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Volkstheater:Was ein 50 Jahre altes Fassbinder-Stück über Fremdenhass sagt

Katzlmacher

"Ein Italiener aus Italien", das denkt die tumbe Dorfjugend, als der Grieche Jorgos (Timocin Ziegler, vorn) auftaucht.

(Foto: Münchner Volkstheater)

Abdullah Karaca hat "Katzelmacher" inszeniert, es geht um Rassismus in der Gastarbeiterzeit. Mit einem echten Fassbinder-Schauspieler diskutiert er: Darf man das auf die Flüchtlingsdebatte übertragen?

Von Christiane Lutz, München

Die Alten wissen es ja immer besser. Natürlich auch in der Kunst. Rudolf Waldemar Brem, 68, hat zum Beispiel schon 1968 in der Uraufführung von "Katzelmacher" mitgespielt. Und er war im berühmten Katzelmacher-Film von 1969 dabei. Und jetzt kommt der junge Regisseur Abdullah Kenan Karaca daher und inszeniert den Katzelmacher am Volkstheater.

Karaca ist Jahrgang 1989 - zu seiner Geburt war Fassbinder also schon sieben Jahre tot. "Katzelmacher" erzählt die Geschichte des griechischen Gastarbeiter Jorgos, der aufs bayerische Land zieht und von der gelangweilt-rohen Dorfjugend Rassismus und Gewalt erfährt. Ein Stoff, der wohl nie nicht aktuell war.

Er ärgert sich, dass Fassbinder ständig falsch verstanden würde

Zu Beginn eines gemeinsamen Gesprächs zwischen Karaca und Brem im Foyer des Volkstheater poltert der ältere auch gleich los: "Es wurde kaum ein aktueller deutscher Autor so verhunzt wie Fassbinder". Er ärgert sich, dass sein Fassbinder, mit dem er sieben Jahre künstlerisch verbunden war, ständig falsch verstanden würde. Als Junkie zum Beispiel: "Mein Fassbinder, der Katzelmacher geschrieben hat, der hat nur Cola getrunken." Allerdings ist er der Meinung, dass mit Abdullah Karaca genau der richtige Regie führt, wegen seines "Migrationsschlenkers".

Abdullah Karaca gibt sich unerschrocken. Muss er auch, schließlich steht sein "Katzelmacher" schon: Das Stück ist nicht nur fürs Volkstheater entstanden, sondern ist auch die Abschlussinszenierung seines Regie-Studiums. Die Inszenierung hatte bereits auf Kampnagel in Hamburg Premiere. Am Freitag nun im Volkstheater. Auf die Frage, ob es ihm leicht falle, sich beim Inszenieren vom Fassbinder-Mythos und den Erwartungen der anderen zu lösen, sagt Karaca: "Ich muss mich davon frei machen. Immer."

Nächste Vorstellungstermine: 14., 17. und 18. März, 19.30 Uhr, Volkstheater, Brienner Straße 50, Tel: 089 / 523 46 55

© SZ.de / clu/fehu
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