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Vollversammlung der Clubszene:Subkulturkongress

Beim "Kongress" auf dem ehemaligen Messegelände zeigt die Münchner Subkultur ab Mittwoch, was sie alles auf dem Kasten hat.

Man kann über die Münchner Subkultur ja sagen, was man will - aber nicht, dass sie sich nicht stilvoll zu präsentieren verstünde. Wenn sie sich nämlich an diesem Mittwochabend selber feiert, mit einer Ausstellung über 25 Jahre Münchner Clubkultur, dann tut sie das an einem Ort, der seinen sehr eigenen Reiz hat. Denn die Alte Kongresshalle über der Theresienwiese, einst wichtiger Bestandteil des ehemaligen Messegeländes auf der Schwanthalerhöhe, ist ein Fünfziger-Jahre-Juwel. Die daran angeschlossene Kongress-Bar sieht aus, als wäre sie in den Jahren des blühenden Wirtschaftswunders eingerichtet worden. Und der Innenhof zur angrenzenden Wirtschaft mit seiner luftigen Freitreppe könnte auch als Schauplatz dienen für einen italienischen Gesellschaftsfilm aus den siebziger Jahren.

Das Ensemble der Alten Kongresshalle an der Theresienhöhe hat David Blake Walker, ehemals Besitzer der Registratur, übernommen: Tobias Staab, Damir Stabek, David Blake Walker und Branimir Peco. Foto: Alessandra Schellnegger

(Foto: sz.muk)

Dass die Münchner Szene sich an den kommenden vier Tagen ausgerechnet hier versammeln wird, hat sie einem ihrer wichtigeren Protagonisten aus den vergangenen zehn Jahren zu verdanken: David Blake Walker, der sechs Jahre lang die Registratur in der Blumenstraße 28 führte, einen der Clubs, die das neue Münchner Nachtleben entscheidend mitprägten. Seit der Club Ende September 2009 schließen musste, weil das ehemalige Stadtwerke-Gebäude saniert werden soll (es steht übrigens, weitgehend unangetastet, heute immer noch leer), ist Walker auf der Suche nach einer neuen Unterkunft. Man kann sagen, dass ihm inzwischen einiges andere untergekommen ist - er vermietet die Alte Kongresshalle für Firmen-Events und Tagungen, betreibt die Kongress-Bar und seit einem Monat auch Wirtshaus und Biergarten auf dem alten Messegelände.

Eine neue Registratur hat sich jedoch noch nicht gefunden. Das bedauern die Macher der alten natürlich sehr, und damit sie nicht aus der Übung kommen, veranstalten sie heuer eben das "Kongress"-Festival. Das gab es eigentlich auch schon im vergangenen Jahr - damals eher eine Notlösung rund um den Präsentationstag des Berliner Labels B-Pitch: Weil sich der ganze technische Aufwand für einen Tag nicht lohnte, wurden 2009 mehrere Tage in der Alten Kongresshalle daraus. Und weil die Sache damals viel Anklang fand, gibt es heuer wieder einen "Kongress", der diesmal ganz im Zeichen der Münchner Subkultur steht. "Das ist auch ein Nebenprodukt des Klangfests an Pfingsten im Gasteig", erzählt Mitorganisator Tobias Staab, "eigentlich sollten da die Münchner Clubbetreiber ein Spätprogramm liefern. Aber weil das im Gasteig schlecht umzusetzen war, machen wir es jetzt in der Kongresshalle."

Das ist auch insofern erstaunlich, als die Münchner DJs und Clubbetreiber ja sonst durchaus auch Konkurrenten sind in jener erfreulicherweise gar nicht so kleinen Nische der elektronischen Clubmusik. "Eigentlich sitzt ja jeder in seinem Club und macht so sein Ding vor sich hin", sagt Staab, "es ist schön, dass sich das alles jetzt mal zentral präsentiert." Beispielhaft geschieht das schon am ersten Tag, wenn um 20 Uhr im Foyer der Kongresshalle die Ausstellung "Blinded by the lights" eröffnet wird. Dort gibt es Flyer, Plakate, Plattencover, Fotos und Videos aus 25Jahren Münchner Clubgeschichte zu sehen, dazu eine Videoinstallation der Münchner Videokünstlerin Betty Mü. Die Zombo Combo zeigt eine Kostümausstellung (und gibt am Donnerstag von zwölf bis 18 Uhr eine Verkleidungsparty für Kinder), das Modelabel "Fuckuall" feiert dort sein Zehnjähriges, und die Münchner Design- und Clubzeitschrift Super Paper präsentiert eine Art T-Shirt-Design-Ausstellung.

In der Kongresshalle selbst aber beginnt um 22 Uhr das Liveprogramm, bei dem sich unter anderem die Labels Permanent Vacation, Pastamusik, Great Stuff, Prologue und Ilian Type präsentieren. Zu den Live-Acts zählen Pollyester, Candyblasta, das Analog Roland Orchestra, Lützenkirchen , Edgar 9000 und Tom Bonaty. Um die Ecke, in der Kongress-Bar, legen unter anderen Florian Keller und Michael Reinboth von Compost Records auf; im neuen, kleinen "Theresienfloor", einem Nebenraum der Kongresshalle, sind DJs aus der "Elli Disco" und vom "Chaca Chaca" zugange, dazu gibt es Visuals, die meist aus dem Umkreis des "Harry Klein" stammen.

Der Donnerstag wird der Familientag des Kongresses. Außer genannter Verkleidungsparty gibt es von Mittag an einen DJ-Workshop mit Al Rock und Roger Rekless, einen Schlagzeug-Workshop für Kinder mit Christian Prommer von Drumlesson und um 18 Uhr einen Poetry Slam. Das Londoner Portico Quartet spielt im Innenhof, 20Uhr, und auch in der Halle geht es in Richtung Jazz. Dort treten die Bad Jazz Troupe, die Phenomenal Handclap Band, das Bugge Weseltoft & Henrik Schwarz Duo sowie Christian Prommers Drumlesson auf.

Am Freitag folgt dann eine Nacht zu Ehren der alten Registratur - mit DJ Hell, Christian Prommer, dem Trüby Trio, Fauna Flash, Peter Kruder und Alex Barck von Jazzanova. Und am letzten Tag, am Samstag, kommt die Münchner "Street Culture" groß zum Zug: mit einem Skateboard-Contest am Nachmittag, einem Breakdance-Workshop und einer Graffiti-Ausstellung der "Färberei". In der Hall tritt um 21Uhr die Münchner Hip-Hop-Legende Blumentopf auf - quasi als Höhepunkt und Abschluss des Kongresses. Wobei der etwas länger dauern dürfte, denn nach dem Konzert wird natürlich noch aufgelegt, sowohl in der Halle als auch in der Kongress-Bar. Und der letzte Eintrag im Programmheft zum Kongress ist ja auch recht vielversprechend: "Ab 06 Uhr: Der Kongress 2011", heißt es da. Man darf also davon ausgehen, dass die Party im kommenden Jahr fortgesetzt wird.

"Der Kongress - A Munich Showcase", 2.-5. Juni, Theresienhöhe 15. Beginn am Mittwochabend, 20 Uhr, mit der Eröffnung der Ausstellung "Blinded by the lights - 25 Jahre Münchner Clubkultur", Live-Programm ab 22 Uhr. Das vollständige Programm für die gesamten vier Tage unter www.derkongress.com.