Was läuft an Vorträgen?Mit Schelling und Pflegeroboter „Garmi“ in die Zukunft reisen

Lesezeit: 2 Min.

Auge in Auge mit einem Pflegeroboter: Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel 2019 bei einem Rundgang in der Munich School of Robotics and Machine Intelligence der Technischen Universität München.
Auge in Auge mit einem Pflegeroboter: Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel 2019 bei einem Rundgang in der Munich School of Robotics and Machine Intelligence der Technischen Universität München. Sven Hoppe/picture alliance/dpa

Wie Musik das Leben verändern kann, verrät Stardirigent Sir Simon Rattle. In die Zukunft weisen der Philosoph Schelling und der Pflegeroboter „Garmi“.  Spannende Vorträge im Mai und Juni.

Von Barbara Hordych

Retrospektiven, aber auch wissenschaftliche Arbeiten belegen bis heute, wie viel Inspirationskraft den Werken – und dem Leben – von Rainer Werner Fassbinder innewohnt. Dem vor 80 Jahren am 31. Mai in Bad Wörishofen geborenen Filmemacher, der als eiskalter Rebell und großer Erneuerer des westdeutschen Nachkriegskinos legendär wurde, widmet der Münchner Verein „Fassbindertage e. V.“ am Geburtstagswochenende zahlreiche Veranstaltungen.

Darunter am 30. und 31. Mai das wissenschaftliche Symposium Rainer Werner Fassbinder: Kino der Subversion im Philologicum der Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität: Um 13.20 Uhr wird beispielsweise Ute Holl über „Melodram ohne Rührung: Affektstrategien und V-Effekte in Fassbinders ‚Angst essen Seele auf‘“ und Clemens Pornschlegel über „Gefühlskälte als politisches Prinzip. Zu Rainer Werner Fassbinders ‚Fontane Effi Briest‘“ sprechen. Auch Margarethe von Trotta wirkt mit, sie wird am Abend des 31. Mai an der HFF Volker Schlöndorffs Film „Baal“, in dem sie 1969 gemeinsam mit Fassbinder spielte, vorstellen. Das komplette Programm der Fassbindertage 2025 ist unter www.fassbindertage.de zu finden.

Melodram ohne Kitsch: In Fassbinders „Angst essen Seele auf“ von 1974 verliebt sich eine sechzigjährige Witwe (Brigitte Mira) in einen viel jüngeren Gastarbeiter aus Marokko (El Hedi ben Salem).
Melodram ohne Kitsch: In Fassbinders „Angst essen Seele auf“ von 1974 verliebt sich eine sechzigjährige Witwe (Brigitte Mira) in einen viel jüngeren Gastarbeiter aus Marokko (El Hedi ben Salem). STUDIOCANAL

Unter den 600 Designobjekten im X-D-E-P-O-T der Neuen Sammlung in der Pinakothek der Moderne befindet sich auch der Pflegeroboter Garmi, benannt nach dem bayerischen Markt Garmisch-Partenkirchen, der (angeblich) einen besonders hohen Altersdurchschnitt aufweist. Auf dessen Spur begeben sich die Theologin Barbara Hepp, Leiterin der Evangelischen Stadtakademie München, und der Kunstvermittler und ehemalige Produktentwickler Hans-Gerd Grunwald am 7. Juni um 15.30 Uhr in der Dialog-Reihe Das Ewige im Jetzt: Was soll der Pflegeroboter leisten und welche Form(en) hat man dafür gewählt? Wie verhält sich das technische Design zur Alltagstauglichkeit? Würden wir zu diesem „Wesen“ Vertrauen fassen? Und welchen Anteil hat die Gestaltung daran? Letztendlich wird es dabei immer auch um die Frage gehen, was den Menschen im Kern ausmacht. Vor dem Gespräch, in das auch das Publikum einbezogen wird, gibt es eine halbstündige musikalische Interpretation zum Thema in der benachbarten Markuskirche.

Das Bronzestandbild des Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph Schelling vor dem Museum Fünf Kontinente.
Das Bronzestandbild des Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph Schelling vor dem Museum Fünf Kontinente. Alessandra Schellnegger

Kein anderer Philosoph prägte während seines fast 30-jährigen Aufenthalts das intellektuelle Leben Münchens so sehr wie Friedrich Schelling (1775–1854). In seiner dort verfassten „Philosophie der Weltalter“ stellt er sich derjenigen Frage, die bis heute zu den schwierigsten der Philosophie gehört: Was ist Zeit? In seinem Vortrag Was wir von Schelling über die Zukunft lernen können am 12. Juni um 18.30 Uhr in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Residenz) erläutert Professor Markus Gabriel, Lehrstuhlinhaber für Erkenntnistheorie, Philosophie der Neuzeit und Gegenwart an der Universität Bonn, zum 250. Geburtstag des Philosophen Schellings bislang systematisch kaum erschlossene These, dass die Zukunft den eigentlichen Schlüssel zum Verständnis der Zeit bildet.

Welche Werke Sir Simon Rattle in schwierigen wie freudigen Lebensphasen begleiteten, verrät er im Gespräch in der Katholischen Akademie.
Welche Werke Sir Simon Rattle in schwierigen wie freudigen Lebensphasen begleiteten, verrät er im Gespräch in der Katholischen Akademie. Sven Hoppe/dpa

Zum Schluss noch eine Empfehlung für Kurzentschlossene: Bekanntlich vermag Musik, uns an Stellen zu berühren, die für Worte unerreichbar bleiben. Sie weckt Emotionen und Erinnerungen, entführt in andere Welten und stiftet Gemeinschaft — auch über kulturelle und soziale Grenzen hinweg. Über diese Wirkkraft der Musik – unter dem Titel Wie kann Musik ein Leben verändern? – wird der BR-Musikjournalist Bernhard Neuhoff am 27. Mai um 19 Uhr mit dem Star-Dirigenten Sir Simon Rattle in der Katholischen Akademie sprechen. Und ja, auch die Musik selbst wird dabei zu erleben sein, dargeboten von Mitgliedern des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Doris Dörrie über das „Wohnen“
:„Die Stadt erstickt immer mehr an ihrem Reichtum“

Die Filmemacherin und Schriftstellerin Doris Dörrie hat ein sehr kluges und erfolgreiches Buch über das „Wohnen“ geschrieben. Ein Gespräch über Städte wie München, Frauen in Küchen und reiche Menschen in Amerika.

SZ PlusInterview von Antje Weber

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: