Vorbild Hamburg Teure Willkommenskultur

München verzichtet auf Beratungszentrum für Zuwanderer

Von Sven Loerzer

Im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte setzen andere Städte schon seit langem auf Willkommenszentren, um Neuzugewanderte erleben zu lassen, dass sie willkommen sind. So hat Hamburg bereits 2007 sein Welcome Center eingerichtet, mitten im Herzen der Stadt, in den repräsentativen Räumen der Handwerkskammer, nahe dem Rathaus. Vor fast vier Jahren stellte die Fraktion der Grünen/Rosa Liste im Münchner Rathaus den Antrag, auch in der bayerischen Landeshauptstadt die Beratungsangebote nach Hamburger und Stuttgarter Vorbild in einem Zentrum zu bündeln. Doch Sozialreferentin Dorothee Schiwy kann sich damit wegen "der hierfür erforderlichen erheblichen Ressourcen" nicht anfreunden. Denn um einen "effektiven Mehrwert gegenüber den bereits bestehenden Beratungsangeboten" zu erreichen, wären geeignete Räumlichkeiten in zentrumsnaher Lage erforderlich sowie mehr Personal. Weil das aber viel Geld kosten dürfte, will sie nur das bestehende Informations- und Beratungsangebot ausbauen und bekannter machen.

Münchens Bevölkerung wächst und verändert sich. Jeweils mehr als 110 000 Personen sind in den letzten vier Jahren neu zugezogen, fast zwei Drittel von ihnen hatten keinen deutschen Pass. Unter ihnen waren 2017 am stärksten Kroaten (rund 6000 Personen), Rumänen (5100), Italiener (3400) und Inder (3100) vertreten, gefolgt von Bosniern (2800), Polen (2600), Chinesen (2600), Bulgaren (2500) und Griechen (2200). Neben allgemeinen Beratungsangeboten gibt es für die Neubürger spezielle Stellen, wie etwa das Service-Center für internationale Fach- und Führungskräfte, das alle aufenthaltsrechtlichen Dienstleistungen des Kreisverwaltungsreferats aus einer Hand erbringt. Weitere Angebote, wie etwa den einheitlichen Ansprechpartner für Unternehmen und das Existenzgründungsbüro unterhält das Referat für Arbeit und Wirtschaft. Bildungs- und beschäftigungsorientierte Beratung bietet das Sozialreferat. Es unterhält auch eine Servicestelle, die bei der Anerkennung ausländischer Qualifikationen berät.

Im Gegensatz dazu haben Stuttgart und Hamburg sich bereits vor einiger Zeit dafür entschieden, die wichtigsten Angebote unter einem Dach in einem Willkommenszentrum zusammenzufassen. Hamburg wende sich dabei vor allem an qualifizierte Fachkräfte und ihre Familien, resümiert Dorothee Schiwy: "Die Anmietung der repräsentativen Räume bei der Handelskammer unterstreicht das Anliegen, eine gelebte Willkommenskultur zu zeigen, und erleichtert den Zugang." Auch in Stuttgart sei ein repräsentativer Standort für vielfältigste Angebote gewählt worden. In beiden Städten werde eine "qualifizierte Erstberatung für alle Zuwandernden vorgehalten, die es in dieser Form in München nicht gibt", berichtet Dorothee Schiwy dem Sozialausschuss des Stadtrats.

Trotzdem schlägt sie für München andere Lösungen vor. Um Neuzugewanderte noch effektiver zu erreichen, will die Sozialreferentin die Informationsangebote im Internet (www.welcome.munich.de) und in Broschürenform weiter ausbauen. Obendrein soll es künftig die mehrsprachige App "Integreat" für Neumünchner geben - für die Einführung der App laufen derzeit die Vorbereitungen. Zur Nutzung reiche ein Smartphone, über das die meisten Zuwanderer verfügen.