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Vor 50 Jahren:Der Sprint zu den Olympischen Spielen von 1972

München erhält Zuschlag für Olympia 1972, 1966

"München ist Olympia-Stadt" titelte die SZ am Tag nach der Entscheidung.

(Foto: Sueddeutsche Zeitung Photo)

München hatte nur dreieinhalb Monate, um die Sympathien der Welt zu gewinnen - und hat es geschafft. Vor genau 50 Jahren bekam die Stadt den Zuschlag für Olympia.

Siegessicher waren die Münchner damals nicht; die Redaktion der Süddeutschen Zeitung machte da keine Ausnahme. Weil die Entscheidung, wer die Olympischen Sommerspiele 1972 austragen werde - Detroit, Madrid, Montreal oder München -, erst zu Redaktionsschluss am frühen Abend des 26. April 1966 zu erwarten war, standen in der Setzerei zwei Streiflichter für die Titelseite im Stehsatz: eines für den Fall des Sieges, eines für die Niederlage.

Hoffnungen machte man sich in München aber durchaus. Der Hüter des SZ-Redaktionsetats hätte andernfalls nicht zwei Dienstreisen nach Rom genehmigt - eine für den Leiter des Sportressorts und eine für den Stadtratsreporter. Es war eine Investition, die sich auszahlte. Um 18.10 Uhr verkündete IOC-Präsident Avery Brundage im Hotel Excelsior an der Via Veneto: "The games are awarded to - Munich." Nachdem Detroit ausgeschieden war, hatten im zweiten Wahlgang je 15 IOC-Mitglieder für Montreal und Madrid gestimmt, 31, also die absolute Mehrheit, für München. "München ist Olympia-Stadt" titelte die SZ tags darauf.

Erster Höhepunkt einer Erfolgsgeschichte

Es war der erste Höhepunkt einer Erfolgsgeschichte, die eher unauffällig begonnen hatte. Georg Brauchle, damals Münchens Zweiter Bürgermeister, berichtete 1964 vor Journalisten über seinen Besuch bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck und meinte eher nebenbei, Olympia, das wäre doch auch etwas für München. Hans-Jochen Vogel, damals Oberbürgermeister, erinnerte sich später, sein Stellvertreter habe sich daraufhin von der Münchner Presse, SZ inklusive, sagen lassen müssen: "So stellt sich klein Moritz Olympische Spiele vor." Auch er selbst habe die Idee nicht weiterverfolgt.

Das änderte sich, als Vogel am 28. Oktober 1965 im Rathaus Besuch bekam. Das IOC-Mitglied Willy Daume überraschte ihn eingangs mit der Frage: "Herr Oberbürgermeister, sitzen Sie fest in Ihrem Stuhl?" Vogel verstand die Frage politisch: "Ja, ich glaube schon. Haben Sie Sorgen, dass mir irgendetwas fehlt oder dass ich politisch wackle?" Darauf kam Daume zur Sache: "Und ich glaube, ich habe eine für Sie wichtige Frage zu stellen, nämlich die Frage: Warum bewirbt sich München nicht um die Olympischen Spiele?"

Vogels Gast sah eine reelle Chance: Das Internationale Olympische Komitee hatte damals beschlossen, dass die DDR bei Olympischen Spielen mit einer eigenen Mannschaft antreten darf, und Daume spekulierte darauf, dass die Olympier sich auf eine Art "Gegengeschäft" einlassen würden: Das DDR-Team zieht bei den Spielen künftig hinter der eigenen Fahne mit Hammer und Sichel ein; und eine Stadt in der Bundesrepublik wird Schauplatz dieser Spiele, erhält den Zuschlag.