als Analysen von Wahlforschungsinstituten, die auf Befragungen von Wählern basieren, beruhen die Zahlen der Stadt nur auf mathematischen Methoden. Und sie sagen natürlich nichts aus über die Motive der jeweiligen (Nicht-)Wähler. So ließe sich argumentieren, Ude habe vor sechs Jahren außerordentlich viele Wähler an sich gebunden; allerdings war auch damals schon die Wahlbeteiligung gesunken.

Es gibt weitere Indizien für Reiters Mobilisierungsschwäche: Nach der städtischen Analyse hat er nahezu nur SPD-Stammwähler dazu gebracht, ihn anzukreuzen; bei Josef Schmid (CSU) hingegen kam ein Drittel der Stimmen von Menschen, die als Wechselwähler klassifiziert werden, respektive von bisherigen Nichtwählern. Bei der Grünen-Kandidatin Sabine Nallinger sind diese beiden Gruppen noch wesentlich stärker vertreten. Und auch die Zahlen der Wahlbeteiligung deuten daraufhin: In den drei Stadtvierteln mit der höchsten Wahlbeteiligung lag Schmid am Ende deutlich über seinem stadtweiten Ergebnis. Das waren Bogenhausen, Pasing-Obermenzing und Allach-Untermenzing - klassische CSU-Hochburgen also.

Schmid wiederum konnte nicht nur fast jeden Wähler bei der Stange halten, der schon 2008 für ihn votiert hatte. Er gewann eben auch Menschen, die 2008 gar nicht wählen gegangen waren (12 000), die Ude (28 400) oder den FDP-Kandidaten Michael Mattar gewählt hatten (3000).

Den größten Sprung hat Nallinger gemacht. War der Grünen-Kandidat von 2008, Hep Monatzeder, nur auf 16 000 Stimmen insgesamt gekommen, so holte sie jetzt 67 000. Ihr gelang es, vormalige Nichtwähler zu mobilisieren: 26 800 laut der städtischen Analyse. Und fast genau so viele holte sie sich aus der Gruppe der Ude-Wähler.

© SZ vom 18.03.2014/bica

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