Süddeutsche Zeitung

Viertel-Stunde:Lernen mit dem Hachinger Bach

Lesezeit: 2 min

In Deisenhofen entsprungen, bahnt sich das Gewässer seinen Weg auch durch München - notfalls auch im Untergrund. Eine App führt die Wanderer nun entlang dieser Route, die durchaus Überraschungen bereithält

Von Alisa Schrauth

Abhilfe im Kampf gegen den Lockdown-Blues gefällig? Der Frühjahrsputz kann warten - für Münchner bieten sich deutlich charmantere Möglichkeiten, das Hirn zu entknoten. Beispiel: ein Ausflug entlang des Hachinger Bachs. Er bietet heimischen und auswärtigen Ausflüglern gleichermaßen das Rundumpaket zum Kopfauslüften. Wenn man den Bach ein Stück begleitet, bietet er eine hervorragende Orientierung durch sehenswertes Gelände.

Zur Hand geht einem aber nicht nur der Bach selbst, nein, auch die App "Hachinger Bach" leitet einen durch die Bach-Idylle. Ihr Inhalt bespaßt die Wanderer nicht nur mit informativen Texten, sondern auch mit Audioschnipseln, Tourenplaner und Bildern. Und wer auf das kleine, aber feine Abenteuer die bildschirmgeplagten Kinder mitnimmt, wird auch das nicht bereuen: Für sie hält der Bach Überraschungen bereit - in der App gibt es dazu eine spezielle Kinder-Route.

Der in Deisenhofen entspringende Bach führt seine Besucher flussabwärts nach Berg am Laim, zur Orientierung: in der App ist das die sogenannte Bachtour Mitte. Auf der zwölf Kilometer langen Strecke kommen Wanderer an zwei Quellen und zwei Versickerungen vorbei. Der Fluss führt durch die Vororte, unter der Autobahn durch - Achtung, unbequeme Unterführung - und weiter nach Perlach Süd. Parallel zur Unterbiberger Straße führt er durch eine idyllische Gegend, trotz des nahen Gewerbegebiets. Ab dort fließt er teilweise durch Privatgrundstücke, vorbei an Brücken, Baumhäusern und den dazugehörigen Bäumen. Der Bachlauf wechselt sein Gesicht stetig, mal schlängelnd, mal friedlich in geraden Kanälen. Große Teile der Strecke sind künstlich begradigt, stellenweise gibt es allerdings schon Renaturierungen.

Perlach kommt mit seiner baulichen Architektur recht charmant daher, gerade an der Sebastian-Bauer-Straße hat der Besucher Stoff zum Schauen. Wer zwischendurch einen Blick in die App wagt, der stolpert über so manch putzige Fachausdrücke, die zum Schmunzeln und Nachdenken anregen: Denn wer kann schon spontan Schluckbrunnen, Sumpfiris und Schössling erklären? Aber man kann ja lernen mit dem Hachinger Bach.

Ein Stückchen weiter geht es durch den Ostpark, dem man oft nicht ansieht, dass er künstlich angelegt wurde. Kurz darauf verschwindet der Bach an der Kampenwandstraße in einem Einlaufbauwerk. Bis zum Truderinger Gleisdreieck fließt er unterirdisch weiter. Versuche, ihn auch in Berg am Laim nach oben zu holen, gab es einige. Die App weist darauf hin, dass der Fluss kurz davor ist: "Das Bett ist teilweise schon gemacht" - doch es bleibt bislang ungenutzt. Anlieger befürchten Überschwemmungen.

Zugegeben, auf der Wanderschaft entlang des Baches, gerade im Stadtgebiet, braucht man ein wohlwollendes Auge für die Highlights. Der Weg führt durch dicht besiedeltes Gebiet, der Lärm der Straßen holt einen das ein oder andere Mal ein. Doch auch das regt zum Nachdenken an - wie sehr der Mensch in die Natur eingreift und wie perspektivische Entwicklungen aussehen können oder müssen. Denn "nur" Wandern kann ja jeder!

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Quelle:
SZ vom 24.04.2021
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