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Viertel-Stunde:Landeplatz der Luftschiffe

Flughafen München Oberwiesenfeld, 1931

Großflugtag 1931 am Flughafen Oberwiesenfeld.

(Foto: SZ Photo)

Vom Weideland zum Exerzierplatz: Das Oberwiesenfeld hat eine bewegte Geschichte

Könnte es sprechen, hätte es sehr viel zu erzählen. Die Abenteuer, die es in längst vergangenen Tagen miterlebt hat. Dass es unter anderem Schauplatz für Militärübungen, Landeplatz für Zeppeline und Flugzeuge wurde. Dass auf ihm im Jahr 1938 hochrangige Staatschefs gelandet sind: der damalige britische Premierminister Neville Chamberlain und der französische Ministerpräsident Édouard Daladier, die dann das Münchner Abkommen unterzeichnet haben - und so die Besetzung des Sudetenlandes besiegelten. Exerzierplatz, Olympiapark. Um die Geschichte und die historische Bedeutung des Oberwiesenfelds geht es Volker D. Laturell in seinem Vortrag am Dienstag, 14. Januar.

Bis vor knapp 100 Jahren gehörte das Oberwiesenfeld noch zur Gemarkung Moosach. Heute liegt es auf Milbertshofener, Schwabinger und Neuhauser Flur. Die Grenze bilden Moosacher Straße, Landshuter Allee, Dachauer- und Lothstraße, Schleißheimer Straße. In der Mitte befindet sich der Olympiapark. Was aber spielte sich vor dessen Zeit ab? Auf diesem großen Areal?

Die Anfänge reichen bis ins Mittelalter zurück: Weil das Feld nicht ertragreich war, diente es dem Viehbetrieb des Klosters Schäftlarn zunächst als Weideland. So friedlich blieb es allerdings nicht. Denn die riesige Fläche wurde im Laufe der Zeit vom Militär genutzt. "Die ersten Belege von Militärübungen gehen ins 17. Jahrhundert zurück", berichtet Laturell. Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Gebiet endgültig zum Exerzierplatz. Wahrscheinlich würde sich das Oberwiesenfeld mit Schaudern an diese Ära seines Daseins erinnern. Es würde die Gewehrsalven der Soldaten hören, lautes Hufgetrappel der Pferde, die über den Platz galoppieren. Sehen würde es ein Artilleriedepot, gefüllt mit Munitionen, Kanonen. Und Soldaten, die über das Feld robben.

Auf diesem Boden starteten und landeten seit Ende des 19. Jahrhunderts Flugzeuge. Für die deutsche Luftfahrt war das Oberwiesenfeld bedeutsam. In den 1920er Jahren stieg die F13, das erste Passagierflugzeug aus Metall, von dort hoch in die Lüfte.

© SZ vom 11.01.2020
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