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Millionenbetrug:Falscher Börsenhändler muss ins Gefängnis

Hochstapler in München vor Gericht

Rechtsanwalt Timo Westermann beim Prozessauftakt mit dem Angeklagten Bernhard J.

(Foto: dpa)
  • 15 Investitionswillige zog der Angeklagte über den Tisch, indem er ihnen illusorische Gewinne in Höhe von 20 bis 500 Prozent versprach.
  • Die Schadenssumme beläuft sich auf fast drei Millionen Euro - und der 55-Jährige saß schon zuvor zweimal wegen Betruges im Gefängnis.
  • Das Gericht verurteilte ihn deshalb zu einer Haftstrafe von sechseinhalb Jahren.

Es kommt eine Gestalt in die Akademie der Bildenden Künste, von der alle sofort sehen, dass sich unter der Langhaarperücke und dem Dirndlgewand ein Mann verbirgt. Und diesem Mann, oder dieser Frau, vertrauen Künstler, Fotografen, Architekten ihr Erspartes an, in der Hoffnung, dass dieser Bernhard J., der sich als Transgenderfrau Stefanie S. vorstellt, es vermehren wird. "Ich habe ihr vertraut", sagt eine Architektin am Montag vor dem Landgericht München I. Vermutlich habe auch eine Art "Frauensolidarität" - und Mitleid - eine Rolle gespielt. Auf Letzteres konnte der Angeklagte aufgrund seines Vorstrafenregisters und einer Schadenssumme von fast drei Millionen Euro nicht hoffen. Die sechste Strafkammer verurteilte ihn am Abend wegen Betruges zu einer Haftstrafe von sechseinhalb Jahren.

Bernhard J. ist ein unscheinbar wirkender Mann, 55 Jahre alt, gebürtiger Münchner. Die Villa in Grünwald, die Luxusautos, die stattliche Dirndlsammlung, sein Image als erfolgreicher Broker - das alles erscheint beim Anblick des kleinen, grauhaarigen Mannes völlig unglaubwürdig. Wie genau Bernhard J. den Kontakt in die Kunstakademie herstellte? "Er war mehrmals bei uns, man ging gemeinsam Mittagessen mit Kollegen", erzählt eine Architektin vor Gericht. Über Monate ging das so, man freundete sich immer mehr an und sie habe sich stets gedacht: "Wie schwer ist es wohl, als Mann geboren zu sein und sich als Frau zu fühlen?" Tatsächlich aber war Bernhard J. 20 Jahre lang verheiratet, er hat zwei erwachsene Söhne, ließ sich scheiden, um 2016 dann erneut eine Frau zu heiraten.

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Stefanie S., so sagt die Zeugin, sei "sehr überzeugend in ihrer Art" gewesen. Sie habe immer einen kleinen Laptop dabei gehabt, um zu zeigen, welche Gewinne sie mit Anlagegeschäften erziele. Im Sommer 2016 machte dann die Runde, dass Stefanie S. kein Geld mehr annehmen würde, sie sei mit ihren Geschäften ausgelastet, "aber für mich hat sie eine Ausnahme gemacht", sagt die Zeugin.

Mit einem Blumenstrauß in der Hand und 10 000 Euro in bar stand die Architektin im Oktober 2016 vor der Villa des Betrügers an der Grünwalder Heckenrosenstraße. Sie habe sich damals gefreut, dass sie als einzige Frau in der Riege der männlichen Kollegen auserwählt worden war, bei Bernhard J.s Geschäften mitwirken zu dürfen. Doch in Wahrheit reihte sie sich nur nahtlos in die Liste der Opfer ein. Insgesamt 15 Investitionswillige zog Bernhard J. zwischen 2012 und 2017 über den Tisch, kassierte Einlagen in Höhe von 5000 bis 490 000 Euro und versprach illusorische Gewinne in Höhe von 20 bis 500 Prozent.

"Wenn man sich auf so was einlässt, muss man im Kopf haben, dass es auch schiefgehen kann", sagt die Architektin im Zeugenstand. Sie sei auf die 10 000 Euro nicht angewiesen gewesen. Sie unterschrieb einen Vertrag, der besagte, dass sie mit einer Kündigungsfrist von drei Wochen jederzeit ihr Geld zurück haben könne. Doch Stefanie S. habe dann nicht mehr auf Chatnachrichten geantwortet, und als im August 2017 die Polizei sie als Zeugin lud, war ihr klar, dass sie einem Betrüger aufgesessen war. "Ich fand das alles so verrückt", sagt sie heute. "Ich konnte nicht mal böse sein. Ich habe mich im Spiegel angeschaut und gedacht: Bist du dumm!" Das Geld hat sie bis heute nicht zurück bekommen. Bernhard J. entschuldigt sich bei ihr mit den Worten, er habe "private Probleme" gehabt.

Tatsächlich hatte J. zwei Firmen in den Sand gesetzt, sich mit dubiosen Leuten eingelassen und immer an "den großen Wurf" geglaubt. Bereits zweimal saß er wegen Betruges im Gefängnis, einmal sogar mit Sicherungsverwahrung. Diese wurde aufgrund einer Gesetzesänderung aber wieder aufgehoben.