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Viertel-Stunde:Glockengeläut zur Jakobidult

Die Geschichte der Münchner Dulten reicht bis ins Mittelalter zurück, die Märkte waren große Ereignisse für die Stadtgesellschaft - damals noch im Herzen der Stadt

Von Merle Körber

Stände mit exotischen Früchten und fremden Gewürzen neben Quacksalbern, die ihre Cremes und Tinkturen verkaufen. Pelze werden angepriesen, Goldschmiede zeigen ihren Schmuck, eine Theatergruppe spielt ein neues Stück, und nur ein paar Schritte weiter kann man sich einen schmerzenden Zahn ziehen lassen. Dieses Sammelsurium an Ständen und Attraktionen machte die Jakobidult im Mittelalter aus.

Auch wenn Münchner bei Dulten heute eher an gebrannte Mandeln, Riesenrad und Steckerlfisch denken, darf man nicht vergessen, wie weit die Dultgeschichte in München zurückreicht, findet Heinrich Ortner. Der eingefleischte Münchner gibt seit rund 40 Jahren Stadtteilführungen. Wie die Jakobidult in die Au kam, ist dabei eines von vielen Themen, über das er erzählen kann. "1310 wurde die Jakobidult zum ersten Mal urkundlich erwähnt", weiß er. Damals fand sie noch am Jakobiplatz im Herzen der Stadt statt. "Prägend war ihr Messecharakter", erklärt er. Die Salzstraßen, Floßfahrten und der Handelsweg von Italien und Tirol nach München, brachten eine bunte Vielfalt an Waren in die Stadt, die dann auf der Dult angeboten wurden. "Das war immer ein Riesenereignis", erzählt Ortner. Die Glocken wurden geläutet und die ganze Stadt strömte auf den Jakobiplatz.

Im Jahr 1799 wurden in der Au erstmals die Mai- und die Kirchweihdult abgehalten. Das Ziel war, Menschen in den Stadtteil zu bringen und dadurch die lokale Wirtschaft anzukurbeln. 1905 zog die Jakobidult - über einige Umwege - auch noch auf den Mariahilfplatz in der Au und machte den Stadtteil damit bis heute zum Zentrum der Münchner Dulten.

© SZ vom 01.08.2020

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