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Wachstumsprobleme:Bloß keine neuen Straßen

Angesichts des Zuzugs von rund 40 000 Menschen sitzt im Münchner Westen die Sorge tief, im Verkehr zu ersticken. Ein SPD-Antrag, die Verlängerung der Aubinger Allee nach Norden zu prüfen, stößt daher auf breite Ablehnung. Stattdessen soll Geld in den U-Bahn-Bau fließen

Von Ellen Draxel, Aubing

Die Schwerpunkte sind klar: Aubings Bürgervertreter wollen erst einmal keinen Ausbau des Straßennetzes in ihrem Stadtbezirk. Stattdessen fordern sie eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs und mehr und bessere Radwege. An die Adresse der Stadtverwaltung wiederholen sie diese Forderungen mantraartig in regelmäßigen Abständen. In der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses (BA) Aubing-Lochhausen-Langwied jedoch stellte ausgerechnet der Vorsitzende des Unterausschusses Planen, Bauen, Umwelt zwei Anträge zur Abstimmung, die den Bau von Straßen zur Lösung der Verkehrsproblematik im Westen in Erwägung ziehen. Die Ablehnung, die Robert Brenner (SPD) daraufhin entgegenschlug, zeigt, wie dünnhäutig die Aubinger bei dem Thema inzwischen sind. Die Sorge sitzt tief, angesichts des Zuzugs von rund 40 000 Menschen in den kommenden 15 bis 20 Jahren im Verkehr zu ersticken.

Brenners erste Idee beinhaltet eine Weiterführung der Aubinger Allee nach Norden zur Rupert-Bodner- und weiter zur Bergsonstraße östlich des Autobahntunnels der A 99. Der Bauingenieur hätte sich gewünscht, dass diese Trasse, die von Freiham kommend die Eichenauer und die Altostraße in Altaubing queren müsste, von der Stadt in mehreren Varianten zunächst einmal untersucht wird - als oberirdische, aber auch als Tunnel-Lösung. Bei einer frühen Prüfung, so Brenners Argument, wäre es vielleicht noch möglich, Fördergelder zu erhalten. Denn eine im November vorgestellte Studie hatte ergeben, dass der Verkehr im 22. Stadtbezirk bis 2035 um rund 40 Prozent zunehmen wird, die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel wie etwa der U 5 bis Freiham bereits eingerechnet.

Aus Sicht seiner BA-Kollegin Karin Binsteiner (Grüne) aber, die seit Langem den Verkehrsunterausschuss leitet, kommt der Antrag "zur Unzeit". Der Straßenbau, sagte sie, sei nicht das Problem, Straßen werde es "eh geben". Was "jetzt" gebraucht werde, sei die U-Bahn - "und jedes Geld, das woanders hinfließt, fehlt für den ÖPNV und den Radverkehr". Kommendes Jahr soll die Sanierung des Allacher Tunnels beginnen, sie dauert mindestens acht Jahre. Spätestens dann, prognostizierte Binsteiner, die auch Vorsitzende der Bürgervereinigung Aubing-Neuaubing ist, werde das Ausmaß der Verkehrsströme deutlich sichtbar werden. Ähnlich sehen das die Fraktionen CSU und Freie Wähler/ÖDP.

Kritik äußerten außerdem mehrere Bürger. Viele waren nur dieses Tagesordnungspunktes wegen zur Sitzung erschienen. Egbert Scherello etwa wies darauf hin, dass es sich bei Brenners Vorschlag "eigentlich um eine Autobahn-Umleitung" zwischen den Ausfahrten Kreuz München-West und Germering-Nord handle. Statt den Durchgangsverkehr aus Aubing herauszuhalten, führe man ihn hinein. Eine Mutter sagte, sie sei "fassungslos, dass so etwas überhaupt debattiert" werde. Nachdem die Aubinger jahrzehntelang dafür gekämpft hätten, den Dorfkern mithilfe eines Tunnels vom Lärm und Schmutz der Autobahn abzuschirmen. Denn diese Strecke, vorbei an der Gotzmannschule, werde "doch der Schwerlastverkehr entlangfahren, nicht wir Aubinger". Andere wie der Vorsitzende des Fördervereins 1000 Jahre Urkunde Aubing, Klaus Bichlmayer, sehen durch diesen Vorschlag sowohl das Naherholungsgebiet als auch den Geschichtspfad auf dem Aubinger Tunnel "erheblich gefährdet".

Bei der Abstimmung votierte dann lediglich die SPD für Brenners Vorstoß, alle anderen lehnten den Antrag vehement ab. Ebenso wie einen zweiten, der eine Westtangente zur Anbindung des 22. Stadtbezirks sowie der Kommunen Puchheim und Gröbenzell an die Stuttgarter Autobahn anregte, um die Ortskerne von Aubing und Lochhausen zu entlasten.

© SZ vom 31.03.2021
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