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Viertel-Stunde:Von Kreuz zu Kreuz

Ökumenischer Kreuzweg Waldperlach

An der Josefskapelle endet der Kreuzweg.

(Foto: Mira brünner)

Passend für die Passionszeit: In Waldperlach gibt es einen ökumenischen Kreuzweg, der Wanderern viele Impulse bietet: Stationen mit Texten und kleinen Aktionen oder auch Kleinigkeiten zum Mitnehmen - sowie viele Gelegenheiten zum Innhehalten

Kolumne von Mira Brünner

Unter dem Kreuz vor der Jubilatekirche in Waldperlach fühlt es sich für einen Moment so an, als wäre die Welt vollkommen in Ordnung. Die Vögel zwitschern von allen Seiten, sogar ein Kuckuck ist zu hören, Hundebellen klingt aus der Ferne und dann das ratternde Geräusch eines Tretrollers, auf dem ein kleiner Junge vorbeifährt. Rechts hinter dem Kreuz der ehemalige Wasserturm von Waldperlach, links an einem Baumstamm drei laminierte Zettel. Ein Wegweiser, ein Impuls zum Thema Holzkreuz und ein Liedtext. Genau an dieser Stelle beginnt der ökumenische Kreuzweg durch Waldperlach, der noch bis Karsamstag von 10 bis 18 Uhr begehbar ist.

Der nächste Stopp ist - keine zehn Meter entfernt - das Kreuz in der Kirche. Von einem Kreuz zum nächsten, so ist der Weg aufgebaut. Mit kleinen Impulsen, QR-Codes, die Links zu musikalischen Untermalungen bereitstellen und hier und da einer Kleinigkeit zum Mitnehmen. Innen ist die Kirche in warmes, buntes Licht getaucht, das durch die farbigen Fenster auf das Holzinterieur fällt. Es ist sehr still, es riecht angenehm holzig und vermittelt - losgelöst von der christlichen Bedeutung dieses Bauwerks - ein heimeliges Gefühl.

Weiter geht es entlang der Gänselieslstraße zum schwebenden Kreuz der St.-Bruder-Klaus-Kirche. Am Wegesrand warten mehrere Stationen mit Texten und kleinen Aktionen. St. Bruder Klaus wirkt anders als die Jubilatekirche: eher kühl, mit bunten Gemälden des Passionsweges Christi an den Wänden.

Bekannterweise kommt das Schönste ja zum Schluss. Die letzte Etappe des Kreuzweges führt den Friedrich-Panzer-Weg entlang, bis an den Punkt, wo er sein asphaltiertes Ende erreicht und in einen Waldweg mündet. Zwischen Nadelbäumen und Vogelgezwitscher endet der Kreuzweg dann vor der Josefskapelle, die ganz unscheinbar am Wegesrand mitten im Wald steht. In der Kapelle riecht nach Kerzenwachs; wer den Kopf in den Nacken legt, erhascht an der Decke einen Blick auf das Symbol des Heiligen Geistes. Ein Vorbote auf Pfingsten. Von außen taucht die Abendsonne die kleine Kapelle in goldenes Licht. Zeit, kurz innezuhalten und sich bewusst zu werden, wie schön dieser Moment ist. Innezuhalten und Waldperlach zu genießen, wie einen Kurzurlaub im Grünen.

© SZ vom 06.03.2021
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