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Von Gospel bis Pop:Weich, wuchtig, weiblich

Drei Unterfahrt-Konzerte zeigen die ganze Bandbreite aktueller Jazzmusikerinnen. Mit dabei sind die Band "SiEA" mit Funk und Disco, das Trio der Pianistin Julia Hülsmann mit Folk und Experimentellem, und Norisha Campbell mit Quintett und erdigem Soul.

Von Oliver Hochkeppel

Mit geballter Frauenpower verabschiedet die Unterfahrt den Januar. Drei Livestream-Konzerte bieten verlässlich mit die besten Interpretinnen auf, die man in der erweiterten Jazzszene derzeit hören kann. Misstrauen sollte man nur dem Titel der ersten Band: Last Chance To Misbehave nennt die Pianistin Julia Hülsmann ihr Trio mit den Sängerinnen Ayse Cansu Tanrikulu und Mia Knop Jacobsen. Doch weder - so ist jedenfalls zu hoffen - ist es das letzte Mal, dass man die drei erleben darf, noch benehmen sie sich auch nur ansatzweise daneben, wenn sie, zwischen Jazz, Folk und experimenteller Musik changierend, Lyrik von Shakespeare bis Beaumont vertonen.

Klingt dies wundervoll luftig, reduziert und lyrisch, geht es tags darauf mit Norisha umso kerniger zur Sache. Die ehemalige Profi-Volleyballerin Norisha Campbell führt ihr exzellentes Quintett beim neuen Soul-Programm "Gotta be happy" zurück zu ihren Wurzeln: dem Gospel, der sie wie so viele schwarze Sängerinnen einst als Mitglied ihres Kirchenchores stark geprägt hat.

Gleich sieben grandiose Münchner Musikerinnen (bis vor kurzem waren es sogar noch mehr) sind bei der "female Avantgarde Pop Band" SiEA versammelt. Von der funkigen Disco-Nummer bis zur Techno-Ballade, vom filigranen Jazz-Duett bis zum wuchtigen Bläser-Soul reicht ihre musikalische Bandbreite, die stets auch noch durch Performance, Tanz, Band-Choreographie, Outfits und Visuals (von der Künstlerin Proximal) multimedial erweitert wird.

Last Chance To Misbehave, Do., 28. Jan., Norisha, Fr., 29. Jan., SiEA, Sa., 30. Jan., jeweils 20 Uhr, Unterfahrt, www.unterfahrt.de

© SZ vom 28.01.2021
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