Volksbegehren für Artenvielfalt in Bayern:Bienen retten - und bitte auch die Kleinbauern

SZ-Leser äußern Sympathie, warnen aber auch vor unerwünschten Nebenwirkungen

Volksbegehren für Artenvielfalt in Bayern: Rettung für die Bienen - oder Zumutung für bäuerliche Kleinbetriebe? Die Einschreibfrist fürs Artenschutz-Volksbegehren dauert bis 13. Februar.

Rettung für die Bienen - oder Zumutung für bäuerliche Kleinbetriebe? Die Einschreibfrist fürs Artenschutz-Volksbegehren dauert bis 13. Februar.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

"Fünf Prozent in fünf Tagen" vom 6. Februar und "Bündnis für Bienen", 31. Januar:

Für Bienen und kleine Bauern

Sich für unsre Umwelt einzusetzen unterstütze ich. Das Volksbegehren "Bienen retten" ist als Ziel richtig, nicht aber die kleinen Bauern in ihrer Existenz zu bedrohen. Der Ökoanbau soll auf 30% der landwirtschaftlichen Fläche ausgeweitet werden - ohne finanziellen Ausgleich für die Bauern. Mein Bruder ist ein kleiner Bauer in Niederbauern bei Landshut. Er hat 10% seiner Anbaufläche für ökologische Nutzung gewandelt. Dafür bekommt er Geld. Der Umsatzanteil der Bio-Lebensmittel beträgt 5 Prozent (siehe SZ-Interview "Hoffnung" mit Thilo Bode vom 2./3. Februar). Probleme macht die Landwirtschaftsindustrie, nicht die Kleinbauern. Darum sage ich: Rettet die Bienen - und die kleinen Bauern. Johannes Hagl, Neuried

Wichtiges Signal

Ein Fünftel des Einkaufskorbes, gekauft im Vollsortimenter oder auf dem Wochenmarkt, sollte im Jahre 2025 von ökologisch genutzten Flächen kommen. Das klingt nicht nur human, das ist es auch. Dass ein ökologisch orientiertes Flächenmanagement für Landwirte mehr Aufwand bedeutet, ist oft nicht der ausschlaggebende Punkt für deren Aufschrei, sondern dass freiwillige Maßnahmen, welche mit staatlichen Förderungen vergütet werden, wegfallen. Deren Kompensation wird an den Endverbraucher weitergegeben werden müssen. Es sollte also jedem klar sein, dass im Falle eines positiven Ausgangs der Abstimmung die Preise für Milch, Mehl und andere heimische Produkte angehoben werden müssen. Dass die Lebensmittelpreise in Deutschland auf einem europaweit sehr niedrigen Niveau liegen, basiert auch auf der Effizienz in der Herstellung dieser Güter.

Durch staatliche Markteingriffe wird die Konsumentensouveränität beeinträchtigt, dies ist im Sinne der Erhaltung der Biodiversität, nicht jedoch im Sinne der allgemeinen Markttheorien. Das neoklassische System bewertet Langzeitfolgen wie das Insektensterben nicht monetär, de facto gäbe es also keine negative Beeinträchtigung durch das Aussterben der Wildbiene. Diese Betrachtung ist so überholt wie die Ansichten zum Klimawandel von Herrn Trump, es ist also an jedem gelegen, sein Konsumverhalten dahingehend anzupassen. Wenn dies bereits der Fall wäre, gäbe es keinen Grund für das Volksbegehren, aber Fleisch und Milch werden eben doch beim Discounter erworben, weil die Milch aus Massentierhaltung ohne frische Luft und Licht ja genauso "gut" schmeckt. Ob sich durch eine festgelegte Quote der gewünschten Erfolg einstellt, ist schlecht absehbar, aber da unsere Politiker unangenehme Themen meist lieber meiden, da ja bald wieder gewählt wird, setzt das Instrument des Volksbegehrens ein wichtiges Signal. Nicht nur für die Bauern, sondern auch für unsere gewählten Vertreter. Alexander Hösch, Olching

Wo die Musik wirklich spielt

Von Gegnern und Kritikern des Volksbegehrens wird behauptet, der Gesetzesentwurf sei schlecht für die Bauern und diese würden allein für das Artensterben verantwortlich gemacht. Unsere Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber blies ins gleiche Horn, als sie beim Imkergespräch in Starnberg die Kritik des Bauernverbands Punkt für Punkt wiederholte. Ich sehe hingegen große Chancen gerade für die kleineren und mittelgroßen Betriebe, wenn jetzt die Weichen für eine ökologische Landwirtschaft gestellt werden.

Dies ist auch aus Gründen des Klimaschutzes erforderlich. Die Subventionen der Landwirte über die pure Flächengröße müssen beendet werden und stattdessen die Zahlungen für die Leistungen der Landwirte im Natur-, Tierschutz und in der Landschaftspflege erfolgen. Dies würde auch EU-weit die Wettbewerbsbedingungen fairer machen. Mit Großinvestoren, die in Bulgarien und Rumänien riesige Flächen aufkaufen und großindustriell bewirtschaften, könnte der kleinere Landwirt in Bayern dann konkurrieren.

Die Gesellschaft scheint bereit, den Umbau der Landwirtschaft mit zu tragen. In ganz Deutschland könnte der Solidaritätszuschlag für die solidarische Unterstützung der Landwirte verwendet werden. Aber auch auf Landesebene muss zusätzliches Geld bereitgestellt werden. Das eine oder andere Großprojekt wie etwa der Bau des neuen Konzertsaales in München, könnte zum Beispiel zurückgestellt werden, damit wir in unserem schönsten Konzertsaal, der Natur, die Insekten wieder summen und die Vögel wieder singen hören. Klaus Hirsch, Tutzing

"Weiter so" - geht nicht

Die Aufregung der Gegner des Volksbegehrens, vor allem der Landwirte, entsetzt mich sehr. Man streitet hier "um des Kaisers Bart".

Ich habe unterschrieben, bewusst ohne mich detailgenau mit den Inhalten zu befassen. Dies hat zum Beispiel auch ein Großteil der CSU-Fraktion in meiner und Herrn Söders Heimatstadt Nürnberg getan. Ebenso wie viele CSU-Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie auch Landräte von CSU und Freien Wählern. Es geht doch jetzt nicht darum, Details zu zerpflücken. Geht das Volksbegehren durch (wofür ich bete), so hat Herr Söder einen Gegenentwurf angekündigt (hoffentlich einen guten), was sein gutes Recht ist, und es wird zu einem Volksentscheid kommen. Erst dann macht es Sinn, sich mit den jeweiligen Inhalten zu befassen.

Das derzeitige Volksbegehren ist deshalb für Jeden, der weiter denkt, ein Instrument, um die Staatsregierung, von der bisher schöne leere Worte kommen, in Sachen Umweltschutz endlich zum Handeln zu zwingen. Die Schauspielerin Michaela May sagt zu Recht: "Es ist fünf nach zwölf."

Scheitert das Volksbegehren, so müssen sich die Verweigerer auf die Fahnen schreiben, dass sie sich an unseren Kindern und Enkeln versündigt haben, denn die Staatsregierung wird wohl weiter wursteln wie bisher. Sonst wäre es ja gar nicht zu diesem Volksbegehren gekommen. Deshalb sollten auch alle Landwirte, die behaupten, die Natur liege ihnen am Herzen, jetzt unterschreiben. Sie können beim Volksentscheid dann ja für den Gegenentwurf stimmen. Prof.Dr. Rainer Förderreuther, Zorneding

Bio mit der Brechstange, das kann es nicht sein

"Rettet die Bienen" ist ein publikumswirksamer Aufhänger, dem wohl jeder zustimmen kann. Sich mit dem Volksbegehren zu beschäftigen, fordert jedoch mehr: Wer den Slogan unterschreibt, sollte zuerst den kompletten Text des Volksbegehrens lesen. Kann es sein, dass im gesamten Text ausschließlich die Landwirte gefordert sind -und alle anderen Bereiche ausgeblendet werden? Bitte fragen Sie bei einem Landwirt in der Nähe nach, was dies für die Bewirtschaftung seines Betriebes bedeutet. Ich und meine zwölf aktiven Berufskollegen aus unserem Dorf befürchten, dass dieses Volksbegehren das Potenzial hat, die Gesellschaft in Bayern zu spalten. Biologische Landbewirtschaftung mit der Brechstange voran zu bringen, halten wir für einen Fehler. Der Biomarkt ist zu sensibel, um solche Zuwächse in wenigen Jahren zu verkraften. Wir stehen für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur, insbesondere auf den von uns bewirtschafteten Flächen. Bevor Sie ihre Unterschrift leisten, informieren Sie sich bitte umfassend und bedenken Sie die Auswirkungen für "Ihre" Landwirte.

Artenvielfalt braucht Zusammenarbeit und geht uns alle an: Bei der blütenreichen Gestaltung von Gärten und Grünanlagen, bei der Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes, auch in Urlaub und Freizeit, bei der Wahl von regionalen Produkten aus Bayern. Lasst uns zusammenarbeiten, dass Bayern aufblüht: Jeder in seinem Garten, in seinem Umfeld, auf allen öffentlichen Flächen und auf unseren Feldern und Wiesen!

Wir Landwirte wissen nicht nur um die hohe Bedeutung der Artenvielfalt in Flora und Fauna. Wir sind darauf angewiesen, dass das Zusammenspiel in der Natur funktioniert: Jeder an seinem Platz und nicht durch einseitige Einschränkungen, die nur auf den Berufsstand der Landwirte abzielen. Andreas Dopfer, Germaringen

Hinweis

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© SZ vom 07.02.2019
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