Schon 76 Jahre sind vergangen, seit Elisabeth Baerlein im Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurde. Nur 27 Jahre währte ihr Leben. In ihrer Kindheit, aber auch während der Qualen, die sie unter dem Nationalsozialismus erlitt, war Musik ihre ständige Begleiterin. Heute trägt eine Straße in Trudering Baerleins Namen. Seit vergangenem Freitag erinnert zudem ein Zeichen an ihrem ehemaligen Wohnsitz an der Wasserburger Landstraße 209 an sie.
Früher war das die Adresse der "Phantasie" - ein Ausflugslokal und das Zuhause der Baerleins. Dort verbringt die am 26. März 1917 geborene Elisabeth ihre Kindheit. Früh stellt sich heraus, dass sie musikalisch hochbegabt ist. 1933 beginnt sie mit gerade einmal 16 Jahren Violine bei Anton Huber zu studieren. Doch nur wenig später verändert sich ihr Leben grundlegend: Wegen der jüdischen Religion ihrer Eltern gilt sie den Nationalsozialisten als "Geltungsjüdin". Bereits nach drei Jahren wird sie gezwungen, die Münchner Akademie für Tonkunst zu verlassen. Für einige Zeit besucht sie das private Trapp'sche Konservatorium und spielt bis zur Auflösung 1938 im Orchester des Jüdischen Kulturbundes. In der Pogromnacht im November 1938 verschleppt die Gestapo ihren Vater Friedrich Baerlein in das Konzentrationslager Dachau und zwingt ihn unter Misshandlungen, sein Gasthaus zu veräußern. Viele Bürger bereichern sich an diesem Verbrechen. Die dreiköpfige Familie hingegen muss 1942 in die "Heimanlage für Juden" an der Clemens-August-Straße ziehen. Dort musiziert die nun 25-Jährige im Kammerorchester für ihre Mitgefangenen. Kurze Zeit darauf wird sie in das Ghetto Theresienstadt gebracht. Die Violine bleibt an ihrer Seite. Als eine von 50 Überlebenden wird sie am 6. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert. Am 10. Oktober, vermutlich sofort nach ihrer Ankunft, wird sie ermordet.
Am Freitag, 9. Oktober, ihrem mutmaßlichen Todestag, wurde ein Erinnerungszeichen am früheren Standort des Lokals aufgestellt. Den Anstoß dafür gab die Münchnerin Angelika Landau - aus Liebe zur Musik und aus Empathie mit dem Schicksal der jungen Frau.