Villa Flick in München Ein Luxusbunker wird geschleift

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Villa Flick

Bilder einer prunkvollen Vergangenheit

Sie gilt als eine der außergewöhnlichsten und auch merkwürdigsten Luxus-Immobilien Deutschlands: die Flick-Villa mit über 150 Räumen auf 2100 Quadratmetern Wohnfläche im vornehmen Herzogpark. Jetzt hat der Abriss begonnen.

Sie gilt als eine der merkwürdigsten Luxus-Immobilien Deutschlands: Die Villa des Multimilliardärs Flick im Münchner Herzogpark. Nun soll sie einem schicken Mehrparteienhaus weichen. Das Problem: Der Bau ist mit Panzerglas und bombensicheren Decken ausgestattet.

Von Alfred Dürr

Sie gilt als eine der außergewöhnlichsten und auch merkwürdigsten Luxus-Immobilien Deutschlands, die sogenannte Flick-Villa mit über 150 Räumen auf 2100 Quadratmetern Wohnfläche im vornehmen Herzogpark. Das 1979 für rund 28 Millionen Mark fertiggestellte Münchner Domizil des 2006 gestorbenen Unternehmers und Multimilliardärs Friedrich Karl Flick stand zuletzt einige Zeit leer, jetzt hat der Abriss begonnen. Das ist eine recht aufwendige und teure Angelegenheit, Stück für Stück muss mühsam abgetragen werden. Allein für den Abriss fallen Kosten von einer halben Million Euro an. So einfach zur Seite schieben lässt sich diese Trutzburg nämlich keineswegs.

Die Adresse Pienzenauerstraße 111 ist seit ein paar Tagen eine Baustelle. Große Veränderungen erkennt man allerdings noch nicht. Ein Container steht vor der Tür, im Garten türmt sich ein Schutthaufen. Zunächst muss geklärt werden, was sich demontieren und wiederverwerten lässt. Genügend Material ist ja vorhanden. Flick hatte zeitlebens Angst vor Attentaten oder Entführungen, entsprechend war das Haus für jeden Notfall ausgerüstet und mit den höchsten Sicherheitsstandards versehen.

Alles war vom Feinsten in den Wohn-, Schlaf- oder Fitnessräumen. Es gab eigene Kühlzimmer für Lebensmittelvorräte und ein großes Weinlager. Ein Haustechniker kümmerte sich um die Klimaanlage, die jeden Bereich belüften, beheizen oder kühlen konnte. Ein speziell angefertigtes Dieselaggregat, das nun zerlegt und abtransportiert werden muss, sollte im Notfall Strom liefern. Das Haus war autark. Allerdings war damals der Begriff Nachhaltigkeit ein Fremdwort. Energiekosten spielten keine Rolle. Im Winter wurden bei Schnee und Eis die Freiflächen beheizt. Monatliche Stromkosten von 20 000 Euro seien keine Seltenheit gewesen.

Fenster und auch die Balkoneinfassungen waren mit Panzerglas ausgestattet, auf die zu Testzwecken mit Maschinengewehren gefeuert wurde. Die extrem dicken Scheiben zu beseitigen ist buchstäblich eine schwere Aufgabe. Im Untergeschoss befindet sich zudem ein 28 Quadratmeter großer Schutzbunker. "Die Nachbarn müssen sich keine Sorgen machen, dass wir den wegsprengen müssen", sagt der Investor Stefan Mayr lachend. So dick seien die Mauern auch wieder nicht, ein herkömmlicher Bagger werde damit fertig. Genauso wie mit der "bombensicheren" Betondecke über der Tiefgarage. Anfang September soll die Baugrube für ein Wohngebäude ausgehoben werden. In einem Jahr könnte der Rohbau stehen. In gut zwei Jahren sollte das Haus dann bezugsfertig sein.

Stefan Mayr, 40, ist Projektentwickler und Chef des Münchner Unternehmens M-Concept, das "hochwertiges Wohnen in besten Lagen" anbietet. Einen zweistelligen Millionenbetrag hat er in das Grundstück investiert. 30 bis 40 Millionen Euro könnten es gewesen sein, schätzen Immobilienexperten. Nun werden hier nach dem Entwurf des Münchner Büros Landau und Kindelbacher Architekten zehn großzügig angelegte und luxuriös ausgestattete Wohnungen entstehen, mit Spitzenpreisen von 19 000 Euro für den Quadratmeter. Die einzelnen Wohnungen sollen zwischen 100 und 400 Quadratmeter groß werden.

Quadratmeterpreis dürfte bei 19000 Euro liegen

Selbst in einer ohnehin schon noblen Villengegend wie dem Herzogpark lässt sich der Luxus bei Neubau-Immobilien also noch steigern. Die Flick-Trutzburg wird durch klassisch-moderne Architektur ersetzt, wie Mayr sagt. Kein langweiliger Riegelbau soll sich hier präsentieren, sondern ein gegliederter Komplex mit einer abwechslungsreichen Fassade.

Die Käuferklientel, so berichtet Stefan Mayr, schätzt nicht nur die einmalige Lage mit unverbaubarem Blick und direktem Zugang zum Isarufer. Wer so viel Geld investiere, wolle auch ein besonders großzügiges Wohnambiente mit modernster Haustechnologie, edlen Materialien und hochwertigen Energiestandards.

Auch der traditionsreiche Herzogpark, den der einst dort lebende Literatur-Nobelpreisträger Thomas Mann einen "Zaubergarten" nannte, verändert sein Gesicht. Die Flick-Villa gehört bald der Vergangenheit an, aber der Luxus kommt in neuem Gewand wieder.

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