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Vorschau:Unerschüttert weiter

Luise Kinseher

Mama Bavaria im Doppelpack: Luise Kinseher wird ihr Programm an einem Abend zweimal spielen.

(Foto: Martin Bogdahn)

Die Pasinger Fabrik stellt ein 96 Veranstaltungen umfassendes Kulturfestival für den Sommer vor

Von Jutta Czeguhn

"Sie sitzen hier mit viel mehr Platz als in Bayreuth, und Sie haben bessere Luft als in Bayreuth" - warum sollte sich Andreas Pascal Heinzmann diese nette Spitze gegen seinen Kollegen Christian Thielemann auch verkneifen? Die Wagner-Festspiele sind längst abgesagt, er aber, der musikalische Leiter der Oper in der Pasinger Fabrik, wird demnächst seinen Dirigentenstab wieder heben dürfen. "Die Stunde der kleinen Häuser" sei gekommen, verkündeten Münchens Kulturreferent Anton Biebl und Fabrik-Chef Frank Przybilla am Freitag in der Wagenhalle des Kulturhauses. Für die Journalisten hatte man zu Sitz- und Demonstrationszwecken schon mal 50 Stühle im Raum verteilt. Etwa so viele Besucher werden hier in den kommenden Wochen bis Ende August beim Kulturfestival "Sommerfrische" alle Beinfreiheit haben und sich doch nicht so verloren vorkommen wie etwa in der Staatsoper. Spritzig wie ein Frizzante sollen sich die 96 Veranstaltungen anfühlen, die das für seine Unerschütterlichkeit bekannte Team der Pasinger Fabrik in nur zwei Wochen Planungszeit aus dem Hut gezaubert hat.

Nach dem Radikal-Lockdown und den erfolgreichen Wiederbelebungsmaßnahmen via Streaming will die Fabrik, als wendiges Mehrspartenhaus, mit diesem Festival Künstler und Publikum nun wieder die gleiche Luft atmen lassen. In der Wagenhalle, aber vor allem open air im französischen Park der Ebenböckschen Stadtvilla und im Hof von Schloss Blutenburg. Vorsichtshalber bietet man neben Schönwetter- auch Allwettertickets an.

Einer der ersten, die der Pasinger Sommerfrische zugesagt haben, war Max Uthoff. Er wird zusammen Sara Hakenberg die neue Kabarett-Reihe "Gemischtes Doppel" antesten. Luise Kinseher dupliziert sich selbst und spielt am 24. Juli gleich zweimal hintereinander ein Best-of ihres "Mamma Mia Bavaria"-Programms. In der Musiksparte holt die Fabrik wie immer weit aus: Quadro Nuevo segeln beim Auftaktkonzert am 25. Juni mit ihrem "Flying-Carpet" ein, Alex Haas (Unsere Lieblinge, Hochzeitskapelle) stellt für die anlaufende Beatles-Ausstellung ein Konzert (26. Juni) zusammen und hofft, dass es am Ende heißen wird: "That was wonderful, Ringo". Sein Duo-Partner Stefan Noelle, ein Ur-Pasinger, darf ebenso endlich wieder auftreten wie der Nachwuchs von der Jazz-School München, der für sein Jahresabschlusskonzert den Ebenböckgarten als Bühne bekommt.

Dort gibt es auch viel Beethoven zwischen den Rosenbeeten, ob kammermusikalisch oder in "größerer" Orchesterbesetzung. Auf Paul Linckes Operette "Frau Luna" wird das Publikum noch ein Jahr warten müssen. Weil aber ein Sommer so ganz ohne Oper in der Pasinger Fabrik überhaupt nicht vorstellbar ist, hat Hausmaestro Heinzmann Arien-und -Ouvertüren-Abende vorbereitet. Wie sein Lehrer Sergiu Celibidache ist er überzeugt, dass das direkte, sinnliche Erleben der Musik letztlich durch rein gar nichts zu ersetzen ist.

"Sommerfrische", Pasinger Fabrik, 24. Juni bis 29. August, www.pasinger-fabrik.de

© SZ vom 20.06.2020

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