Volkstheater München:Großes Theater im Viehhof

Volkstheater-Intendant Christian Stückl träumt von einem Umzug in den Viehhof.

Die Brachfläche des ehemaligen Viehhofes wurde in den vergangenen Jahren im Sommer als Biergarten und Freiluftkino genutzt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Wo soll das Volkstheater hin, wenn der Mietvertrag in der Brienner Straße ausläuft? In der Wahl sind neben einer Sanierung des alten Hauses drei neue Standorte. Am attraktivsten scheint eine Fläche im Schlachthofviertel.

Von Franz Kotteder

Die Entscheidung ist noch nicht gefallen, aber langsam kristallisiert sich eine Lösung heraus. Am Donnerstag geht es im Kulturausschuss des Stadtrats um die Zukunft des Volkstheaters, und am aussichtsreichsten scheint der Viehhof des Schlachthofs als künftiger Standort für das Theater zu sein. Näheres soll nun eine Machbarkeitsstudie klären.

In sechs Jahren braucht das Volkstheater ein neues Haus, denn der Mietvertrag in der Brienner Straße läuft nur noch bis 2020. Es könnte dort auch länger bleiben, aber das geht nicht ohne umfangreiche Bauarbeiten, die sich nach Ansicht der Theaterleitung nicht rentieren, weil das Gebäude trotzdem Flickwerk bliebe. Deshalb hat das Kulturreferat sich schon vor mehr als einem halben Jahr auf die Suche nach Alternativen begeben. Gut 20 Standortvorschläge hat sich die Behörde angeschaut, nun kommt das Zwischenergebnis an diesem Donnerstag in den Stadtrat. Drei Standorte sind - neben dem jetzigen in der Brienner Straße - in der engeren Wahl. Besonders gute Aussichten scheint der Favorit von Volkstheater-Intendant Christian Stückl zu haben: der Viehhof an der Tumblingerstraße, bislang eine Brachfläche in städtischem Besitz. Aber Teile der Stadtverwaltung und der Politik können sich dort auch Wohnhäuser vorstellen.

Seit seiner Gründung Ende der Achtzigerjahre ist das Volkstheater zur Miete in der Brienner Straße untergebracht: in einer früheren Turnhalle, die dem Bayerischen Fußballverband gehört. Um die Sporthalle theatertauglich zu machen, hat die Stadt schon viele Millionen Euro investiert, doch das Haus ist alles andere als optimal. Für Werkstätten, Lager und eine Probebühne mussten weitere Räume außerhalb des Geländes angemietet werden, was viele umständliche Transportfahrten nötig macht. Wollte man in der Brienner Straße bleiben, müsste die Stadt viel Geld hineinstecken.

Da könnte es sich rentieren, gleich selbst ein neues Theater zu bauen. Die Vorgaben sind relativ klar: Das Theater braucht insgesamt etwa 13 200 Quadratmeter Nutzfläche (bisher stehen 8100 Quadratmeter zur Verfügung), es soll möglichst innerhalb des Mittleren Rings unterkommen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht erreichbar sein. Standorte wie Freiham oder der Pasinger Marienplatz schieden da schon einmal aus. Auch die Feuerwachen an der Heimeran- und der Nordendstraße sind ebenso ungeeignet wie die Alte Messe auf der Theresienhöhe oder das Technikforum des Deutschen Museums: Sie sind schlichtweg zu klein für das Theater. Weitere Standorte wie die beiden Hallen im künftigen Kreativquartier sind inzwischen anderweitig verplant.

Übrig geblieben sind der Viehhof im Schlachthof, die denkmalgeschützten Großmarkthallen, die ohnehin saniert werden müssen, ein Neubau im sogenannten Kreativlabor an der Ecke Dachauer-/ Schwere-Reiter-Straße und der Umbau des bisherigen Gebäudes. Einen leichten Vorteil scheint der Viehhof zu haben: Er ist über die U-Bahn-Station Poccistraße gut erreichbar und bislang eine Brachfläche. An der Dachauer Straße hingegen müsste erst Platz geschaffen werden, und ob die alte Großmarkthalle bis 2020 schlüsselfertig zur Verfügung stehen kann, bezweifeln nicht nur manche Verantwortliche bei der Stadt.

Klarheit soll nun eine Machbarkeitsstudie für alle vier Standorte geben. Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD) will sie von einem externen Büro erarbeiten lassen, weil die Zeit drängt und die städtischen Behörden nicht genug Kapazitäten dafür frei haben. Dass er am Donnerstag vom Kulturausschuss das Placet dafür bekommt, ist fast sicher. Denn auch die Stadträte wollen, dass etwas vorangeht mit einem der erfolgreichsten Theater der Stadt. Nur Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD) wirkt in seiner schriftlichen Stellungnahme etwas unzufrieden damit, dass das Volkstheater künftig 60 Prozent mehr Platz bekommen soll. "Das Kommunalreferat kann fachlich nicht beurteilen", schreibt er, "ob dieser Flächenbedarf für einen künftigen Theaterbetrieb tatsächlich notwendig ist, stellt aber fest, dass das Volkstheater in seiner gegenwärtigen Größe sehr erfolgreich ist."

Den Viehhof würde Markwardt jedenfalls ungern abgeben: Er könnte ihn gut gebrauchen, um damit zumindest teilweise den notwendigen Neubau der Großmarkthalle zu finanzieren.

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