Vollständige Übernahme:Schmuckstück

Der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung gehört nun auch das Schloss von Gut Freiham. Die Sanierung läuft

Von Ellen Draxel

Das Gut Freiham ist komplett: Die Edith-Haberland-Wagner-Stiftung, Mehrheitsanteilseignerin an der Augustiner-Brauerei, hat nun auch das Schloss erworben, das bisher einer amerikanischen Kosmetikfirma gehört hatte. "Wir können den Kauf bestätigen, Aussagen zur künftigen Verwendung sind allerdings noch nicht möglich", erklärt die Stiftung auf SZ-Anfrage. Aubings Lokalpolitikern hatte ein Vertreter der Stiftung zuvor erklärt, das Schloss solle voraussichtlich für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden. Öffentliche Jazz- und Klassik-Konzerte haben dort bereits in den vergangenen Jahren stattgefunden.

Gut Freiham

Zuletzt Vertriebssitz für eine US-Kosmetikfirma: Das 1680 erbaute und später in seine heutige neugotische Optik verwandelte Schloss Freiham gehört nun der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung, die noch offen lässt, was sie mit dem Prachtbau vorhat. In Aubing hofft man auf eine kulturelle Nutzung.

(Foto: Florian Peljak)

Parallel zum Kauf ist die Sanierung der Gutsgebäude in vollem Gange. Das Gut Freiham, erstmals 1136 als "villa Frihaim" in einem Schriftstück von Papst Innozenz II. urkundlich erwähnt, wird seit Jahren aufwendig restauriert. Der direkte Weg zum Gut Freiham führt schräg gegenüber den Freihamer Bildungscampus über einen von der Bodenseestraße abzweigenden und bestens hergerichteten Fuß- und Radweg. Etwas umständlicher ist für Autofahrer die Anfahrt über die Centa-Hafenbrädl-Straße vom Freihamer Gewerbegebiet aus. Dafür erwarten Besucher dort schon jetzt jede Menge nagelneu hergestellter Parkplätze.

Gut Freiham

In seiner 900-jährigen Geschichte war das Gut stets ein Wirtschaftsbetrieb.

(Foto: Florian Peljak)

2014 hatte die Edith-Haberland-Wagner-Stiftung das Schmuckstück, das dem neu entstehenden Stadtteil im Westen seinen Namen gab, großteils erworben. Seitdem erstrahlt die Schwaige mehr und mehr in historisch neuem Glanz. Einzig das 1680 erbaute und später in seine heutige neugotische Optik verwandelte Schloss Freiham bildete eine Ausnahme: Der inmitten eines stilgerecht angelegten Parks thronende Prachtbau, 2008 bei der erstmaligen Veräußerung des Guts von US-Milliardär Rex Maughan für den Vertriebssitz seiner Kosmetikfirma "Forever Living Products" gekauft, war zu diesem Zeitpunkt bereits saniert. Jetzt aber, da das Kosmetikunternehmen nach Schwabing umgezogen ist, hat die Stiftung auch das Schloss dem Gut hinzufügen können.

Gut Freiham

Noch ein gutes halbes Jahr, dann sollen laut Stiftung das Gasthaus samt Garten und der kleine Spielplatz mit seinen Rutschen, Picknickplätzen und dem Klettergerüst eröffnen.

(Foto: Florian Peljak)

Das Gut, in seiner mehr als 900-jährigen Geschichte stets ein Wirtschaftsbetrieb und ein Anwesen Betuchter, soll, so das Ziel der Stiftung, in den kommenden Jahren zu einem Ausflugsziel für die Münchner und die Menschen aus dem Umland werden. Traditionelle Handwerker werden dafür in die sanierten Gebäude einziehen. Die Augustiner-Brauerei wird ein Dorfgasthaus betreiben. In der Heilig-Kreuz-Kirche erklingt für Gottesdienste, Trauungen und Taufen wieder die restaurierte Orgel, und im Turm schlägt die verloren gegangene dritte Glocke.

"Die Holzfass-Manufaktur ist jetzt seit Frühling in Betrieb, der Pferdestall schon seit 2019", informiert die Stiftung. Die Holzfässer, die in der Manufaktur des ehemaligen Kuhstalls entstehen, sollen der hauseigenen Brauerei zur Verfügung stehen. Besucher erhalten dort künftig einen Einblick in das Schäffler-Handwerk, ausgeübt wie zu Gründungszeiten des Gutes. Und im renovierten Pferdestall direkt neben der Kirche stehen bereits Brauereirösser, die einmal vor die Bierwagen gespannt werden sollen - eigens trainierte Kaltblutpferde der kräftigen Rasse Percheron. Auch die Koppeln gegenüber dem Schloss sind bereits fertiggestellt.

Das ehemalige Getreidelager und der Bullenstall hingegen, die zu einer Wirtschaft umgebaut werden, sind noch eingerüstet. Neue rote Dachziegel leuchten aber schon in der Sonne, Schleppgauben werden derzeit montiert. Auch der Spielplatz daneben ist weit gediehen, mit Rutschen, Picknickplätzen, einem Klettergerüst und einem schwarzen, hölzernen Pferd, das auf die kleinen Gäste wartet. Was dort bislang fehlt, ist der Bodenbelag, die Betonfundamente liegen brach. Noch ein gutes halbes Jahr, dann soll laut Stiftung "aller Voraussicht nach" das Gasthaus samt Garten und kleinem Spielgelände eröffnen. Der große, von alten Kastanien umsäumte Biergarten mit Selbstbedienung allerdings, ein geplantes Museum im Dachgeschoss des Gasthofs, in dem das Bierbrauen erklärt wird, sowie eine auf dem Gelände seit 1887 existierende Brennerei folgen erst "in den nächsten Jahren". Genauere Angaben kann die Stiftung noch nicht machen. Die Braugerste für die hochprozentigen Getränke soll in der Umgebung angebaut werden.

© SZ vom 25.09.2021
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