Süddeutsche Zeitung

Von 1945 bis heute:Anschläge, Morde, Aufmärsche

Eine Chronik rechtsradikaler Gewalt und Propaganda in München

Ausstellung und Katalog, dazu das umfangreiche Begleitprogramm mit Vorträgen, Lesungen und Diskussionen zeigen, welche Gruppierungen seit 1945 rechtsextreme Positionen auch in München vertraten und wie zurückhaltend die Gegenwehr der Demokraten oft ausfiel. Sie zeigt aber auch, dass manche Taten und Ereignisse kaum noch im kollektiven Gedächtnis der Stadt vorhanden sind. Eine Chronologie.

1948: Drei Jahre nach Kriegsende rufen antisemitische Schilder an Münchner Gaststätten zur Vergasung von Juden auf.

1960: In einer in der Bundesrepublik beispiellosen Welle des Antisemitismus werden binnen zwei Wochen allein in Bayern 109 Schändungen jüdischer Einrichtungen und Friedhöfe registriert.

1972: Bei der Vorbereitung des Olympia-Attentats arbeiten die palästinensischen Terroristen eng mit zwei deutschen Neonazis zusammen. Bei ihrer Festnahme haben die zwei Rechtsextremisten zahlreiche Waffen dabei. Mit rund 25 Gesinnungsgenossen hatten sie eine "Nationalsozialistische Kampfgruppe Großdeutschland" gebildet.

1979: Rechtsradikale verteilen in der Fußgängerzone antisemitische Flugblätter gegen die Fernsehserie "Holocaust".

1980: Gundolf Köhler, ehemaliges Mitglied der 1973 gegründeten und sieben Jahre später verbotenen Wehrsportgruppe Hoffmann, verübt das Oktoberfestattentat, bei dem zwölf Menschen sterben und 211 verletzt werden.

1981: Fünf Neonazis brechen bewaffnet zu einem Bankraub auf. In der Putzbrunner Straße werden sie von der Polizei gestellt. Ein Neonazi zündet eine Handgranate, zwei Mitglieder der Gruppe sterben.

1984: Brandanschlag der rechtsextremistischen "Gruppe Ludwig" auf ein Lokal in der Schillerstraße. Eine junge Frau stirbt.

1991: Ein Bundeswehr-Unteroffizier beschimpft Jugendliche am Michaelibad mit rassistischen Parolen. Kurz darauf schießt der Mann auf zwei der jungen Leute.

1995: In der Redaktion des Fernsehsenders "Pro Sieben" detoniert eine an die Moderatorin Arabella Kiesbauer adressierte Briefbombe einer "Bajuwarischen Befreiungsarmee". Eine Sekretärin wird verletzt.

1997: Mehrere tausend Neonazis demonstrieren in München gegen die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht" im Münchner Rathaus. Die Demonstration war eine der größten rechtsextremistischen Kundgebungen in Deutschland.

2001: Uwe Mundlos und Uwe Bönhardt ermorden den Münchner Habil Kilic, vier Jahre später Theodoros Bulgarides - zwei von insgesamt zehn Mordopfern des NSU.

Im gleichen Jahr schlagen Neonazis einen griechischen Passanten brutal zusammen. Der Haupttäter versteckt sich im Verbindungshaus der Burschenschaft Danubia.

2003: Der Neonazi Martin Wiese wird verhaftet. Zusammen mit mehreren Komplizen der "Kameradschaft Süd" hatte er unter anderem über einen Anschlag auf die Grundsteinlegung der Synagoge am Jakobsplatz diskutiert. Die Mitglieder der Gruppe besaßen Waffen und Sprengstoff.

2016: In Moosach erschießt der rechtsradikale Deutsch-Iraner David S. neun Menschen mit Migrationshintergrund. Die ursprünglich als Amoklauf bewertete Tat gilt für Extremismus-Experten inzwischen als rassistisch motiviertes Hassverbrechen, der Täter als Terrorist.

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SZ vom 29.11.2017 / bm
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